Quick-Check Researchgate

Researchgate

Researchgate

Unter den Social Networking Plattformen hat sich längst eine Spezialisierung ergeben, z.B. nach Altersgruppen, nach Schichten und Milieus. Zu den neueren Angeboten unter den Social Networking Plattformen zählen solche Angebote, die sich auf bestimmte Berufsgruppen eingeschossen haben, für Wissenschaftler z.B. Researchgate . Mit knapp über 140.000 Mitgliedern ist Researchgate derzeit das größte Angebot seiner Art. [Trailer].

Researchgate fordert den Wissenschaftler auf, ein kostenloses Profil einzustellen und Angaben zur Person, Forschungsinteressen, Werdegang, institutioneller Anbindung, Qualifikationen und Publikationen einzufügen, sodass eine Art standardisierte Wissenschaftler-Webseite entsteht. Mit Facebook hat Researchgate gemeinsam, dass Wissenschaftler einander kontaktieren, Gruppen bilden und direkt über die Plattform Nachrichten austauschen können und dass Wissenschaftler ihr Kontaktnetzwerk grafisch abtragen können. Darüber hinaus befördert Researchgate kollaborative Arbeitstechniken und den Wissensaustasuch, z.B den Austausch von Folienpräsentationen zu einer Konferenz, wie man sie bisher z.B. bei Slideshare hat austauschen können. Parallel dazu baut ResearchGATE einen Publikationsindex auf, der Metadaten für 35 Millionen Veröffentlichungen enthält. Dieser Index wird automatisch mit den Angaben aus SHERPA RoMEO verknüpft, der Datenbank, in der Verlage und Autoren ihre Vereinbarungen über Self Archiving ablegen [mehr dazu bei Klaus Graf]. Zu den aktuellen Funktionen gehört weiter, dass wissenschaftliche Artikel innerhalb der Plattform auch dann frei und vollständig zugänglich sein werden, wenn sie in kostenpflichtigen Publikationen erschienen sind. Dies wird ermöglicht, weil jedes Wissenschaftler-Profil auf ResearchGATE juristisch wie persönliche Website behandelt wird. Folgt man den Angaben von Klaus Graf, dürfen Mitglieder dort im Normalfall ihre Aufsätze hochladen, ohne das Urheberrecht zu verletzen. Damit zeichnet sich ein Weg für mehr Open Access ab.

Vertrauensrelevanz

ResearchGATE fordert den Wissenschaftler auf, karriererelevante Informationen zur Person sowie zur vergangenen und aktuellen Arbeit umfassend mitzuteilen. Da diese Bereitschaft bei Wissenschaftlern nach Generationen, Fachkulturen und Internetaffinität sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, erscheint mir die Erwartung der Plattformbetreiber, dass alle Wissenschaftler unmittelbar sämtliche Informationen in sämtliche Felder eintragen (ausgedrückt mit einem Fortschrittsbalken, der die „Vollständigkeit“ des Nutzerprofils anzeigt), als unrealistisch einschätzen und auch nicht wünschenswert finden. Denn diejenigen, die sich zuerst exponieren (First Mover), sind stets exponierter und verwundbarer als ihre Kollegen, die mit Verzögerung nachrücken (Nachahmer) oder die bewusst weniger Informationen von sich mitteilen (z.B. Felder frei lassen). An der Gruppe der First Mover wird sich zeigen, in welchen Bereichen eine Plattform jetzt schon wirklich gut ist, wo noch nachgebessert werden muss und ob sich einzelne Funktionen als überflüssig erweisen. In der Praxis kommt noch der handwerkliche Aspekt hinzu, dass das Eintragen der Publikationen gerade bei etablierten Wissenschaftlern, die umfangreiche Schriftenverzeichnisse haben, ziemlich aufwendig sein dürfte, ihre Publikationen sind so in Datenbanken verfügbar, dass die Einträge automatisch in die Datenbank von Researchgate eingelesen werden können.

