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Workshop „Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien“

Montag und Dienstag fand am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) der Workshop über “Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien” statt – auf Einladung von Claus Leggewie (Essen), Christoph Bieber (ZMI Gießen, Politik Digital, Internet und Politik) und Jan Schmirmund (ZMI Gießen), die im Rahmen des Forschungsverbundes “Interactive Science” gemeinsam interdisziplinär forschen, was die Charakteristika von interner Wissenschaftskommunikation im Gegensatz zum Wissenschaftsjournalismus bzw. zur externen Wissenschaftskommunikation kennzeichnet. Der Workshop hatte eine klare Fokussierung auf sozialwissenschaftliche Perspektiven und auf Social Media (Web 2.0 etc. im Gegensatz zu den frühen digitalen Medien der 1980er und 1990er Jahre).

Der Workshop hatte vier Sessions: In der ersten Session hat Jan Schmirmund uns Gästen den Forschungsverbund “Interactive Science” vorgestellt – ein junges, Projekt, finanziert durch die Volkswagenstiftung und standortverteilt auf verschiedene Forschungsstandorte in Deutschland und Österreich. In den Folgesessions sollten Experten – Benedikt Köhler, Marc Scheloske, Guido Möllering und ich – auf Fragen zu Spezialthemen. Benedikt Köhler (Viralmythen) wurde befragt zum Thema Formate der Social Media (Blogs, Wikiwebs, Microblogging, virtuelle Welten etc.). Welche neuen Medienformate werden zukünftig zur internen Wissenschaftskommunikation verwendet? Wo sind die Potenziale und Grenzen der Social Media für die Wissenschaftskommunikation? Sind Blogs am Ende?

Marc Scheloske (Wissenswerkstatt, Wissenschaftscafé Science Blogs) wurde zur Grenze zwischen interner Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus befragt. Wie tragen digitale Medien dazu bei, die Grenze zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit aufzuweichen oder neu zu ziehen? Dann haben Guido Möllering und ich Vertrauen für die Thematik der internen Wissenschaftskommunikation diskutiert. Welchen Stellenwert hat Vertrauen in der internen Wissenschaftskommunikation an der Schwelle zwischen interner und breiter öffentlicher Wahrnehmbarkeit? Wie kann in diesem Grenzbereich Qualität gewährleistet werden? Weiterlesen

