Vertrauen, so ein verbreitetes Missverständnis, ist das Mittel der Wahl nur für Leute, denen die notwendige Cleverness für Misstrauen und der Wille zur Macht fehlt. Wer vertraut, muss wohl der naive unbedarfte Typ sein, der sich leichtgläubig auf jedes Geschäft einlässt, auf jeden SPAM-Brief hereinfällt, ungefiltert Informationen über sich im Netz preisgibt und am besten gleich noch den Freunden seine Passwörter mitteilt. Wer hingegen Macht hat, verfügt über Sanktionsmittel (z.B. Sicherheiten/Sanktionsgewalten im Streitfall). Vielfach wird auch von der „gesunden Skepsis“ gesprochen, die den Handelnden vor Ungemach bewahrt. Nur dass im “echten Leben” jeder Kaufvertrag, jedes Kreditverhältnis, jede Finanzinvestition, jede Karriere, ja sogar jede Familiengründung scheitern kann. Die Governancegläugiben behalten sich vor, zunächst alles und jeden zu überprüfen, mögliche Katastrophen zu identifizieren, den Katastrophen Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen, damit mathematische Operationen durchzuführen und schließlich zu Entscheidungen zu kommen, welche auf die Vermeidung von Risiken zielen. Die Governancegläubigen wählen Handlungsstrategien, bei denen die Absicherung gegen Zahlungsansprüche, Schuldzuweisungen etc. und die Abwälzung von Unsicherheiten auf andere im Mittelpunkt stehen, und sie halten ihre prophylaktische Skepsis für klug. Weiterlesen →
Die Generation Governance und der Kampf um Vertrauen oder Misstrauen im Internet (Teil 2)
Juli 1, 2009 · Kommentar schreiben
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Die Generation Governance und der Kampf um Vertrauen oder Misstrauen im Netz (Teil 1)
Juni 21, 2009 · 1 Kommentar
Ich kenne eine Generation, die bildhaft vor sich sehen konnte, wie die Nationalsozialisten in ihrem Fanatismus, Menschenverachtung und Boshaftigkeit vom Establishment der Weimarer Republik unterschätzt wurden, und die sich erinnern, wo sie waren, als Göbbels für Hitler „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ ausrief. Manch wird sich sich noch an Sprüche wie „Wem der Himmel die Majorität der Tatkraft gegeben, dem hat er auch die Herrschaft gegeben“ (Adolf Hitler, 1927) oder „Es ist herrlich, in einer Zeit zu leben, die ihren Menschen große Aufgaben stellt“ (Hitler, 1933, zitiert bei Gunther Haupt und Werner Rust (Hg.) „Geflügelte Worte“, 29. Auflage, Berlin 1942, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, S. 644) , oder auch „Nur wer gehorchen kann, kann später auch befehlen!“ erinnern können (Hindenburg, 1. Mai 1933, Berliner Lustgarten, zitiert bei beides zitiert bei Büchmann „Geflügelte Worte“, 29. Auflage, Berlin 1942, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, S. 646). Dieser Generation heutiger Senioren wie Jürgen Habermas, Renate Mayntz, Papst Benedikt XVI, dem in dieser Woche verstorbenen Ralf Dahrendorf und vielen noch älteren oder inzwischen verstorbenen Menschen verdankt die Bundesrepublik Grundgesetz, soziale Marktwirtschaft, Wohlstand, günstige Bedingungen für die Deutsche Einheit und das vereinte Europa und ihr freiheitliches Bewusstsein. Und Vertreter dieser Generation im Familienkreis (*1911-2003) haben sich bei den Enkeln für ihre Verblendung und ihr Wegschauen in den Jahren vor 1945 entschuldigt. Sowas meine ich, wenn ich von Führung und Verantwortung spreche.
