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5th EIASM Workshop on Trust within and between organizations

FINT, the First International Network on Trust, has done a number of workshops trust in inter- and intra-organizational relationships. FINT is a network of scholars from various disciplines doing research on trust. In the past decade, issues of trust in inter- and intra-organizational relationships have become more important on the agendas of organizational scholars, due to changes in the social structure of societies, economic exchange relations and organizations. Deteriorating binding power and norms of reciprocity within and between organizations, reduction of hierarchical relations and sanctions for deviant behavior in organizations and other developments have fostered interest in cooperative behavior and trusting relationships. In networked organizations, organizational performance becomes increasingly dependent on trustful relations. A related development is the globalization and virtualization of markets and social relations within and between organizations. Trust is imperative to constructive social interaction in society and to value creation in economic relations. On January 28 and 29, 2010, FINT had its 5 th EIASM workshop on trust within and between organizations in Madrid, Spain. It brought together researchers from 24 countries. Weiterlesen

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DGS08 Ad-hoc-Gruppe 34: Macht und Unsicherheit im neuen Netz

DGS-Kongresse bieten stets eine solche Fülle an Themen und Veranstaltungen, dass es praktisch unmöglich ist, mehr als ein Thema vernünftig zu verfolgen, so auch „Unsichere Zeiten„: Allein die Sektion Wirtschaftssoziologie war mit drei Veranstaltungen dabei. Dazu kamen die Sektionen Industriesoziologie und politische Soziologie, die ebensoviel Aufmerksamkeit verdient hätten, und die Netzwerkforschung, die sich jetzt als Arbeitsgruppe gegründet hat.

Sehr informativ fand ich die Veranstaltung „Was heißt heute Mediengesellschaft?“. Sie hat gezeigt, wie sehr Medien alle Lebensbereiche durchdringen und wie wir Medien in unserem Arbeits- und Alltagshandeln Medien einsetzen. Christiane Funken (Berlin) berichtete aus ihren empirischen Studien, wie die charakteristische Verwendung von Mails Onlinemedien durch massenhafte Verwendung einerseits und die für Organisationen charakteristischen Verwendungsweisen andererseits zu einer gravierenden ökonomischen, zeitlichen und kognitiven Belastung für Organisationen geworden ist. Jeder Mitarbeiter hortet Tausende von E-Mails und verbringt mehrere Stunden pro Tag mit der Abfassung von E-Mails. Wie Funken auf Nachfrage bestätigte, ist die E-Mail-Flut nicht allein den Spam-Massen geschuldet, die ein Spam-Filter aus dem Verkehr zieht. Vielmehr ist die in Organisationen verbreitete Nutzungsweise entscheidend. Mitarbeiter senden massenhaft E-Mails, um Kollegenkreise über ihre Aktivitäten zu informieren, in Leistungsevaluationen gut abzuschneiden und sich selbst möglichst gut gegen mögliche Schuldzuweisungen für Ereignisse des organisationalen Versagens abzusichern (mit CC, BCC). Michael Jäckel (Trier) diskutierte die Frage nach einer möglichen Mediatisierung oder Emanzipation des Publikums anhand der Aufhebung der eindeutigen Trennung von Sender und Empfänger mit Internet und Social Media. Die „Selbstorganisation“ des Internet definiert die Zukunft der Mediennutzung und des Publikums weit über die rein technischen Aspekte hinaus. Leider verpasst habe ich die Ad-hoc-Gruppe „Onlinedating – neue Wege der Partnerwahl„. Nicht zuletzt aufgrund der vergleichsweise niedrigen Markteintrittsbarrieren ist eine unüberschaubare Anzahl von Plattformen entstanden, auf denen in Deutschland Schätzungen zufolge ca, 6,5 Millionen Menschen nach losen Kontakten, Freundschaften, unverbindlichen sexuellen Abenteuern, festen Partnerschaften und Ehepartnern suchen. Aber Jan Schmidt berichtet ausführlich über die Ad-hoc-Gruppe Onlinedating und präsentiert seinen Vortrag über die Praktiken des Identitäts- und Beziehungsmanagements auf Social Networking Plattformen.

