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Neues aus der Bildungsanstalt: 11 Herausforderungen an die deutsche Universität

200 Jahre nach Alexander von Humboldt steht die deutsche Universität für Aufklärung, Theorie, Erkenntnis, Beobachtung und Experiment, systematische Reflexion, rationalen Diskurs und eine wundervolle Vielfalt unterschiedlicher Disziplinen. Die Universität (ich verwende den Begriff bewusst breit für das Wissenschaftswesen) ist eine altehrwürdige Institution, doch zugleich ruhen auf ihr die Hoffnungen der heutigen Wissensgesellschaft. Sie soll Wissensvermehrung, Märkte für Wissensgüter und hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte hervorbringen und sich in eine kapitalistische Wirtschaft einfügen. Generationen von Akademikern sind ihrer Alma Mater mit Stolz und Dankbarkeit verbunden. Leider erweckt das Erscheinungsbild der deutschen Universität gegenwärtig Zweifel an ihrer Zukunftsfähigkeit.

Update: Aus den ursprünglichen 10 Herausforderungen für die deutsche Universität sind 11 geworden. Hier sind die ersten 5 Herausforderungen zu lesen, 6 weitere folgen in Teil 2. Ich freue mich auf Meinungen und Anregungen und möchte meinerseits die Frage voranstellen, welche Herausforderungen über diese Liste hinaus ich vielleicht vergessen habe.

(1) Das Reform-Desaster der Wissenschaftspolitik

Viele Professoren echauffieren sich über das Reformdesaster der Wissenschaftspolitik aus Brüssel und Berlin: Exzellenzinitiative und Bologna-Prozess [siehe Soziologie 2008, Hefte 1, 2, 3; Nida-Rümelin 2006; 2008]. Die Exzellenzinitiative des Bundes beinhaltet, dass einzelne Universitäten in einem standardisierten Verfahren der Bemessung und Bewertung von Forschungsleistung als herausragende Forschungsstandorte identifiziert und mit zusätzlichen Finanzmitteln als Forschungsstandort gefördert werden. In der offiziellen Darstellung bleibt meist ausgespart, dass den nicht als exzellent identifizierten Universitäten wenig mehr übrig bleibt als sich auf die Lehre zu konzentrieren [BMBF; Wissenschaftsrat; DFG].
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