Monatsarchiv: November 2009

Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag

Open Access PetitionVor einigen Wochen hatte ich anlässlich einer Meilensteintagung des Projektverbundes „Interactive Science“ Gelegenheit, mit Lars Fischer (Scilogs) über seine Idee für eine Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag zu diskutieren. Inzwischen hat Lars Fischer seine ePetition zu Open Access bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen beim Deutschen Bundestag eingereicht und kann sich über eine überwältigende Resonanz freuen. Knapp 12000 Unterstützer haben das Volksbegehren inzwischen unterzeichnet und es werden immer mehr. Inzwischen besteht zusätzlich die Möglichkeit, auch offline für die Petition zu werben: Diese Unterschriftenliste (pdf) könnt Ihr einfach ausdrucken und Familie, Freunde und Kollegen unterschreiben lassen – die ausgefüllte Liste geht dann per Fax oder Briefpost zurück an den Petitionsausschuss. Weiterlesen

Die Ökonomie des Konsums – der Konsum in der Ökonomie

Was haben der Golf Blue Motion, ein Regal aus der Ikea-Serie Billy, ein Nespresso-Kaffeeautomat, eine All-Inklusive Reise nach Fuerte Ventura, ein Los der Aktion Mensch, das I-Phone und die Bahncard 50 gemeinsam? Wer eines dieser Produkte kauft, hat eine Entscheidung getroffen für diese und gegen andere Konsumoptionen, freilich auf unterschiedlichen Niveaus finanzieller Möglichkeiten. Die individuelle Entscheidung für den Kauf bestimmter Güter impliziert Präferenzordnungen, Wertzuschreibungen, ethisch-moralische Grundsätze. Sie ist sozial und kulturell überformt, und sie hat Kon­sequenzen den sozialen Status und die Lebenslage des Einzelnen betreffend. Darüber hinaus wirkt sie sich auf der anderen Seite Wirtschafts­geschehens – bei Produktion, Erwerbsarbeit und Distribution – aus.

Im Berliner Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft fand am 06. und 07. November 2009 eine gemeinsame Tagung der DGS-Sektion Wirtschafts­so­ziologie und der AG Konsumsoziologie zum Thema „Die Ökonomie des Konsums – der Konsum in der Ökonomie“ statt. Ausgehend von 9 Arbeitspapieren über die Zusammenhänge von Kon­sum und Wirtschaft haben wir Gemeinsamkeiten von Wirtschafts- und Konsumsoziologie so­wie Möglichkeiten der Zusammenarbeit beider Arbeitsbereiche diskutiert.
[Hier werden aus Zeitgründen 7 Papiere vorgestellt – klar sind alle Vorträge empfehlenswert. Die Tagungsorganisation wird die Paper Library zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich bereitstellen] Weiterlesen

Biedermänner und Brandstifter II. In welche Richtung steuert die Regierung bezüglich HartzIV?

‚Hirnverbrannt‘ nannte Guido Westerwelle von der FDP Befürchtungen, dass die neue schwarz gelbe Regierungskoalition eine Fortsetzung des Sozialabbaus mit sich bringe. „Deutschland wird von der Mitte aus regiert, von einer Koalition der Mitte. Und die Ränder haben in dieser Republik nichts zu sagen„, sagte der Parteivorsitzende am Sonntag bei einem FDP-Sonderparteitag in Berlin. Wer nun von unsozialer Politik spreche, dem sei in seiner „Hirnverbranntheit“ nicht zu helfen (ReutersSZ, 25.10.09). Auch der neue Bundesarbeitsminister Jung verwahrt sich gegen Auffassungen, die ihn von Soziallabbau und sozialer Kälte in Verbindung bringen. Vielmehr liege ihm an gutem Kontakt zu den Gewerkschaften (WELT, 29.10.09). Vor etwas mehr als einem Jahr hatte mich Till Westermayer auf einen Aufsatz zweier Wirtschaftswissenschaftler namens Thießen und Fischer mit dem Titel „Die Höhe der sozialen Mindestsicherung – eine Neuberech­nung bottom-up“ aufmerksam ge­macht, just nachdem dieser Artikel in der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik erschienen war [kommentiert von Till Westermayer und mir im September 2008].

Seit längerem gibt es eine Begleitmusik mit provozierenden Wortmeldungen von Politikern unterschiedlicher Couleur, die wissenschaftliche Beiträge diesen und ähnlichen Typs gern für pauschale Äußerungen über die Bezieher des Grundeinkommens nach SGB II aufgreifen. Nach den Angaben der Bundesagentur für Arbeit für September 2009 gibt es knapp 6,75 Millionen Einzel­personen bzw. über 3,5 Millionen Bedarfs­gemeinschaften, die ein Grundeinkommen nach SGB II beziehen [Bundesagentur für Arbeit] Weiterlesen