Frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2010!

Allen Lesern und Besuchern wünsche ich von Herzen frohe Festtage und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010! Meine Freunde und Wissenschaftskollegen möchte ich hier besonders grüßen, und natürlich auch meine Studierenden! Für Sie, liebe Wissenschaftskollegen, hoffe ich, dass sich für jeden von Ihnen und Euch die Wünsche den Erfolg in Forschung, Lehre und anderen übrigen beruflichen Aktivitäten erfüllen. Für Sie, liebe Studierenden, hoffe ich, das Ihre besten Hoffnungen für Studienerfolg und Berufseinstieg wahr werden 🙂

Das Jahr 2009 war für uns hier sehr aufregend und ereignisreich, leider z.T.  von sehr unerfreulichen Ereignissen eingetrübt. Zuletzt haben wir unseren lieben Papagei Packo verloren, der für mich viele Jahre lang ein besonders treuer Begleiter und und guter Kumpel war und der unser Familienleben sehr geprägt hat.

Im Jahr 2010 wird die Lehrtätigkeit fortgesetzt, und das erste größere Ereignis hier in diesem Blog wird mein Besuch beim EIASM-Workshop „Trust within and between Organizations“ Ende Januar in Madrid sein. Darauf, auf alle anderen Aktivitäten – auf Sie und Euch – freue ich mich schon jetzt.

Bildungsfernsehen 2.0

Während des Studiums wurde mal mein „Kulturoptimismus des Fernsehens“   vom Professor gerügt. Dabei wird mein Kulturoptimismus des Fernsehens deutlich getoppt durch meinen Kulturoptimismus der Social Media 😉

Denn so sehr das Fernsehen die Beschäftigung mit Dingen ermöglicht, die sonst nicht zugänglich wären, empfinde ich Wissenschaftsjournalismus im Fernsehen häufig als unbefriedigend. Erstens würde ich mir mehr Wissenschaftsberichterstattung aus sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen im Verhältnis zu den naturwissenschaftlichen Disziplinen wünschen. Zweitens berichtet das Fernsehen häufig im Stil „Wissenschaftler haben herausgefunden, dass …“ . Als Zuschauer möchte ich aber gern erfahren,  um welchen Wissenschaftler an welchem Institut es sich handelt, welches seine wichtigsten Schriften sind, von welchen Positionen er sich abgrenzt usw. Dafür eignet sich der Wissenschaftler-Vortrag besser. Weiterlesen

Digitale Wissenschaftskommunikation: Blogs am MPIfG

Diesen Beitrag habe ich vor einiger Zeit für den Newsletter des Max Planck Instituts für Gesellschaftsforschung 03/09 geschrieben. Den  Newsletter mit dem Schwerpunkt“Globalisierung und transnationale Governance“ und einem Forscherportrait über Renate Mayntz könnt Ihr hier erreichen.

Wissenschaftsweblogs, Wikiwebs, Microblogging, Social-Networking-Plattformen speziell für Wissenschaftler, aber auch die älteren Formen der Wissenschaftskommunikation wie Newsgroups, Foren, Chats und Mailinglisten sind Kommunikationsakte, die zwischen der Welt der internen und der Welt der externen Wissenschaftskommunikation angesiedelt sind. Sie ermöglichen dem einzelnen Wissenschaftler oder einer Forschergruppe, direkt – also ohne Gatekeeper – und niederschwellig – also ohne nennenswerte technische Hürden – mit Fachkollegen, Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen und einer breiteren Öffentlichkeit zu kommunizieren. Sie schaffen eine diskussionsfreudige Öffentlichkeit zum Gegenstandsbereich, reflektieren den Forschungsprozess, greifen thematisch relevante Ereignisse auf und holen Feedback ein.

Die Trennung zwischen Wissenschaft und Journalismus wird hier aufgehoben. Wissenschaftler treten mal als Forscher auf, mal lösen sie sich aus dem gewöhnlichen Arbeitszusammenhang und schreiben ähnlich wie Journalisten über Entwicklungen einer Fachdisziplin, eine Tagung oder Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen. Die Begeisterung für den Forschungsgegenstand und die Fachdisziplin ist ein Grundmotiv für Wissenschaftsblogger. Damit erschaffen Wissenschaftler neue Genres der öffentlichen Kommunikation über Wissenschaft und der wissenschaftlichen Reflexion von Themen aus dem Alltag.