In der Ad-hoc-Gruppe „Macht und Unsicherheit im neuen Netz?“ haben wir „Social Software“, „Web 2.0“ und die dazugehörigen Verwendungsgemeinschaften in den Kontext des Kongressthemas Unsicherheit gestellt. Wir haben diskutiert, wer im neuen Netz den Ton angibt, wie das geschieht, mit welchen Unsicherheiten die Menschen dabei konfrontiert sind. Homo Sociologicus hat auch schon ausführlich zur Ad-hoc Gruppe berichtet, in der wir das neue Netz im Licht der unsicheren Zeiten sehr ernsthaft diskutiert haben.  Unser Publikum war klein, aber oho: Selten findet sonst man ein Forum, wo man nicht entweder Grundzüge der Soziologie oder Anwendungen des neuen Netz erklären muss, und folglich die Diskussionen ein gutes Niveau.

Zuerst hat Benedikt Köhler die neuen Formen des Wissensmanagements mithilfe von Bookmarks (Lesezeichen) und tags (Schlagworten) erläutert und seine Potenziale im Verhältnis zur herkömmlichen kategorialen Wissensorganisation etwa in Bibliotheken diskutiert. Benedikt hat soziotechnische Entwicklung von klassischen Kategoriensystemen hin zu Tagging-(Un-)ordnungen beschrieben. Vor dem Hintergrund der Theorie Reflexiver Modernisierung deutet Benedikt die WWWissensordnungen als zweitmoderne
Wissensordnungen. Wie die Diskussion ergab, stellen die von Prodnutzern geschaffenen Wissensordnungen im neuen Netz Unsicherheiten in erheblichem Ausmaß dar: Sie fordern Professionen heraus, es stellt sich die Frage nach der inhaltlichen Qualität aufgefundener Information, aber auch Macht- und Eigentumsfragen.

Danach ist Lars Alberth die Frage nach der Hegemonie und der Repräsentation im Internet aufgeworfen. Lars ist dieser Frage am Beispiel der deutschsprachigen Blogosphäre gefolgt. Wer repräsentiert die Blogosphäre,  wie geschieht das, welche Rolle spielen Rankinglisten wie die A-List? Anhand der Analyse mehrer Diskussionen in Weblogs und auch von Printtexten zu Zustand, Status und Möglichkeiten der Blogosphäre hat Lars Alberth die Kämpfe um ihre hegemoniale Deutung analysiert. Dazu hat Lars die Diskussion zwischen Bloggern und Wissenschaftlern im ZKM vom Herbst 2005, die Projekte eines „linken Neoliberalismus“ (Mercedes Bunz) jenseits der Erwerbsbiographie (Lobo/Friebe) und die Debatte um das „Fakebloggen“ bzw. virale Marketing zum Parfüm „In2U“ von Calvin Klein aufgegriffen. Lars hat dem Blogmilieu kritisch auf die Tastaturen geschaut und Widersprüche zwischen dem Anpruch der Autonomie und Authentizität einerseits und der Einbettung des Internet und des Bloggermilieus in kapitalistische Strukturen andererseits – die sich manche Protagonisten der Szene ungern einzugestehen scheinen – aufgezeigt.

Kai-Uwe Hellmann hat sich das Mitmachweb 2.0 und der Produktion von „User generated content“ vorgenommen. Während sich die Bloggerszene kritisch distanziert zu privatwirtschaftlich geführten Unternehmen positioniert, sehen sich Unternehmen im neuen Netz mit Macht und Unsicherheit aus anderer Quelle konfrontiert: ihren Kunden. Die etablierte Machtasymmetrie erodiert, denn Web 2.0 ermöglicht und begünstigt eine Aktivierung der Eigeninitiative der Konsumenten, wie sie bisher unvorstellbar war.
Dieser Innovationsschub, bezogen auf den Fluchtpunkt Sozialisationseffekte, könnte
erhebliche Folgen für das Verhältnis von Unternehmen und Kunden haben. Unternehmen sehen sich unter wachsendem Erwartungsdruck, sich ihren Kunden gegenüber responsiv und transparent zu zeigen. Kunden erwarten von ihnen Kritikfähigkeit und symmetrische Aushandlungsprozesse und eine Bereitschaft zum Dialog, die sich mit den hohen Ansprüchen an Autonomie und Authenzität wird messen lassen müssen. Kai-Uwe antizipiert eine Unternehmenskulturrevolution 2.0, die keineswegs vor den Haupteingängen der Unternehmen Halt machen muss. Sie könnte unternehmensinterne Entscheidungsprozesse grundlegend renovieren und den Kontakt zwischen Kunden und Mitarbeitern grundlegend verändern.