Heute sind wir mit einer Generation von Politikern und ‚Leistungseliten’ konfrontiert, die in dem Glauben lebt, die Gesellschaft durch ihre ‚Governance’ zu verbessern. Würde man die Gesellschaft ‚nur’ in der richtigen Richtung steuern, entstünden geordnete Verhältnisse, so ihre Überzeugung. Erführe Max Weber von ihren Steuerungsaktivitäten, er würde sich im Grab umdrehen. Ein Beispiel aus dem Bildungsbereich: Auf steigende Studentenzahlen in den 1990er Jahren haben Politik und Hochschulen nicht mit Berufung von mehr Professoren und Aufstockung des wissenschaftlichen Personals reagiert, sondern mit der Einführung der gestuften Studiengänge, mit Studiengebühren und Online-Anmeldungen für die einzelnen Lehrveranstaltungen geantwortet, in die häufig eine Begrenzung der Teilnehmerzahl eingebaut ist. Jetzt, wo man feststellt, dass Studierende vor allem auf Kreditpunkte bedacht sind, sich an den Inhalten desinteressiert zeigen, Lehrveranstaltungen wenig besucht sind, manche Studierende gar beim eigenen Referatstermin fehlen, Studienzeiten verlängert werden (Erwerbstätigkeit, Such-/Orientierungsphasen) und auch das proklamierte Ziel der Vergleichbarkeit der Studienleistungen fraglich ist, überlegen die Governancegläubigen nicht, wie man den Unsinn wieder los wird. Vielmehr führt man vor Ort z.B. schwarze Listen ein (Bestrafung der Studierenden). Eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Inhalte und Lernziele bleibt bisher aus. Nun werden auch noch die Zielvorgaben verändert: Vorgegeben wird Formalziel des international vergleichbaren Bildungszertifikats von Bachelor oder Master nach dem Bologna-Abkommen, Studierende sollen an ihrer ‚Employability’ arbeiten.
Wir haben nicht zu befürchten, schrieb Max Weber schon in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts, dass wir mal Zuviel „Individualismus“ und „Demokratie“ haben werden. Dafür würde die Bürokratie in Staat und Wirtschaft schon sorgen. Im Zusammenwirken erschaffen die Akteure das stahlharte Gehäuse der Hörigkeit, das sich sämtlicher Bereiche des Lebens bemächtigt: Angesichts der Übermacht der Tendenz der Bürokratisierung hat Weber bezweifelt, ob sich irgendwelche Reste von Individualität und individualistischer Bewegungsfreiheit retten lassen. Die wachsende Unentbehrlichkeit und Hegemonie der Fachexperten ist ein Schreckenszenario für Weber, und er hat gewarnt, dass es gesellschaftliche Instanzen geben muss, welche diese Schicht wirksam kontrolliert (Max Weber, „Wirtschaft und Gesellschaft“ 1922/1980, Tübingen: Mohr, S 834-837).
Seit einigen Jahren hat die Generation Governance nun auch das Internet als Betätigungsfeld entdeckt, z.B. für die Bekämpfung des Terrorismus, den Schutz des geistigen Eigentums und für den Schutz der Opfer aus Sexualstraftaten. So hat der Bundestag auf Initiative der Familienministerin Ursula von der Leyen 18.06.09 mit der Stimmenmehrheit von 389 Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen 128 Stimmen aus der Opposition ein Gesetz verabschiedet, welches kinderpornographische Inhalte mit einem Stopp-Schild versieht. Dies tat sie, obgleich nachgewiesen ist, dass die Inhalte durch eine Sperrung nur mit einem Vorhang versehen werden, sich die Sperren umgehen lassen, wissenschaftliche Untersuchungen über die Auswirkungen von Sperrlisten aus anderen Nationalstaaten fehlen, die Missbrauchsopfer die Löschung der kinderpornographischen Inhalte und die Strafverfolgung der Täter fordern. Dafür wischt die Regierung eine ePetition mit 134014 Mitzeichnern vom Tisch, die ebenfalls die Löschung anstelle der Sperrung von Onlineinhalten fordern. Dafür beugt das im Grundgesetz verankerte Recht auf Informations-, Meinungs- und Pressefreiheit. In ihrer Begründung schreiben Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, wie u.a. die Musik- und die Filmindustrie mit ihren Prozessen immer wieder aufs