Sozialwissenschaftliche Lehre und die Relevanz der Social Media

Das war’s schon wieder, liebe Besucher, 6x Uni Würzburg im WS08/09. Im Zug vertreibt man sich die Zeit mit Lektüre, Twitterei, der Ergründung der Geheimnisse des Bundesbahnrühreis, mit sinnigen Diskussionen mit den werten Mitreisenden über die Achsenproblematik des ICE 3, die Screening-Methoden der Bundesbahn und die Medienkompetenzen der Digital Natives. Dazwischen lagen einige Stunden intensive Arbeit zunächst mit dem das HS Spezielle Soziologie „Soziologie des Internet“ dann mit dem HS Spezielle Soziologie „Das Wissen vom Wissen“. Zack zack ist dann die Vorlesungszeit herum, die Studenten an ihren schriftlichen Aufgaben und ich auf dem Heimweg. Ich habe mich über das Interesse der Studenten und ihre Beteiligung gefreut. Jetzt harre ich erwartungsfroh der Seminararbeiten🙂

Inzwischen ist das Social Web Bestandteil meiner Arbeitstechniken in der Lehre. Weblog, Wikiweb, Friendfeed, Twitter, Video, Livestream etc. bieten wunderbare Potenziale für die akademische Lehre. Und Social Media ermöglichen, was zuvor unvorstellbar war: Eine Lehrveranstaltung muss sich nicht länger hinter den Mauern einer Hochschule verbergen. Bildung ist für alle da. Scheine, Prüfungen, Bildungszertifikate können jedoch nur Studierende erwerben, die regulär teilnehmen und sich den Mühen des Mitmachens unterziehen. Lehrmaterialien bekommen logischerweise auch nur die Teilnehmer. Auch brauchen Studierende Schutzräume, wo sie sich entfalten können. Mit dem Einsatz von Social Media habe ich begonnen, doch der Mix soll vielseitiger werden. Status Quo: Es gibt eine Veranstaltungshomepage und einen Mailverteiler. Präsentationen zu den Referaten werden bei Slideshare online gestellt. In einer Friendfeed-Gruppe werden die Präsentationen für die Teilnehmer gesammelt und durch Links zum Seminarthema ergänzt. Im Wiki erklären die Studierenden jeweils einen Fachbegriff aus dem Themenfeld ihres Hauptseminars. Die Länge der Seminararbeit wird dafür um einige Seiten gekürzt. Und jeder Teilnehmer erhält eine stattliche Seminarlektüre.
Zu berücksichtigen ist: (1) Die Bachelor- und Masterstudienordnungen begünstigen ein verkürztes, modulares Studium. Das Lernen ist stärker auf Scheine und Prüfungsvorbereitung fokussiert, zeitliche Spielräume und Entdeckungsräume werden eingeschränkt. (2) Universitäten setzen bereits Software ein, wie z.B. Online-Anmeldungssysteme für die Lehrveranstaltungsorganisation und Moodle für die Durchführung. (3) Es hat sich als unmöglich herausgestellt, automatisch Mailverteiler aus Online-Anmeldungssystemen zu generieren, weil sich Studierende mit ihrem Uni-Mail-Account zu den LVs anmelden, im Alltag aber eigene E-Mailadressen verwenden. Mailverteiler sind notwendig, aber recht unspannend, weil die Kommunikation ja eine One-Way-Kommunikation ist. (4) Auch die Lernplattform Moodle um bleibt unbefriedigend, weil sich akademische Lehre in den Sozial- und Geisteswissenschaften nicht auf das Bereitstellen von Material und auf Kommunikation in geschlossenen Räumen beschränken kann. Die Berufswirklichkeit von Sozial- und Geisteswissenschaftlern ist die eines Kommunikators in formalen Organisationen und in diversen Öffentlichkeiten. (5) Im HS sollen Kommunikationstechnologien den seminarspezifischen Anforderungen gerecht werden und an der späteren Berufswirklichkeit der angehenden Sozialwissenschaftler orientiert sein. Daher gilt es, Nutzungsweisen für sozialwissenschaftliche Lehre zu entwickeln, die eine Balance zwischen Öffentlichkeit und Schutzraum ermöglichen, Dialog und Kooperation fördern, einladend und motivierend wirken. Wenig aufwendig und kostenlos sollen sie außerdem sein. Im Sommer werde ich Social Media erneut in meine Lehre einbinden. Anregungen sind willkommen.

Hier noch eine Antwort auf die Fragen der AG Social Media über geeignete Metriken für ein Social Media Measurement, das ich mit meiner sehr einfachen Ausrüstung gebastelt habe [Bitte höflich, über die Tonstörungen hinwegzusehen]:

P.S. Morgen, am 04.02.09 um 18 Uhr veranstaltet die AG Social Media eine virtuelle Podiumsdiskussion zur Frage „Ist das wirklich Rundfunk?“ bei Make TV. Den Anlass gab eine Regulierung der Fernsehsatzung durch die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) im Juli 2008 dahingehend, dass Livestreaming-Angebote Netz mit mehr als 500 gleichzeitigen Zugriffsmöglichkeiten genehmigungspflichtig und ab 10.000 potentiellen gleichzeitigen Nutzern wie Kabelsender zu behandeln und damit genehmigungspflichtig sind.

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