Die Problematik und die Konstitution von Vertrauen beschäftigen mich schon seit einer Weile. Die „Initialzündung“ hatten Diskussion im privaten Bereich und das Buch „Trust – Reason, Routine and Reflexivity“ von Guido Möllering im Jahr 2006 gegeben wo der Fokus eher auf interorganisationalen Geschäftsbeziehungen lag. Aber fragt man Verwandte, Bekannte und Freunde , ob sie dem Internet trauen, bekommt man oft ein plattes „Nein“. Doch das undifferenzierte „Nein“ richtet sich auf das Internet in seiner Gänze und bleibt deshalb widersprüchlich. Auch nutzen dieselben Personen, mir ihr Misstrauen am Internet bekundet haben, selbst aktiv diverse  Onlinemedien und tätigen durchaus wirtschaftliche Transaktionen online. Die Haltung „ich traue dem Netz nicht“ mag in manchen Kreisen noch als Distinktionsmechanismus für Sektempfängen taugen, aber praxistauglich ist dieser Ansatz  nicht. Denn er lässt ja nur die Wahl, entweder ’naiv‘ alles mögliche mitzumachen und spontan alles Mögliche zu entäußern oder eben ganz auf soziale Beteiligung im Netz zu verzichten. Damit schließt man sich selbst von allen Vorzügen der Beteiligung an einem immer wichtigeren Bereich des sozialen Lebens aus. Aber das nicht-enden-wollende Gegeneinander zwischen der Medienberichterstattung und der Selbstverständlichkeit der Medienbenutzung der Szene bzw. der jüngeren Generation hat mich dazu angeregt, darüber nachzudenken, weshalb Vertrauen im Internet überhaupt problematisch und wie Vertrauen online konstituiert wird. Die nachfolgende Präsentation enthält paar kleine Überarbeitungen gegenüber der Vortragsversion und ist recht streng wissenschaftlich gehalten.

„Thieves in the temple“ or nails to the coffin?

Haltet den Dieb!“ by Marcus Rohwetter in „DIE ZEIT“ (10.07.08, German) is just another illustrative example of the warmth in the relationship between the established commercial print and broadcasting in Germany and Web 2.0. Rohwedder argues that YouTube is nothing more than a combination of a garbage can for private junk video and a violation of copyrighted video material. He seems convinced that YouTube stands for a decline of media culture. Watch teenagers eat pizza or that guy named Expanda touch his belly after drinking four liters of Coca-Cola. Find copyrighted materials stolen from publishers, music lables nd broadcasters and feel encouraged to upload new unauthorized material to the Platform, e.g. from high quality German public broadcasting stations. Thereby Rohwedder does not even mention alternative legal constructions vis-à-vis the traditional „all rights reserved“ copyright such as creative commons and GNU licence used in Wikipedia. Rohwetter interprets increasingly widespread collaborative practice of producing, distributing and organizing knowledge online that is known as produsage as deviant behavior or even crime. Interestingly, the author ignores that „DIE ZEIT“ where his article was published, offers RSS feeds and invites readers to bookmark and tag the articles as do many German newspapers. Rohwetter seems unaware that content, code and metadata can be produced, criticized, improved, combined and re-combined in creative processes by every ordinary person, that a critique, improvement, organization of content by bookmarking and tagging or creative re-combination of content, code and meta-data is a ‚value added‘ to a global public good. Jan Schmidt and I have worked out this argument in our essay in Herbert Willems (2008). „Weltweite Welten“ (German). None of these potentials are recognized in Rohwetter’s contribution in „DIE ZEIT“. He writes about Web 2.0 as what it seems to from his perspective: another nail to the coffin of a media business model in decline.

„Thieves in the temple“ or nails to the coffin? Technology edition

Just in case Rohwetter is already troubled by nightmares, here is another reading recommendation:  „Das Internet und die Transformation der Musikindustrie. Rekonstruktion und Erklärung eines unkontrollierten sektoralen Wandels“ by Ulrich Dolata at MPIfG (pdf, German).