“Web 2.0 – eine empirische Bestandsaufnahme” – eine Buchbesprechung

Web 2.0 - Buchcover

Web 2.0 - Buchcover

Das Social Web bzw. “Web 2.0” erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Nutzern und Investoren. Weblogs, Wikiwebs, RSS, Social Networking Sites, Foto- und Videoplattformen, Multiuser Online Spiele, Microblogging und andere Dienste gestatten Internetnutzern die Publikation ihrer Inhalte für ein zumindest theoretisch globales Publikum. Mit Weblogs ist es Internetnutzern auch ohne Programmierkenntnisse möglich, Inhalte als Text, Foto, Audio, Video oder gar Livestream zu publizieren, zu editieren und global zu verbreiten. Kinderleicht ist es, ein persönliches Profil auf einer der beliebten Social Networking Sites anzulegen, Interessen mitzuteilen und ein Netzwerk von Freunden, Bekannten, Kollegen und entfernten Kontakten online abzubilden. Ebenso einfach ist die kollaborative Wissensorganisation im Internet mithilfe von Bookmarking Dienste wie z.B. Del.ico.us, Mr Wong, Digg oder Reddit, die es gestattet, Internetobjekte mit Lesezeichen zu versehen, Schlagworte zuzuordnen und einander Linkempfehlungen zu unterbreiten. Wachsender Beliebtheit erfreut sich das Microblogging wie z.B. mit Diensten wie Twitter oder Identica, in dem aktive Internetnutzer Seelenzustände und Aktivitäten online mitteilen. Der beinahe altmodische Dienst Kurznachrichten auf das Mobiltelefon ermöglicht die permanente Verbindung von Internet und Nutzer. Und Dienste wie Friendfeed gestatten es, eine Vielfalt verschiedener Dienste zusammenzuschnüren, selbstproduzierte Inhalte in verschiedenen Formaten in einem persönlichen Nachrichtenstrom zu organisieren und gleichzeitig auf die Nachrichtenströme anderer Nutzer zuzugreifen. Niemand kommt an der steigenden Popularität “Web 2.0” vorbei: Die Zahl aktiv geführter Weblogs kann nur grob geschätzt werden, bewegt sich jedoch im dreistelligen Millionenbereich. Die Social Networking Plattform Facebook hatte im Jahr 2008 mehr als 64 Millionen Benutzer, “kleinere” Social Networking Plattformen wie StudiVZ und Xing bringen es auf 10 Millionen bzw. 5 Millionen Benutzer. Umstritten ist jedoch die Relevanz des Social Web: Für die einen repräsentiert das Social Web die Zukunft der Medien und Nachrichten schlechthin. Andere beurteilen die neuen Formate und Dienste als wenig relevant, weil nur eine Minderheit der neuen Online-Publikationen mit Print-, Rundfunk- und Fernsehen vergleichbare Zugriffszahlen erzielt und weil Schwächen und Mängel vieler Beiträge beklagt werden. Wir befinden uns also mitten in der Diskussion um die mediale und soziale Relevanz des Social Web bzw. “Web 2.0”. Dies ist auch die Kernfrage des 2008 von Paul Alpar und Steffen Blaschke bei Vieweg herausgegebenen Sammelbandes “Web 2.0 – eine empirische Bestandsaufnahme”.[Zur Buchseite bei Vieweg+Teubner]

Diesem Konzept folgend haben Alpar/Blaschkevorrangig quantitativ empirische Beiträge zu einem breiten Themenspektrum kommunikationswissenschaftlicher Forschung über das Internet zusammen gefügt, die – jeder für sich – sehr informativ geschrieben, gut ausgearbeitet und sehr aktuell gehalten sind. Die Beiträge des Sammelbandes sind in vier Gruppen untergliedert: Weblogs, Wikis, soziale Netzwerke und Social News. Einige Beispiele: “Die Bedeutung privater Weblogs für das Issue Management in Unternehmen”, “Wer bloggt was? Eine Analyse der Top 100-Blogs mit Hilfe von Cluster-Verfahren”, “Geschlechterunterschiede in der deutschsprachigen Blogophäre” “Viele Autoren, gute Autoren? Eine Untersuchung ausgezeichneter Artikel in der Wikipedia”, “Auswahl und Kenngrößen innerbetrieblicher Wikiarbeit”, “Wikis in Organisationen: Von Kommunikation zu Kollaboration”, “Nutzertypen junger Erwachsener in sozialen Online-Netzwerken in Deutschland”, “Web 2.0 as a platform for User Co-Creation” “Web 2.0 als innovative Basis” und “Social News, die neue Form der Nachrichtenvermittlung?” Weiterlesen

Weltweite Welten – Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive

Am Beginn meiner Weblog-Aktivitäten hatte ich gelegentlich Diskussionen mit lieben Menschen in meiner vertrauten Umgebung oder auch mit Bekannten, die das Internet zunächst etwas abfällig als banal, trivial, redundant charakterisierten. Dann kommt man ins Gespräch und nach einigen differenzierteren Äußerungen – manchmal auch, wenn etwas Zeit verging – fiel mir erstaunlicher Wandel auf. Dieselben Sprecher äußerten, das Internet stelle aufgrund seiner Komplexität eine Überforderung dar. Ein erfreulicher Wandel, denn die Sprecher zeigten bei näherem Hinsehen Bereitschaft, das Internet in seiner ungeheurlichen Größe, Komplexität und Dynamik ernst zu nehmen, und ich denke, die Bereitschaft wird noch weiter steigen. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in der Soziologie beobachtbar. Auch hier folgte auf anfängliche abfällige Bemerkungen über Qualitätsdefizite, Mangel an Professionalismus und dergleichen eine Entdeckung des Internet als sozial bedeutsamer Forschungsgegenstand, dem mit einzelnen speziellen Soziologien nur bedingt beizukommen ist. Gewiss lief diese Entwicklung parallel zu Wachstum, technischer Entwicklung und neuen Nutzungsformen des Internet selbst, aber auch der dynamischen Entwicklung der interdisziplinären Online-Forschung. Mittlerweile liegen viele spannende Forschungsbeiträge aus den Perspektiven der Technik-, Medien- und Kommunikations- und Wissenssoziologie vor, und es müsste auch Forschung aus Wirtschafts-, Organisations-, Arbeitssoziologie und vielen anderen Teildisziplinen geben (da ist aber m.W. viel in Arbeit :-)).

