Archiv der Kategorie: Deutsch

Und täglich grüßt das Sommerloch – wider die Street View Hysterie

Ursula von der Leyen tut es, Ilse Aigner, Thomas Oppermann, Hans-Christian Ströbele, Bodo Ramelow und Guido Westerwelle. Auch vier Rentner aus Düsseldorf lassen es sich nicht nehmen. Sie le­gen Widerspruch gegen Googles Geodienst Street View ein, lassen also ihr Eigenheim ver­pixeln. Das ist ihr gutes Recht. Aber dann: Dieselben vier Düsseldorfer Rentner lassen sich dafür für die Rheinische Post vor ihren Häusern ablichten, also vor genau den Häusern, die sie im Internet unkenntlich gemacht haben wollen, fällt Daniel Fiene auf. Mit ihrem Wunsch, gegen Google vorzugehen, sind die vier Düsseldorfer Rentner keinesfalls allein. Über Zehntausend machen von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch, wollen ihre Häuser, Wohnungen, Fahrzeuge, Gesichter verpixelt haben (Golem, Beckblog). Da grüßt das Sommerloch mit einer ganz schön aufgeheizten Diskussion: Google überrumpelt urlaubende Ministerinnen, Politiker lassen ihre Privathäuser pixeln, Schwarz-Gelb vergoogelt sich, BILD klärt Missverständnisse über Google auf, die sie am Tag zuvor selbst verbreitet hat. Das Vögelchen des Sommerlochs schießt aber Rainer Wendt ab. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft hat den Plan gefasst, mit Google Street View auf virtuelle Streifenfahrt zu gehen (Bitterlemmer). Weiterlesen

Heitere Postkarten – ePost und De-Mail für mehr Vertrauen im Netz?

Das Telex war seinerzeit für mich ein Faszinosum: Eine geheimnisvolle Maschine, in die man Kurzmitteilungen eintippte. Der Fernschreiber zeichnete diese Nachrichten auf einem Lochstreifen auf und sandte sie mit einem dem Telefonnetz ähnlichem Direktwahlsystem rund um die Welt – rund um die Welt in Sekunden. Bestechend am Telex war die Sprache in Kürzeln, und mehr noch, wie der Lochstreifen durch die Maschine rappelte.  Oder das Telegramm. Ich erinnere mich nur an Telegramme mit frohen Botschaften: Hochzeiten, Kindsgeburten, Glückwünsche oder Grüße auf Schmuckkärtchen. Über Datenschutz und Sicherheit hat man sich keine Gedanken gemacht, allein das Tempo und die Bequemlichkeit standen im Vordergrund. Das Telex wurde in den 1980er Jahren vom Telefax verdrängt. Telegramm, Telex, Telefax, und auch die berühmte Telefonzelle haben längst Museumscharakter. Sie alle sind durch Internet, E-Mail und mobile Endgeräte verdrängt worden. Trotz des hohen SPAM-Aufkommens ist der Siegeszug der E-Mail ungebrochen. Das Medium E-Mail hat unsere Fähigkeit zur Verarbeitung unzähliger Nachrichten deutlich gesteigert. Mitten in diese E-Mail-Normalität platzen neue Angebote: Seit Mitte Juli hat die Deutsche Post AG ihr Angebot ePostbrief, am Start. In Konkurrenz dazu bieten Telekom, Web.de, GMX und andere Provider eine neue Variante der Digitalpost an. Dieses neue Angebot De-Mail soll Anfang 2011 bereit stehen. Eine Registrierung für die neuen Adressen ist bereits möglich. De-Mail ist ein Angebot des Bundes (siehe De-Mail beim BSI). In aktuellen Werbespots macht die Post große Versprechungen: „Wir bringen das Postgeheimnis ins Internet“, kündigt die Post in ihrem Werbespot an. Verbindlich, vertraulich und verlässlich soll die elektronische Kommunikation sein. Die Revolution der digitalen Kommunikation? Weiterlesen

Das Urteil zu Hartz IV – Plädoyer für ein familien- und kindgerechtes Sozialgesetzbuch

Es ist schon eine Ohrfeige für den Gesetzgeber, was das Bundesverfassungsgericht am 09.02.2010 geurteilt hat: Die Regelsätze in Hartz IV sind verfassungswidrig und müssen bis Ende 2010 neu berechnet werden. Das bezieht sich sowohl auf die Regelsätze für Erwachsene als auch für Kinder. Bezieher von Transferleistungen in SGB II können bisher praktisch keine Sonderbedarfe geltend machen, sodass sich unvorhersehbare Kosten oder Bedarfe außer der Reihe für sie vielfach katastrophal auswirken – dies muss der Gesetzgeber jetzt ändern. Außerdem muss der Gesetzgeber die existenznotwendigen Aufwendungen hilfsbedürftiger Erwachsenen und Kindern endlich realistisch und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar bemessen und neue Regelsätze in einem transparenten Verfahren berechnen [ZDF-Video, Pressemitteilung, Gerichtsurteil]. Weiterlesen