neue beweisen.” – als ob das Internet jemals ein rechtsfreier Raum gewesen und das geltende Recht der Nationalstaaten, wo die Server stehen, irrelevant wäre! Die Urteilsfähigkeit über Online-Inhalte, welche die Bundesregierung den Internetnutzern nicht zubilligt, überträgt hat der Gesetzgeber mit dem Gesetzesbeschluss dem Bundeskriminalamt übertragen, also einer Polizeibehörde, welchem sie ein Expertengremium zur Seite stellt, dessen Kompetenzen unklar bleiben (siehe Antwort der Bundesregierung auf kleine Anfrage der FDP-Fraktion). Auf den Nachweis, dass es Privatpersonen (Alvar Freude vom AK Zensur) gelungen ist, die effektive Löschung kinderpornographischer Inhalte zu veranlassen, hat die Bundesregierung nicht mehr zu anzubieten als den Hinweis auf ihre guten Absichten zum Schutz wehrloser Kinder. Weiterlesen →
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Ralf Dahrendorf has died at age 80
Juni 20, 2009 · Kommentar schreiben

Ralf Dahrendorf
Last Wednesday, after severe illness sociologist and liberal Politician Lord Ralf Dahrendorf at age 80 in Cologne where he was a visiting researcher to MPIfG. His contribution to sociology, to democracy in Germany and to liberalism is invaluable, and Dahrendorf will be greatly missed. Here is an interview (recorded 1989, uploaded 2008) with Ralf Dahrendorf at UC Berkeley in English.
Here is a late talk by Lord Ralf Dahrendorf on Freedom versus Justice at Stiftung für die Freiheit (May 2008):
See also 3Sat, FAZ, Spiegel , Frankfurter Rundschau, Guardian and MPIfG Cologne.
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„Damit da mal was und ich rege mich nicht auf!“ Aufruf zur EU Wahl 2009
Juni 6, 2009 · 5 Kommentare
Aufrufe für eine Europawahl haben den Charme von eingeschlafenen Füßen. Europa scheint weit weg, die Verordnungen bürokratisch und bisweilen komplett absurd, und doch ist jeder für die Verhältnisse mitverantwortlich, die uns morgen entgegenschlagen. Zunehmend stellt sich die Frage, welchen Stellenwert ‚Freiheit’, ‚Soziale Marktwirtschaft’, Chancengleichheit für alle und soziale Gerechtigkeit’ in Zukunft bei uns allen haben werden. Es gibt viele gute Gründe, die den Gang an die Wahlurne unumgänglich machen, doch drei Themen möchte ich hier mal erwähnen:
Wer nicht in einer Welt leben möchte, in der Grundrechte gebeugt, die Informations-, Presse- und Meinungsfreiheit abgeschafft wird, möchte bitte zur Wahl des Europäischen Parlaments und im Herbst zur Bundeswahl gehen und eine Partei wählen, die sich gegen jegliche Internetsperrung wendet. Seit heute ist offenkundig, dass es bei Internetsperren nicht um Terrorismusbekämpfung und auch nicht um Kinderpornografie oder irgendwelchen anderen Politikgegenstände, sondern genuin um Zensur geht, denn SPD-Mann Wiefelspütz hat ausgeplaudert, was man sich ohnehin längst gedacht hatte und sich für weitere Internetsperren ausgesprochen:
“Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat sich dafür ausgesprochen, die im Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie vorgesehene Sperrung von Internetseiten auch auf andere kriminelle Seiten auszuweiten. “Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden”, sagte Wiefelspütz der “Berliner Zeitung” (Samstagsausgabe). “Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.” Er könne sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken, sagte der SPD-Politiker: “Eine Zeitung darf ja auch keinen Mordaufruf veröffentlichen.” Bislang plant die Regierung nur eine Blockade kinderpornografischer Inhalte im weltweiten Datennetz. Bei der Union stießen die Äußerungen von Wiefelspütz auf Widerstand. “Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät”, sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der “Berliner Zeitung”. Sein Fraktionskollege Laurenz Meyer (CDU) betonte: “Es geht uns ausschließlich um Kinderpornografie.”"