Am MPIfG gibt es bislang zwei Weblogs:

Governance Across Borders“ und „Economic Sociology“. Sigrid Quack und ihre Mitautorinnen und -autoren aus der Forschergruppe „Governance Across Borders“  bloggen über die Zusammenhänge von globaler, supranationaler und nationaler Steuerung, die sich vermehrt auf das Wirtschaftsleben, auf die Strukturmuster sozialer Solidarität und auf sozialkulturelle Prozesse auswirken. Die Autoren diskutieren über Themen wie Urheberrecht und Creative Commons, Finanzmarktkrise, Arbeitsmarktstandards, Mikrokredite, Umweltschutz, politische und soziale Bewegungen. Sie verzichten dabei weitgehend auf theoretische Abhandlungen und Theoriebezüge, die nur für eine Fachleserschaft verständlich sind.

Die Weblog-Aktivität der Forschergruppe dient auch der Reflexion der eigenen Forschungstätigkeit und der Ausformulierung solcher Ideen, die spannend sind, aber aus zeitlichen oder sachlichen Gründen nicht als formale wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht werden können.

Governance Across Borders ist ein sehr aktives, eigenständig geführtes Gruppenblog mit regelmäßigen Einträgen und zahlreichen Kommentaren, das der informellen Konversation der Forschergruppe im öffentlichen Raum dient und somit allen Interessierten ein Fenster zum Projektkontext öffnet. Damit sind ideale Voraussetzungen für eine immer weiter reichende Vernetzung in der Wissenschaftsblogszene und der journalistischen Weblogszene gegeben. Governance Across Borders regt dazu an, sich mit Erscheinungsformen und sozialen Konsequenzen von Institutionen, ihrem Wandel und ihrem Versagen zu beschäftigen und die soziale Relevanz von Institutionen zu reflektieren. Zuletzt ist es zum „Featured Blog“ der internationalen Konferenz der Society for the Advancement of Socio-Economics (SASE) im Juni 2010 in Philadelphia, USA, gewählt worden.

In ihrem Weblog „Economic Sociology“ schreibt Brooke Harrington über die sozialen Hintergründe von Märkten und Geldwirtschaft für eine junge Leserschaft auf College- bzw. Universitätsniveau. Die Beiträge sind einerseits sehr lebensnah gehalten und andererseits mit den Theorien von Marx, Simmel, Durkheim, Foucault und vielen anderen Soziologen verknüpft. Dadurch sind sie auf zwei Ebenen lesbar: Für Nichtwissenschaftler sind die Beiträge aufgrund ihrer Handlungsrelevanz und des im Alltag von allen geteilten Erfahrungshorizonts verständlich, für Leser mit Soziologie-Kenntnissen und Wissenschaftler kommt die Ebene der soziologischen Reflexion hinzu. Das macht Brooke Harringtons Weblog zu einem handlungstheoretischen Weblog im besten Sinn.

Economic Sociology beschäftigt sich mit dem Kollaps der Finanzmärkte, den Erscheinungsformen und Folgen globaler Finanzmärkte wie zum Beispiel den Bonuszahlungen im Bankwesen, den Investmentclubs für Privatanleger und der Illusion der Sicherheit von Finanzanlagen, den Annehmlichkeiten einer Krankenversicherung europäischen Typs, aber auch mit der befremdlichen Kundenverdrossenheit deutscher Unternehmen. In einem Gastbeitrag betreibt Galyn Burke-Brown eine Wirtschaftssoziologie des Triathlonsports: Sie zeigt die sozialen Mechanismen auf, nach denen sich Triathleten als selbstselektive, wohlhabende Gruppe hochgradig motivierter, leistungsbereiter und wettbewerbsorientierter Individuen aus den oberen Schichtungssegmenten der Gesellschaft zusammenfinden. Anders als die Gruppe Governance Across Borders bloggt Brooke Harrington allein, lädt jedoch Gastautoren ein und ist im Verbund des „Contexts“-Magazins der American Sociological Association (ASA) mit anderen Weblogs aus verschiedenen Teilgebieten der Soziologie verknüpft.

Governance Across Borders und Economic Sociology sind zwei gute Beispiele dafür, wie Wissenschaftler zeitgemäße Social-Media-Aufritte gestalten können. Im „Web 2.0“ wird vom Internetauftritt eines Wissenschaftlers bedeutend mehr erwartet als lediglich eine statische Homepage mit wenigen personenbezogenen Angaben. Entscheidend ist qualitativ hochwertiger Inhalt in Form von Textbeiträgen, Fotos, Folienpräsentationen, Audio- oder Videobeiträgen, Livestream oder Twitter-Meldungen – oder als Kombination verschiedener Formate, die parallel in dynamische Nachrichtenströme eingespeist werden können. Hinzu kommen Open-Access-Publikationen, Interviews bei Presse, Rundfunk oder Fernsehen sowie Beiträge für überregionale Tageszeitungen. Selbstverständlich kann eine einzelne Wissenschaftlerin oder ein einzelner Wissenschaftler nicht alle Kanäle bedienen. Doch hier bietet sich die Möglichkeit, mit geringem Aufwand und zu minimalen Kosten für diejenigen zu öffnen, für die Wissenschaftler arbeiten: die Gesellschaft, über die und für die Sozialwissenschaftler forschen.