Der von Prof. Herbert Willems an der Universität Gießen herausgegebene Sammelband „Weltweite Welten – Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive“ ist nun beim VS-Verlag erschienen. Der Band ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich Soziologen dem Internet aus den Perspektiven vieler spezieller Soziologien widmen – Die Beiträge nehmen die Realitäten des Social Web aus der Perspektive der Wissenssoziologie auf’s Korn. Die Verbreitung des Internet bringt einen bedeutsamen Wandel der Handlungs- und Erfahrungsbedingungen, aber auch der subjektiven Wirklichkeit und Identität mit sich. Damit ändern sich auch Diskurse und soziale Beziehungen, Erlebnis-, Deutungs- und Handlungsmuster, Habitus, Stile, Kapitalformen, Handlungsskripten, Emotionen, Routinen, Phänomene und Phänomenklassen, wie sie die Kultur- und Wissenssoziologie untersucht.

Auf einer Mikroebene wissenssoziologischer Analyse stehen Beiträge, welche Praxis ausgehend von lebensweltlich verankterten Wissensformen untersuchen und Glaubwürdigkeit anders herstellen als unter den Bedingungen einer Face-to-Face-Interaktion oder herkömmlicher Medien wie Print, Rundfunk und Fernsehen. Dazu gehören beispielsweise Praktiken der Selbst-Darstellung, des Tauschs und Verkaufs, der Wissensorganisation, der erotischen Kontaktanbahnung und des Spiels im Netz. Es liegt auf der Hand, dass elementare lebensweltliche und massenmediale Handlungskontexte, Sinnstrukturen und Handlungsskripte unter den Bedingungen des Internet neue Formen und Inhalte annehmen, ohne dass das ‚Alte‘ einfach verschwindet. Eher auf einer Makroebene wissenssoziologischer Analyse sind Beiträge angesiedelt, die der veränderten Rolle gewidmet sind, die das Internet in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern oder Subsystemen spielt oder gespielt hat – z.B. Vermarktlichung oder Demokratisierung. Als Gemeinsamkeit aller Beiträge hebt der Herbert Willems eine gleiche Polung hervor, denn alle Autoren des Bandes denken – jeweils in Bezug auf Wissen – in Kategorien der Beziehung, der Relationalität und der ‚vernetzten‘ Praxis.

Bisher habe ich in die Beiträge der anderen Autoren nur ein wenig hineingeschnuppert, doch was ich gelesen habe lässt auf eine Feuerwerk der Geistesblitze hoffen:

Ernst von Kardorff gibt mit „Virtuelle Netzwerke – neue Formen der Kommunikation und Vergesellschaftung?“ eine breite Einführung in das Thema der computervermittelten Kommunikation im globalen Cyberspace und die sozial-kulturellen Vernetzungsoptionen. So erweisen sich die viel diskutierten Identitätsdarstellungen und -konstruktionen im Internet als Antwort auf formale Grundbedingungen menschlicher Kommunikation und normative Anforderungen einer Inszenierungsgesellschaft. Viel Diskussionsstoff dürfte Kardorffs Zusammenstellung der durch das Internet erzeugten methodischen Herausforderungen an die empirische Sozialforschung stellen.