In Deutschland haben sich nunmehr über 110.000 Menschen in einer Online-Petition gegen die Bestrebungen der Bundesfamilienministerin zur Einführung von Stoppschildern mit gleichzeitiger Anlegung von Datensätzen über Bürger beim Bundeskriminalamt gewendet. Im Gegensatz zu Wiefelspütz’ Behauptungen ist das Internet jedoch kein rechtsfreier Raum, weil auch im Rahmen geltender Gesetze Polizeibehörden und Staatsanwälte gegen illegalen Content und seine Urheber vorgehen können – wenn sie nur konsequent Gebrauch von ihren Möglichkeiten machen. Zudem können Streitigkeiten mit Rechtsmitteln bei Gericht ausgefochten werden, wo jeweils ein nationales Recht gilt. Ich selbst wende mich kategorisch gegen Internetsperren sowie gegen von Polizeibehörden über normale Bürger angelegte Datensätze und wähle ganz bestimmt keine Partei, die sich entgegengesetzt oder uneindeutig verhält. Der Kompromissentwurf der SPD hierzu ist in meinen Augen nichts weiter als eine Beruhigungspille. Weiterlesen →
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Das gute Netz. Weshalb Regulierung mit Stopp-Schildern, Sperren und Zensur kein vertrauenswürdiges Internet erschafft
Mai 13, 2009 · 2 Kommentare
Die gemeinsame Forschungsarbeit mit Guido Möllering (MPIfG) zum Thema „The Problem of Trust Online“, hat durch die politischen Entwicklungen während der vergangenen Monate zusätzliche Brisanz erhalten. Ich habe hier mal kurz zusammengeschrieben, weshalb die Regulierungsbestrebungen der Große Koalition Schaden anrichten und was m.E.* für ein “gutes Internet” – ein Internet des Vertrauens - gebraucht wird.
Wir erleben in den letzten Monaten eine Zuspitzung der Auseinandersetzung um den Stellenwert von Datenschutz und Privatsphäre. Mit wachsender Schärfe wird die Auseinandersetzung geführt, welches Gewicht der Schutz des Nutzers von Internet und Social Media vor Zugriff, Weitergabe und Veräußerung personenbezogenen Daten und unbeabsichtigt hinterlassenen Datenspuren gegenüber den Geschäftsinteressen von Providern und Werbebranche in Zukunft hat. Bürgerinteressen und Geschäftsinteressen geraten aneinander: Aktuell widersetzt sich die Fraktion der CDU und CSU einem Gesetzentwurf, der eine Genehmigungspflicht für die Weitergabe und Veräußerung personenbezogener Daten und Daten aus unbeabsichtigt hinterlassenen Datenspuren festschreibt und den Datenhandel ansonsten untersagt. Indes steigt die Anzahl der Bürger, die das Vertrauen in den Datenschutz bei Unternehmen und Staat verloren haben, immer weiter an. In einer IfD-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach gaben 82 Prozent der Befragten an, dem Datenschutz bei Unternehmen nicht zu vertrauen (8 Prozent vertrauen und 10 Prozent waren unentschieden), 72 Prozent gaben an, dem Datenschutz bei staatlichen Instanzen zu misstrauen (16 Prozent vertrauen und 12 Prozent waren unentschieden).
