Monatsarchiv: April 2009

Workshop „Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien“

Montag und Dienstag fand am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) der Workshop über “Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien” statt – auf Einladung von Claus Leggewie (Essen), Christoph Bieber (ZMI Gießen, Politik Digital, Internet und Politik) und Jan Schmirmund (ZMI Gießen), die im Rahmen des Forschungsverbundes “Interactive Science” gemeinsam interdisziplinär forschen, was die Charakteristika von interner Wissenschaftskommunikation im Gegensatz zum Wissenschaftsjournalismus bzw. zur externen Wissenschaftskommunikation kennzeichnet. Der Workshop hatte eine klare Fokussierung auf sozialwissenschaftliche Perspektiven und auf Social Media (Web 2.0 etc. im Gegensatz zu den frühen digitalen Medien der 1980er und 1990er Jahre).

Der Workshop hatte vier Sessions: In der ersten Session hat Jan Schmirmund uns Gästen den Forschungsverbund “Interactive Science” vorgestellt – ein junges, Projekt, finanziert durch die Volkswagenstiftung und standortverteilt auf verschiedene Forschungsstandorte in Deutschland und Österreich. In den Folgesessions sollten Experten – Benedikt Köhler, Marc Scheloske, Guido Möllering und ich – auf Fragen zu Spezialthemen. Benedikt Köhler (Viralmythen) wurde befragt zum Thema Formate der Social Media (Blogs, Wikiwebs, Microblogging, virtuelle Welten etc.). Welche neuen Medienformate werden zukünftig zur internen Wissenschaftskommunikation verwendet? Wo sind die Potenziale und Grenzen der Social Media für die Wissenschaftskommunikation? Sind Blogs am Ende?

Marc Scheloske (Wissenswerkstatt, Wissenschaftscafé Science Blogs) wurde zur Grenze zwischen interner Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus befragt. Wie tragen digitale Medien dazu bei, die Grenze zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit aufzuweichen oder neu zu ziehen? Dann haben Guido Möllering und ich Vertrauen für die Thematik der internen Wissenschaftskommunikation diskutiert. Welchen Stellenwert hat Vertrauen in der internen Wissenschaftskommunikation an der Schwelle zwischen interner und breiter öffentlicher Wahrnehmbarkeit? Wie kann in diesem Grenzbereich Qualität gewährleistet werden? Weiterlesen

Bericht re:publica09

Ein bedauerliches Ritual scheint Fuß zu greifen in Deutschlands Medienlandschaft. Deutschlands größtes Blogger-Treffen widmet sich dem Verhältnis von digitaler Kultur und Gegenwartsgesellschaft und geht Fragen des Internet bewirkten gesellschaftlichen Wandels nach – 1400 Teilnehmer, drei Tage, zwei Konferenzstätten, das Motto: „Shift happens!„. Bekannte Persönlichkeiten wie Lawrence Lessig, Jimmy Wales, Peter Glaser, Peter Schaar tragen vor. In diversen Podiumsdiskussionen wird die Relevanz von Blogosphäre und Social Media erörtert. Und die Beiträge der etablierten Medien quittieren die re:publica09 mit einer Abfälligkeit und Ignoranz, als hätten ihre Autoren andere Veranstaltungen besucht: „Ich seh nur Pfeifen“ (FAZ), „Nerds tanzen nicht“ (Netzzeitung). [Dazu auch die lesenswerten Kommentare von Thomas Knüwer vom Handelsblatt und von Felix Schwenzel von Wirres.net]. Meine re:publica09 war eine vielseitige und ermutigende Konferenz, im übrigen auch ein Expertentreffen von Netzbewohnern, die alle bereitwillig einen Teil ihrer sehr umfangreichen Online-Erfahrungen mitgeteilt haben. Dass auch Elemente von Party dabei waren und der informelle Austausch im wunderschönen Innenhof der Kalkscheune breiten Raum einnahm, war Teil des Veranstaltungskonzepts und eine klare Stärke. Klar, dass ich jede Menge Inspiration von der re:publica09 mit heim genommen habe [Kleines Fotoalbum].

Zu meinen Highlights gehörte insbesondere die politischen Aktivisten und politisch aktiven Teilnehmer, die das Netz äußerst kreativ für ihre Projekte und Anliegen nutzen – z.B. Ersra’a Al Shafei. Ersra’a Al Shafei ist Geschäftsführerin von MideastYouth, einem preisgekrönten unabhängigen Netzwerk, dessen Ziel es ist, junge Menschen zu ermutigen und unterstützen, die Chancen freier Meinungsäusserung gegen teils totalitäre Regime des nahen Ostens wahr zu nehmen. Mideastyouth tritt für die hierzulande als selbstverständlich erachteten Bürgerrechte der Freiheit und Gleichheit sowie insbesondere für die Rechte der Frauen ein. Ein tolles Projekt. Weiterlesen