„Willkommen in der Wirklichkeit!“, begrüßt Tillmann Sutter die Leser und trifft mit seiner medien- und techniksoziologischen Betrachtung meine Frequenz. Sutter stellt heraus, dass die hoch gesteckten Erwartungen an Interaktivität der Internetkommunikation in den vergangenen Jahren einer gewissen Normalität gewichen sind. Interaktivität charakterisiert eine neue Form des Mediums Internet, das anders als Print, Rundfunk und Fernsehen vielfältige Rückmelde- und Gestaltungsmöglichkeiten für die Nutzer eröffnet. Auffällig bei diesen Rückmelde- und Gestaltungsmöglichkeiten ist die enge Orientierung an der Face-to-Face-Kommunikation im Alltag. Damit stellt sich die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Internetkommunikation und der „natürlichen“ Face-to-Face-Kommunikation zwischen Menschen. Sutter hebt die Anthromorphisierung der Internettechnologie und Dezentralisierung der Social Media hervor: der PC als Interaktionspartner, die Netzkommunikation als Raum der Gemeinschaftsbildung, die Welt als vernetztes „Global Village“ , die Einbettung der Online-Kommunikation in soziale Netzwerke der Offline-Welt. Der Mythos der „Künstlichen Kommunikation“ weicht anthropomorphen Deutungsmustern.

Generalisierung und Personalisierung (im Sinne des persönlichen Gebrauchs) der Kommunikation sind Merkmale der Abkopplung der Komunikationsform von sozialer Interaktion. Die hauptsächliche Funktion der traditionellen Massenmedien besteht in der Generalisierung der Kommunikation, d.h. alle haben Zugang zu den gleichen Texten bzw. Medienangeboten. Das Neue der Netzwerkkommunikation durchbricht diese Generalisierung, d.h. an die Stelle der generalisierten treten die individuellen und veränderbaren Texte. (…) Personalisierung wird zum Merkmal der Interaktivität neuer Kommunikationsformen, die eine individuelle Gestaltbarkeit der Texte erlauben. S. 68.

„Virtualität, Identität und Gemeinschaft – Reisende im Netz“ ist eines inspirierenden Beitrags von Christina Schachtner, die Menschen, die viel im Internet unterwegs sind mit der Frage nach der subjektiven Bedeutung von Virtualität konfrontiert hat und handschriftliche Zeichnungen der Interviewpartner eingebunden hat. Der Apokalypse des Zerfall des Sozialen und der Demontage des Subjekts setzt Schachter den Aufbruch in die unendlichen Weiten des Internet, neue dynamische Lebensformen entgegen. Bei Robert Musil findet sich eine Idee, die vom Format von Persönlichkeiten ausgeht, die Neues hervorbringen. Der Möglichkeitsmensch sei es, der den neuen Möglichkeiten ihren Sinn gebe und sie so zum Leben erwecke. Das Netz knüpfe also an die die Möglichkeit eines glücklichen Lebens als Wechselspiel von Aufbruch und Ankommen an.

In „Vom Brockhaus zum World Wide Wiki“ greift Hans Geser am Beispiel von Wikipedia versus Brockhaus und Enzyklopedia Britannica die asymmetrische Konkurrenz zwischen Open Source Netzwerken und Unternehmen bei der Wissensproduktion auf. Während bei der herkömmlichen Enzyklopädie der Autor als unverwechselbarer Genius im Zentrum steht und professionelle Herausgeber eine Gate-Keeping Funktion zur Sicherung der Qualität ausüben, wird die Wiki-Technologie bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia als Instrument der kollektiven kooperativen Schriftproduktion eingesetzt. Geser unterscheidet zwei Modi der Textproduktion: Programme, die diskursive interpersonelle Kommunikationsprogramme unterstützen, und Programme, die synthetische Kommunikationsprozesse unterstützen, wie sie für die Erarbeitung von konvergenten Positionen der Wahrheits- und Entscheidungsfindung erforderlich sind. Wikipedia verbindet beide Arten von Programmen miteinander. Vergleicht man ein Wiki mit einer Betonwand, bekommt jeder Teilnehmer ein Farbspray an die Hand, um Neues hinzuzufügen, andererseits aber auch ein Entfernungsmittel für vergangene Farbauftragungen. Das enzyklopädische Projekt Wikipedia mit seinen eigentümlichen innovativen Potenzialen, Grenzen und Risiken der wikibasierten Wissensproduktion hat seit dem Start 2001 einen raketenhaften Aufstieg und unhaufhaltsamen Siegeszug erlebt. Zugleich stellt die Wikipedia neue Herausforderungen an eine empirische wissenssoziologische Erforschung des Internet.

