Tagesarchiv: November 2, 2008

„Karrierefalle Internet“ – ein alternativer Vorschlag zum Thema Reputation im Netz

Über Online-Reputation wird viel geschrieben, v.a. seit mit Social Networking Seiten wie Xing, Facebook, LinkedIn, ClaimID, MyOnID, Yasni oder dem Reputation Defender Geschäftsmodelle entstehen, welche ein „Management“ Reputation vorschlagen und teils dezent, teils offenkundig, von Ängsten der Nutzer vor Reputationsbeschädigung profitieren möchten. Zu den Schriften über Online-Reputation gehört auch das neue Buch „Karrierefalle Internet“ des Public-Relations-Beraters Klaus Eck, online bekannt als PR-Blogger. Thematisch passt es hervorragend zum Hauptseminar „Soziologie des Internet“ an der Universität Würzburg. „Managen Sie Ihre Online-Reputation, bevor andere es tun“, lautet der Untertitel des beim Hanser-Verlag erschienenen Buches. Aufgrund der Handlungsrelevanz für die Teilnehmer an der Schwelle zum Berufsstart habe ich das Buch „Karrierefalle Internet“ gern in die Seminarlektüre aufgenommen. Seinem Reputationsbegriff allerdings möchte ich jedoch einen Reputationsbegriff aus der Soziologie entgegensetzen und greife dabei auf meine Dissertationsschrift und mein aktuelles Interesse zu Vertrauen im Netz zurück.

Eck hat mit seinem Buch „Karrierefalle Internet“ einen starken Punkt gemacht: Entgegen der Tonlage vieler herkömmlicher Medienanbieter, in denen die  Vertrauenswürdigkeit des Internet per se infrage gestellt wird, sieht er die Reputation einer Person oder oder einer Organisation viel mehr dann in Gefahr, wenn eine Person oder Organisation keine Kenntnis davon hat, welche Informationen über sie im Internet kursieren. Eck nimmt Personen und Unternehmen als reale Akteure ernst. Er diskutiert Schädigungen, die diese Akteure erleiden können. Er greift auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz der Nutzung und (Mit-)Gestaltung der „Web 2.0“ Dienste zurück. Eck tritt dem Bild der Online-Reputation als einem Angst-Faktor fentgegen, und er rät Personen und Unternehmen zu einer aktiven Nutzung des Internet, um Potenziale für eine Verbesserung der eigenen Reputation auszuschöpfen. Dies sind Stärken, wie ich sie mir von vielen anderen Büchern wünschen würde, und im Internet gehört der Autor zur Gruppe von First Movern, die mit ihrer offenen und zugänglichen Selbst-Präsentation und kontinuierlichen Aktivität für eine breitere Internetöffentlichkeit Maßstäbe setzen.

Würde Klaus Eck seinem Buch einen soziologischen Reputationsbegriff zugrundelegen, könnten die Potenziale des Internet für Reputation, Social Networking und Identität jedoch viel besser ausgeschöpft werden: Reputation ist ein symbolisch generalisiertes Interaktionsmedium. Das heißt, Reputation zirkuliert – analog zum Geld – in Sozialsystemen, und kann zwischen dem Netz und dem „echten“ Leben in beiden Richtungen übertragen werden. Weiterlesen