Höher noch schlagen die Wellen bei Überwachungs- und Regulierungsbestrebungen in Bezug auf Internet und Social Media, zunächst beim Vorhaben des Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble, eine Vorratsdatenspeicherung für sämtliche Telefonanrufe, E-Mails und Datenübertragungen für die Dauer von sechs Monaten, vorgeblich zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus, zuletzt beim von CDU-Familienministerin von der Leyen unterbreiteten Gesetzentwurf zum Thema Kinderpornografie. Beide Gesetze bzw. Gesetzesvorhaben haben einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Im Gesetzentwurf von Familienministerin von der Leyen ist vorgesehen, Internetanbieter zur Sperrung von Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu verpflichten. Webseiten mit kinderpornografischem Inhalten soll künftig das BKA in einer laufend zu aktualisierenden Sperrliste aufführen. Beim Aufruf einer in der Sperrliste enthaltenen Webseite sollen Nutzer zu einer Stoppmeldung umgeleitet werden, wo sie über Kontaktmöglichkeit zum Bundeskriminalamt informiert werden. Der Gesetzgeber, so der Entwurf, soll den Provider verpflichten, dem BKA wöchentlich eine anonymisierte Aufstellung über die Zahl der Zugriffsversuche pro Stunde auf die in der Sperrliste aufgeführten Seiten zu übermitteln. In dem Entwurf ist ebenfalls geregelt, dass lediglich Seiten mit kinderpornografischen Inhalten gesperrt werden dürfen. “Eine Ausweitung auf andere Zwecke ist nicht beabsichtigt”, heißt es in der Begründung. Allerdings musste die Große Koalition die Nicht-Wirksamkeit angestrebten Maßnahme bereits eingestehen. Auch blieb sie den Beleg schuldig, dass eine Ausweitung auf beliebige Gegenstände (z.B. Urheberrechtsstreitigkeiten) ausgeschlossen ist. Nicht nur ist belegt, dass sich Stopp-Schilder und Zugangssperren leicht umgehen lassen und dass Rezeptwissen zur Umgehung dieser Sperren zirkuliert. Dem Gesetzgeber würde der Weg zur Einschränkung der Bürgerrechte für beliebige Regulierungsgegenstände geebnet, und das BKA erhielte en passant Zugriff auf personenbezogene Daten sowie Datenspuren von Nutzern. Weiterlesen →
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Heranwachsen mit dem Social Web. Studie zur Rolle von Web 2.0 Angeboten von Jugendlichen
Mai 6, 2009 · Kommentar schreiben
Heranwachsen ist gefährlich. Vor wenigen Tagen erst hörte ich von einem Fall, wo ein Düsseldorfer Schüler während der Schulzeit unter Androhung von Gewalt zum Verlassen des Schulgeländes veranlasst worden war. Die Täter waren eine Gruppe Fremder, und sein Schulkamerad, der ihm zu Hilfe eilte, entkam der Situation auch nicht. Die Schule benachrichtigte die Eltern telefonisch mit dem Vorwurf, der Junge würde den Unterricht schwänzen. Etwas später rief der Junge weinend vom Mobiltelefon zuhause an und berichtete, wie sein Schulkamerad und er selbst unter Gewalteinwirkung und Androhung von noch mehr Gewalt in einer S-Bahn gelandet waren, die aus der Stadt hinaus fuhr. Ohne das Einwirken der Eltern hätten die beiden Jungs Schule, Verkehrsbetriebe und Polizei gegen sich gehabt. Man hätte ihnen nicht geglaubt und sie in ihrer Not allein gelassen. Nur mit Hilfe der Eltern und nach ärztlicher Untersuchung wurde den Betroffenen Gehör geschenkt. Als „Gefährdungsraum“ für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wird häufig auch das Internet diskutiert. Zwar streitet niemand ab, dass es Gefährdungen für Jugendliche im Netz gibt, doch bleibt bei der auf Risiken gerichteten Sicht des Internet erstens außer acht, dass Jugendliche wie im Beispiel auch im „echten Leben“ Gefährdungen ausgesetzt sind, zweitens, dass die Welt der Erwachsenen daran nicht unbeteiligt ist, und drittens dass das Internet im Gegensatz zu seinem Ruf auch Raum der Freiheit und Persönlichkeitsentfaltung für Jugendliche und junge Erwachsene ist.