Kleines Fragment über die iranische Protestbewegung und Social Media

Video via Lieber Nichts

Die Protestbewegung um den Präsidentschaftskandidaten Moussavi, welche im Juni angetrieben vom Verdacht des Wahlbetrugs auf die Straße ging und vom Regime um Präsident Ahmadinejad blutig niedergeschlagen wurde, hat seit Anfang Dezember wieder Fahrt aufgenommen. Wieder geht das iranische Regime mit äußerster Brutalität gegen seine eigene Bevölkerung vor. Wie im Juni ist es dem iranischen Regime trotz Abschaltung der Mobilfunknetze und trotz Reduzierung der Internet-Übertragungsraten auf ein Minimum jedoch nicht gelungen, den Nachrichtenstrom in die weite Welt zu verhindern.

Drei Faktoren machen Social Media, besonders den Microbloggingdienst Twitter, zu einer Technologie, mithilfe derer die iranische Protestbewegung das Regime um Präsident Ahmadinejad  aus dem Feld schlagen könnte: Weiterlesen

Über Reisehysterie und Terrorismusgefahr

„New #TSA rule: Passengers to be handcuffed to seats. Frequent fliers will be given keys“, „New #TSA rule: Babies no longer permitted to sit on laps. Must fit into overhead compartments“ und “Repeat tweet from yesterday: I renew my 12/01 call to fly naked” waren nur einige der Tweets von Jeff Jarvis gestern abend. BoingBoing und Gizmodo unterbreiten den Vorschlag, gleich die amerikanische Sicherheitsbehörde TSA zu feuern. Nach dem Terroralarm auf Delta Airlines Flug 253 am 25. Dezember, als ein junger Nigerianer beim Versuch überwältigt wurde, einen Airbus auf dem Flug nach Detroit mit Nitropenta (PETN) in die Luft zu sprengen, ist zwei Tage ein Flugpassagier nach der Landung wegen auffälligen Verhaltens festgenommen worden. Er habe sich eine Stunde lang in der Bordtoilette eingeschlossen, verlautete aus Polizeikreisen. Nach der Landung sei er verbal ausfällig geworden. Ein Sprecher des Flughafens von Detroit sagte, der Pilot habe nach der Landung Unterstützung angefordert  [CNN, ARD, Der Westen]. Weiterlesen

Frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2010!

Allen Lesern und Besuchern wünsche ich von Herzen frohe Festtage und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010! Meine Freunde und Wissenschaftskollegen möchte ich hier besonders grüßen, und natürlich auch meine Studierenden! Für Sie, liebe Wissenschaftskollegen, hoffe ich, dass sich für jeden von Ihnen und Euch die Wünsche den Erfolg in Forschung, Lehre und anderen übrigen beruflichen Aktivitäten erfüllen. Für Sie, liebe Studierenden, hoffe ich, das Ihre besten Hoffnungen für Studienerfolg und Berufseinstieg wahr werden 🙂

Das Jahr 2009 war für uns hier sehr aufregend und ereignisreich, leider z.T.  von sehr unerfreulichen Ereignissen eingetrübt. Zuletzt haben wir unseren lieben Papagei Packo verloren, der für mich viele Jahre lang ein besonders treuer Begleiter und und guter Kumpel war und der unser Familienleben sehr geprägt hat.

Im Jahr 2010 wird die Lehrtätigkeit fortgesetzt, und das erste größere Ereignis hier in diesem Blog wird mein Besuch beim EIASM-Workshop „Trust within and between Organizations“ Ende Januar in Madrid sein. Darauf, auf alle anderen Aktivitäten – auf Sie und Euch – freue ich mich schon jetzt.

Bildungsfernsehen 2.0

Während des Studiums wurde mal mein „Kulturoptimismus des Fernsehens“   vom Professor gerügt. Dabei wird mein Kulturoptimismus des Fernsehens deutlich getoppt durch meinen Kulturoptimismus der Social Media 😉

Denn so sehr das Fernsehen die Beschäftigung mit Dingen ermöglicht, die sonst nicht zugänglich wären, empfinde ich Wissenschaftsjournalismus im Fernsehen häufig als unbefriedigend. Erstens würde ich mir mehr Wissenschaftsberichterstattung aus sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen im Verhältnis zu den naturwissenschaftlichen Disziplinen wünschen. Zweitens berichtet das Fernsehen häufig im Stil „Wissenschaftler haben herausgefunden, dass …“ . Als Zuschauer möchte ich aber gern erfahren,  um welchen Wissenschaftler an welchem Institut es sich handelt, welches seine wichtigsten Schriften sind, von welchen Positionen er sich abgrenzt usw. Dafür eignet sich der Wissenschaftler-Vortrag besser. Weiterlesen