Soziale Ungleichheit nach Ländern

Visual Economics hat eine schöne Übersicht zur Einkommensverteilung im internationalen Vergleich.

Die Lorenzkurve wird verwendet, um anzuzeigen, welche Bevölkerungsanteile für das Einkommen einer Gesellschaft verantwortlich sind und welche Anteile nur geringe Einkommen erzielen. Je näher die Lorenzkurve einer geraden Linie im 45-Grad Winkel kommt, desto gleichmäßiger ist das Einkommen in einer Bevölkerung verteilt, je stärker die Kurve gewölbt ist, desto stärker ist die Einkommensungleichheit in einer Bevölkerung ausgeprägt. Wenn man den Bereich oberhalb und unterhalb der Kurve aufteilt, erhält man den Gini-Koeffizienten. Je geringer der Gini-Koeffizent, desto gleichmäßiger ist das Einkommen in einer Bevölkerung verteilt. Schweden weist mit 0,23 den geringsten Gini-Koeffizienten im internationalen Vergleich auf.  Da fragt man sich, weshalb Deutschland trotz Wirtschaftskrise so ausgeglichen aussieht. Weiterlesen

Bringt der Klimagipfel von Kopenhagen neue Spielregeln für Märkte?

Der Klimagipfel von Kopenhagen bringt eine öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik von globaler Erderwärmung, CO2-Emissionen und den Lebensbedingungen für unsere Kinder und Enkel mit sich wie man das seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Das Nachrichtenaufkommen, aber auch das Blog- und Twitteraufkommen sind deutlich angestiegen. Zugleich erleben wir eine erhebliche Verschärfung der Tonlage im Klimadiskurs: Ist der Mensch schuld am Klimawandel? Oder ist der Klimawandel schlicht eine Erfindung von Panikmachern? Weiterlesen

Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag

Open Access PetitionVor einigen Wochen hatte ich anlässlich einer Meilensteintagung des Projektverbundes „Interactive Science“ Gelegenheit, mit Lars Fischer (Scilogs) über seine Idee für eine Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag zu diskutieren. Inzwischen hat Lars Fischer seine ePetition zu Open Access bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen beim Deutschen Bundestag eingereicht und kann sich über eine überwältigende Resonanz freuen. Knapp 12000 Unterstützer haben das Volksbegehren inzwischen unterzeichnet und es werden immer mehr. Inzwischen besteht zusätzlich die Möglichkeit, auch offline für die Petition zu werben: Diese Unterschriftenliste (pdf) könnt Ihr einfach ausdrucken und Familie, Freunde und Kollegen unterschreiben lassen – die ausgefüllte Liste geht dann per Fax oder Briefpost zurück an den Petitionsausschuss. Weiterlesen

Die Ökonomie des Konsums – der Konsum in der Ökonomie

Was haben der Golf Blue Motion, ein Regal aus der Ikea-Serie Billy, ein Nespresso-Kaffeeautomat, eine All-Inklusive Reise nach Fuerte Ventura, ein Los der Aktion Mensch, das I-Phone und die Bahncard 50 gemeinsam? Wer eines dieser Produkte kauft, hat eine Entscheidung getroffen für diese und gegen andere Konsumoptionen, freilich auf unterschiedlichen Niveaus finanzieller Möglichkeiten. Die individuelle Entscheidung für den Kauf bestimmter Güter impliziert Präferenzordnungen, Wertzuschreibungen, ethisch-moralische Grundsätze. Sie ist sozial und kulturell überformt, und sie hat Kon­sequenzen den sozialen Status und die Lebenslage des Einzelnen betreffend. Darüber hinaus wirkt sie sich auf der anderen Seite Wirtschafts­geschehens – bei Produktion, Erwerbsarbeit und Distribution – aus.

Im Berliner Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft fand am 06. und 07. November 2009 eine gemeinsame Tagung der DGS-Sektion Wirtschafts­so­ziologie und der AG Konsumsoziologie zum Thema „Die Ökonomie des Konsums – der Konsum in der Ökonomie“ statt. Ausgehend von 9 Arbeitspapieren über die Zusammenhänge von Kon­sum und Wirtschaft haben wir Gemeinsamkeiten von Wirtschafts- und Konsumsoziologie so­wie Möglichkeiten der Zusammenarbeit beider Arbeitsbereiche diskutiert.
[Hier werden aus Zeitgründen 7 Papiere vorgestellt – klar sind alle Vorträge empfehlenswert. Die Tagungsorganisation wird die Paper Library zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich bereitstellen] Weiterlesen