Auf das Spannungsfeld von Freiheit und Gefährdung trifft eine Studie des Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und der Fachbereich Kommunikationswissenschaften der Universität Salzburg. Uwe Hasebrink, Ingrid Paus-Hasebrink und Jan Schmidt (Twitter) haben die Studie im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW eine empirische Studie zum Thema „Heranwachsen mit dem Social Web“ durchgeführt. [Darstellung Jan Schmidt, Darstellung "Der Freitag", Darstellung LFR Düsseldorf; Kurzzusammenfassung] Weiterlesen →
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Was bedeutet „Internetöffentliche Netzwerkwissenschaft“? Ein Brainstorming
Mai 3, 2009 · 1 Kommentar
Im Nachgang zum Workshop „Interne Wissenschaftskommunikation“ des Forschungsverbundes „Interactive Science“ vom KWI Essen und vom ZMI Gießen (hier) hatte ich Gelegenheit, über „internetöffentliche Netzwerkwissenschaft“ nachzudenken. Auf dem Workshop „Interactive Science“ hatte ich ich das Regime der „Elitewissenschaft“ und ein Gegenmodell „internetöffentliche Netzwerkwissenschaft“ kontrastiert. In der Diskussion um Vertrauen und Qualitätssicherung haben wir herausgestellt, dass sich die Wissenschaft unter dem Einfluss von Impulsen aus dem Internet tiefgreifend verändert, das Regime der „Elitewissenschaft“ durch eine „internetöffentliche Netzwerkwissenschaft“ abgelöst wird, jedoch nicht näher besprochen, wodurch „internetöffentliche Netzwerkwissenschaft“ inhaltlich bestimmt sein wird. Die folgenden 11 Punkte fassen erste Ideen zusammen. Ich bin zuversichtlich, dass das Regime der “Eilitewissenschaft” durch in den kommenden Jahren durch “internetöffentliche „internetöffentliche Netzwerkwissensschaft“ abgelöst wird, wie ich sie hier andeute. Die Unausweichlichkeit der Impulse aus dem Netz auch für diejenigen, welche eher eine Fortsetzung des Regimes der “Elitewissenschaft” präferieren, wird unter der Bezeichnung der „Mediatisierung“ ohnehin längst diskutiert. Hier nun meine 11 Punkte – Ergänzungen und Diskussion willkommen:
1. Öffentliche Forschung – Forschung ist öffentlich, solange es nicht gravierende sachliche Gründe gibt, die das Fernhalten einer Forschungsarbeit von der Öffentlichkeit im Einzelfall erzwingen. Forschung, die von Professoren (Beamtenstatus) durchgeführt wird, ebenso wie direkt oder indirekt aus Steuermitteln finanzierte Forschung muss öffentlich sein. Öffentlich sein bedeutet mindestens die Bereitstellung des Forschungsberichts mit allen Ergebnissen als Open Acces Publikation, ebenso die Bereitstellung sämtlicher daraus entstehender Schriften (Monografien, Fachzeitschriftenartikel, Sammelbandbeiträge, Working Papers, Discussion Papers) für die Öffentlichkeit, und drittens das Bereitstellen eines Feedback-Kanals, welcher es Lesern ermöglicht, Fragen und Kommentare öffentlich direkt an den Forscher zu richten. In den Bereich internetöffentlicher Forschung die im Netz publizierte Monografie, ein Artikel in einem Peer Reviewed Journal, aber auch ein Social Media Beitrag, sofern wissenschaftliche Originalität oder Wissenschaftsbezug gegeben sind. Idealerweise gewährt der Wissenschaftler freiwillig – ohne Auflagen durch Hochschule oder Forschungsinstitut – der Öffentlichkeit Einblick in Stufen und Phasen des Forschungsprozesses und diskutiert wesentliche Fragen in den Social Media (z.B. Text, Foto, Video, Podcast, Livestream, Tweet). Weiterlesen →
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Workshop “Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien”
April 22, 2009 · 6 Kommentare
Montag und Dienstag fand am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) der Workshop über “Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien” statt – auf Einladung von Claus Leggewie (Essen), Christoph Bieber (ZMI Gießen, Politik Digital, Internet und Politik) und Jan Schmirmund (ZMI Gießen), die im Rahmen des Forschungsverbundes “Interactive Science” gemeinsam interdisziplinär forschen, was die Charakteristika von interner Wissenschaftskommunikation im Gegensatz zum Wissenschaftsjournalismus bzw. zur externen Wissenschaftskommunikation kennzeichnet. Der Workshop hatte eine klare Fokussierung auf sozialwissenschaftliche Perspektiven und auf Social Media (Web 2.0 etc. im Gegensatz zu den frühen digitalen Medien der 1980er und 1990er Jahre).