Bedeutend für die Vertrauensbildung dürfte der Aspekt der Vertrautheit sein: Da das äußere Erscheinungsbild sehr nach Web 2.0 aussieht, dürften sich diejenigen,  die schon länger mit Social Software zu tun haben, leichter zurecht finden als diejenigen Wissenschaftler, die bisher nicht mit Social Software gearbeitet haben.

Vertrauensrelevant erscheint mir zudem die Frage nach dem Eigentum an den  Daten, die Wissenschaftler in die Nutzerprofile einstellen. Sören Hofmayer, der Researchgate auf der Tagung „Interactive Science“ vor wenigen Tagen vorstellte, versicherte auf meine Frage, dass die Daten dem Wissenschaftler gehören, der sie einstellt. Natürlich muss das Eigentum  des Wissenschaftlers an seinen Daten auch langfristig gesichert, eine Aneignung durch den Provider ausgeschlossen sein.

Fazit

Die Zeit wird zeigen, ob sich ResearchGATE als internationale Informationsinfrastruktur für die Wissenschaft auch gegen Konkurrenten durchsetzen wird, inwiefern ResearchGATE oder andere Plattformen die Wissenschaftskultur der Zukunft prägen werden, welchen Stellenwert die Datenbanken mit biografischen Daten in Instituten und Hochschulen dann in Relation zu ResearchGATE haben werden, ob in Zukunft alle biografischen Informationen, die in die Datenbanken der eigenen Hochschule einträgt, automatisch auch mit Researchgate synchronisert werden und ob die Betreiber von Onlineangeboten wie ResearchGATE in einigen Jahren bis an den Machtpol des Wissenschaftsfeldes vorgerückt sein werden.

3 Antworten zu “Quick-Check Researchgate

  1. Hallo Tina,

    vielleicht interessiert Dich in diesem Zusammenhang ja auch Mendeley (http://www.mendeley.com), eine Software zum Organisieren, Teilen und Zitieren von wissenschaftlichen Artikeln.

    Unsere Idee ist die eines „Last.fm für die Wissenschaft“ (http://www.youtube.com/watch?v=UzJbrA9EY7A), wobei Wissenschaftler bei Mendeley ihre Artikel automatisch hochladen können und dazu Nutzungsstatistiken bekommen. Darüber hinaus aggregieren wir anonym diese Nutzungsstatistiken und zeigen die meistgelesensten Autoren/Artikel/Journale etc.

    Würde mich über Feedback freuen!

    Viele Grüße
    Jan (jan.reichelt@mendeley.com)

  2. Sorry, die Links sollten natürlich sein:
    http://www.mendeley.com

  3. Dank Dir für Deinen Hinweis. Mich interessiert jede interaktive Plattform, die dazu dient, dass Wissenschaftler ihre Wissen teilen, kooperieren und voneinander lernen können, auch über die Distanz. Ob die kollaborativen Plattformen für Wissenschaftler jetzt schon hinreichend „ausgereift sind“ und Wissenschaftler so von sich überzeugen können, dass sie sich anmelden und damit arbeiten wollen, oder ob sie noch ein paar Jahre Entwicklungszeit brauchen, wird sich erst noch zeigen. Natürlich wird auch erst in ein paar Jahren absehbar sein, ob sie wirklich das Potenzial haben, dass sich auch Regeln und Netzwerke der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Karrierewege ändern. Noch ein Punkt: Ein einzelner Wissenschaftler wird auch nicht bereit sein, sich auf vielen Plattformen anzumelden, weil praktischer Nutzen & Zeitersparnis dann wieder verloren gehen. Eine vorsichtige Vermutung: Es gilt der Grundsatz „Gleich und Gleich gesellt sich gern“, d.h. Wissenschaftler werden am ehesten die Plattform wählen, wo sich ihre Kollegen des gleichen Ranges und aus demselben Fach auch angemeldet haben. Aber vielleicht haben ja Leser und Wissenschaftler schon Erfahrung mit ResearchGATE & Mendeley & Co – Empfehlungen, Meinungen etc. herzlich willkommen🙂

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