While in the mid 1990s, the music industry was a flourishing well structured and flourishing industry economic sector, living well on LPs, Singles, tapes and even profiting from the CD an music television and dominated by five large companies: Universal/Polygram, Sony Music Entertainment, EMI, Warner Music Group and Bertelsmann Music Group. Since the late 1990s the music industry has been in a state of crisis. Sells have declined from US $ 40,5 billion in 1999 to US $ 31,8 billion in 2006 worldwide, from US $ 14,3 billion in 2000 to US $ 10,4 billion in 2007 in the United States and from € 2,63 billion in 2000 to € 1,65 billion in 2007. A new set of technologies  – digitization, data compression and the internet – have been successfully combined in such a way that they jeopardize the business model of the music industry and have forced significant changes. The impulses for restructuring the music industry came both from the fringes of the music industry itself and from actors outside the music industry. First, the CD had no copy protection and the MP3 as an open music format was invented. Subsequently, the music industry was challenged by non-commercial platforms for the exchange of music such as Napster, Freenet, Kazaa and Gnutella originating in the hacker scene starting about 1999 and and powerful new actors with commercial interests invading the music market starting about 2003. So far, iTunes has been the most successful example for establishing a music market introduced by a powerful invader to the music industry – Apple [of course, the user can also choose social music discovery services, e.g. ilike, last.fm]. Established companies within the music industry hesitated to live up to the technological challenges. Instead of seeking their opportunities in the process of change, they chose blockading and containment strategies and only strategically repositioned themselves when change was no longer avoidable.

Dolata identifies four factors contributing to the incabability and unwillingness of the music industry to anticipate and adapt to the technological challenges, the music industry is in the doldrums. First, the music industry had difficulties antiticipating the full impact of the new technological opportunities even though CEOs were well aware that the internet would create challenges. Music labels lived in a state of uncertainty and ambiguity. Change would have meant to integrate well established powerful actors within the music insdustry; so the music industry was reluctant to technological change.  A second obtacle was the music industry’s structural inertia with regard to the complex and time consuming process of implmenting a new techno-institutional match (can be but need not necessarily be a market) combined with the unwillingness to let go the established rules, roles and procedures that were the basis of previous successes: markets, company structures, legal frameworks, licence models etc. Third, the music industry is characterized by a strong structural and technological conservatism. The music industry tends stick with the established technologies. The music tape and the CD were implemented years after they were originally invented. This tendency holds true for data compression and for the use of the internet, as well. The music industry lacked interest for the new technology. The music industry has never been a first mover to new technology but always been a second exploiter. Its dominant orientation is that to the slowest consumer, well established technology and dominant tastes and styles. Finally, an oligopolistic market structure combined with a structural hierarchy between the companies at the core contributed to the unwillingness and incapability of  to undergo fundamental change with regard to the power and dynamics that the global interactive internet unfolds, today. Since change has always originated in the periphery – never at the core – it is no wonder that the music industry has failed to anticipate the impact the internet would have and to implement innovation beyond a minimum of protectionalist designs. Moreover the music labels considered themselves more powerful and more important than they proved to by with regard to the challenges coming from the internet.

„Thieves in the temple“ or nails to the coffin? Educational edition

But this whole argument can also take an knowledge and educational spin. Mike Wesch and his students at Kansas State University have explored the potential of Web 2.0 for higher education in their project „Digital ethnography“ and developed a pretty cool answer to the garbage can model of teaching and learning in tertiary education. In tertiary education of almost any subject, the internet confonts teaching models based on a garbage can model of dumping knowledge into atomized students with severe problems and questions its legitimity: (1) the students are put in the position of thieves in the temple when materials they need to learn are not distributed to them and too expensive on the regular market (e.g. expensive books or text materials), (2) they are put into the awkward position of thieves in the temple when teaching models and testing procedures encourage cheating (e.g. in multiple choice testing procedures when they can have the answer to every question displayed on their mobile).

Instead, students lack a learning environment encouraging discovery, knowledge sharing, critical thinking and collaborative knowledge organization. The technology is at our fingertips, we can do something creative with it. The video of a lecture by Mike Wesch from a guest lecture at the University of Manitoba on media literacy is pathbreaking in how Wesch explores potential of the internet to create a learning environment clearly superior to the established university system confining academic teachers and students to a specific institution and location. The video is also instructive in how the internet can be used for the specific purposes of social sciences and humanities in the broadest sense since almost anything that is found online is genuinely social in character. So watch Mike Wesch’s experiences with an integrated online participatory learning environment (Wiki) in his video „A Portal to Media Literacy“ (ca. 67 minutes).