Der Workshop hatte vier Sessions: In der ersten Session hat Jan Schmirmund uns Gästen den Forschungsverbund “Interactive Science” vorgestellt – ein junges, Projekt, finanziert durch die Volkswagenstiftung und standortverteilt auf verschiedene Forschungsstandorte in Deutschland und Österreich. In den Folgesessions sollten Experten – Benedikt Köhler, Marc Scheloske, Guido Möllering und ich – auf Fragen zu Spezialthemen. Benedikt Köhler (Viralmythen) wurde befragt zum Thema Formate der Social Media (Blogs, Wikiwebs, Microblogging, virtuelle Welten etc.). Welche neuen Medienformate werden zukünftig zur internen Wissenschaftskommunikation verwendet? Wo sind die Potenziale und Grenzen der Social Media für die Wissenschaftskommunikation? Sind Blogs am Ende?
Marc Scheloske (Wissenswerkstatt, Wissenschaftscafé Science Blogs) wurde zur Grenze zwischen interner Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus befragt. Wie tragen digitale Medien dazu bei, die Grenze zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit aufzuweichen oder neu zu ziehen? Dann haben Guido Möllering und ich Vertrauen für die Thematik der internen Wissenschaftskommunikation diskutiert. Welchen Stellenwert hat Vertrauen in der internen Wissenschaftskommunikation an der Schwelle zwischen interner und breiter öffentlicher Wahrnehmbarkeit? Wie kann in diesem Grenzbereich Qualität gewährleistet werden? Weiterlesen →
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Bericht re:publica09
April 2, 2009 · 6 Kommentare
Ein bedauerliches Ritual scheint Fuß zu greifen in Deutschlands Medienlandschaft. Deutschlands größtes Blogger-Treffen widmet sich dem Verhältnis von digitaler Kultur und Gegenwartsgesellschaft und geht Fragen des Internet bewirkten gesellschaftlichen Wandels nach – 1400 Teilnehmer, drei Tage, zwei Konferenzstätten, das Motto: “Shift happens!“. Bekannte Persönlichkeiten wie Lawrence Lessig, Jimmy Wales, Peter Glaser, Peter Schaar tragen vor. In diversen Podiumsdiskussionen wird die Relevanz von Blogosphäre und Social Media erörtert. Und die Beiträge der etablierten Medien quittieren die re:publica09 mit einer Abfälligkeit und Ignoranz, als hätten ihre Autoren andere Veranstaltungen besucht: „Ich seh nur Pfeifen“ (FAZ), „Nerds tanzen nicht“ (Netzzeitung). [Dazu auch die lesenswerten Kommentare von Thomas Knüwer vom Handelsblatt und von Felix Schwenzel von Wirres.net]. Meine re:publica09 war eine vielseitige und ermutigende Konferenz, im übrigen auch ein Expertentreffen von Netzbewohnern, die alle bereitwillig einen Teil ihrer sehr umfangreichen Online-Erfahrungen mitgeteilt haben. Dass auch Elemente von Party dabei waren und der informelle Austausch im wunderschönen Innenhof der Kalkscheune breiten Raum einnahm, war Teil des Veranstaltungskonzepts und eine klare Stärke. Klar, dass ich jede Menge Inspiration von der re:publica09 mit heim genommen habe [Kleines Fotoalbum].