Die Beiträge „Formationen und Transformationen der Selbstinszenierung“ von Herbert Willems und Sebastian Pranz und „Professionalisierungs- und Inszenierungstendenzen in der beruflichen Netzwerkkommunikation“ von Michaela Goll beleuchten Aspekte der Selbstthematisierung, Selbstdarstellung, Selbstinszenierung und Identität. Willems/Pranz richten ihr Augenmerk auf Institutionen der Selbstinszenierung wie z.B. Beichte, Psychoanalyse, Gruppentherapie, Selbsterfahrungsgruppe im Vergleich zum Internet-Chat. Mit dem Inernet hat sich ein qualitativ neuer Raum und ein neues Ensemble der Möglichkeiten, Modi und Stilen der Selbstthematisierung entwickelt, bei dem das Individuum zum eigenen Image-Generator wird und bewusst und gezielt seine persönliche Identität, Sozialbeziehungen und Reputation „managt“, sich dabei bis zu einem gewissen Grad auch selbst neu erfindet. Michaela Goll diskutiert die Professionalisierungs- und Inszenierungsstrategien in der beruflichen Netzwerkkommunikation. Eine Professionalisierung zeigt sich (1) im gezielten Umgang mit den durch die Kommunikation erzeugten Wissensinhalten, (2) in der funktionalen Integration verschiedener Medien, (3) in vielfältigen Formen der Inszenierung von Online-Aktivitäten, (4) in einer an die Strukturbedingungen der Netzwelt angepassten Pflege der Arbeitsbeziehungen bzw. ritualisierten Beziehungsarbeiten. Spannend ist die Gegenüberstellung dieser Beiträge auch deshalb, weil sich mit den sozialen Praktiken der Selbstthematisierung und Inszenierung im Internet die Eindeutigkeit der Trennung zwischen Beruf & Erwerbsarbeit einerseits und privater Sphäre andererseits nur noch sehr bedingt aufrechterhalten lässt.

Noch gar nicht angesprochen sind mit diesem kurzen Abriss Beiträge, die sich mit dem komplexen Verhältnis von Realperson und Agent bzw. Spielfigur, mit Online-Spielen als sozialen bzw. technisch konstruierten Räumen befassen. Jan und ich haben gemeinsam unseren Beitrag die soziale Praxis der Prodnutzung von Content, Code und Metadaten als Wissenstypen im Internet verfasst und beim Schreiben intensiv dazu debattiert – hat großen Spaß gemacht. Ich finde wirklich faszinierend, wie sich mit Weblogs, Wikiwebs, der Verschlagwortung und Beschreibung mit tags neuartige Formen der Wissensoganisation etablieren, die sich aus aus älteren Betriebssystemen bekannten Schema hierarchisch gestaffelten Ordnern lösen und eine neue, lebensweltlich fundierte Praxis individueller und kollektiver Wissensorganisation etabliert, die individuelle und kollektive Wissensvorräte vorteilhaft miteinander kombinieren; interessanterweise setzt sich diese Form Wissensorganisation auch bei Objekten durch, die gar nicht im Internet liegen, wie z.B. bei Librarything für Bücher und Qype für Orte.

Hier die komplette Zitation des Aufsatzes von Jan Schmidt und mir:

Guenther, Tina/Schmidt, Jan (2008): Wissenstypen im „Web 2.0“ – eine wissenssoziologische Deutung von Prodnutzung im Internet.“ In: Willems, Herbert (Hrsg.): Weltweite Welten. Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive. Wiesbaden: VS Verlag. 2008. S.167-188. [Preprint]