Zu meinen Highlights gehörte insbesondere die politischen Aktivisten und politisch aktiven Teilnehmer, die das Netz äußerst kreativ für ihre Projekte und Anliegen nutzen – z.B. Ersra’a Al Shafei. Ersra’a Al Shafei ist Geschäftsführerin von MideastYouth, einem preisgekrönten unabhängigen Netzwerk, dessen Ziel es ist, junge Menschen zu ermutigen und unterstützen, die Chancen freier Meinungsäusserung gegen teils totalitäre Regime des nahen Ostens wahr zu nehmen. Mideastyouth tritt für die hierzulande als selbstverständlich erachteten Bürgerrechte der Freiheit und Gleichheit sowie insbesondere für die Rechte der Frauen ein. Ein tolles Projekt. Weiterlesen →
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Barcamp Ruhr 2
März 28, 2009 · 3 Kommentare
Schön war’s, das Barcamp Ruhr 2 mit dem Themenfokus “Sicherheit” im Unperfekthaus in Essen. Das Barcamp Ruhr hatte eine ganze Reihe guter Sessions und bot viel Raum für Diskussion und das persönliche Gespräch. Zwar fand ich, dass das Thema “Sicherheit” für meine Begriffe und Bedürfnisse etwas kurz kam – da hatte ich auf mehr Sessions der Experten aus den Informationswissenschaften, den Rechtswissenschaften und anderen Disziplinen zum Themenfeld Sicherheit gehofft. Beispielhaft für einen guten Vortrag und mit lebhafter Diskussion aus dem Bereich Sicherheit möchte ich Felix Gröbert erwähnen. Techniken wie Gesichtserkennung und ex post Verknüpfung von Daten aus verschiedenen Social Media Quellen wie Twitter und Flickr ermöglichen leichter als bisher die Erstellung komplexer Persönlichkeitsbilder aus User generated Content, mit Folgen für die Betroffenen bei unbedacht online gestellten Inhalten oder Inhalten, die Dritte ohne Erlaubnis der Betroffenen über sie ins Netz stellen könnten – sie ermöglichen sehr komplexe Bilder der Online-Aktivitäten eines Akteure und können sich deshalb als folgenreich für die Betroffenen und ihre Privatsphäre herausstellen. Die De-facto-nicht-Mehr-Entfernbarkeit unwünschter Inhalte aus dem Netz aufgrund möglicher Spiegelung durch die Vielzahl Netznutzer kam häufig zur Sprache. Jedenfalls wünsche ich mir mehr Austausch mit Sicherheitsexperten aus technischen, informationswissenschaftlichen und rechtlichen Disziplinen bei künftigen Events. Zugleich waren mehr Teilnehmer aus den sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereichen und dem Kulturbereich dort als ich es bisher von Barcamps kannte, und das war toll. Die Startconference will Kulturschaffende, besonders aus dem Hochkulturbereich für den Aufbau von Online-Identitäten und eine professionelle Nutzung der Social Media gewinnen gewinnen, das Projekt Ruhrgebiet für lau von Claudia Pirc hatte ich zuvor schon mal gestriffen. Neu war für mich das Projekt Seeinglastsupper, eine Interpretation von Leonardo Da Vincis Abendmahl in Flash aufbereitet und faszinierend erklärt von Jochen Schröder. Und bei keiner anderen Konferenz, keinem anderen Workshop oder Barcamp zuvor hat es es so wunderbare Musik gegeben: Eine Kombo der Duisburger Symphoniker, die Philharmonixx, haben der versammelten Barcampgemeinde am Samstag auf das Feinste eingeheizt – hier meine Bildschnipsel als Slideshow und der Mitschnitt des Duisburger Philharmoniker Teams
– toll.
Wir haben auf dem Barcamp Ruhr zwei Sessions zur Thematik des Vertrauens online durchgeführt und dabei hervorgehoben, dass wir über Vertrauen unter der Bedingung von Unsicherheit sprechen, und dass das Internet nicht ein vom übrigen Sozialleben getrenntes “Second Life” sondern vielmehr integraler Bestandteil der sozialen Wirklichkeit ist. In der Diskussion haben die Teilnehmer eine Reihe kritischer Fälle aus der Praxis des Online-Lebens angesprochen, die mich darin bestärken, die Thesen der obigen Präsentation sowie in einem Aufsatz, den Guido Möllering und ich miteinander in diesem Themenbereich schreiben, nachdrücklich zu vertreten. Daher möchte ich auch hier nochmal den Diskussionsteilnehmern für ihre Fragen und Kommentare danken.
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