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		<title>Über Reisehysterie und Terrorismusgefahr</title>
		<link>http://sozlog.wordpress.com/2009/12/29/uber-reisehysterie-und-terrorismusgefahr/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 00:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„New #TSA rule: Passengers to be handcuffed to seats. Frequent fliers will be given keys“, „New #TSA rule: Babies no longer permitted to sit on laps. Must fit into overhead compartments“ und “Repeat tweet from yesterday: I renew my 12/01 call to fly naked” waren nur einige der Tweets von Jeff Jarvis gestern abend. BoingBoing [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2716&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>„New <em>#TSA rule: Passengers to be handcuffed to seats. Frequent fliers will be given keys</em>“, „<em>New #TSA rule: Babies no longer permitted to sit on laps. Must fit into overhead compartments</em>“ und “<em>Repeat tweet from yesterday: I renew my 12/01 call to fly naked</em>” waren nur einige der Tweets von <a href="https://twitter.com/jeffjarvis">Jeff Jarvis</a> gestern abend. BoingBoing und <a href="http://gizmodo.com/5435675/president-obama-its-time-to-fire-the-tsa">Gizmodo</a> unterbreiten den Vorschlag, gleich die amerikanische Sicherheitsbehörde TSA zu feuern. Nach dem Terroralarm auf Delta Airlines Flug 253 am 25. Dezember, als ein junger Nigerianer beim Versuch überwältigt wurde, einen Airbus auf dem Flug nach Detroit mit Nitropenta (PETN) in die Luft zu sprengen, ist zwei Tage ein Flugpassagier nach der Landung wegen auffälligen Verhaltens festgenommen worden. Er habe sich eine Stunde lang in der Bordtoilette eingeschlossen, verlautete aus Polizeikreisen. Nach der Landung sei er verbal ausfällig geworden. Ein Sprecher des Flughafens von Detroit sagte, der Pilot habe nach der Landung Unterstützung angefordert  [<a href="http://www.cnn.com/2009/CRIME/12/27/michigan.airplane.disruption/index.html">CNN</a>, <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/schuringa100.html">ARD</a>, <a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/Neuer-Terroralarm-in-den-USA-Pilot-fordert-Hilfe-an-id2312346.html">Der Westen</a>].<span id="more-2716"></span></p>
<p>Inzwischen steht amerikanische Sicherheitsbehörde am Pranger und reagiert mit Aktionismus. Über die Liste  <a href="http://www.tsa.gov/travelers/airtravel/prohibited/permitted-prohibited-items.shtm">verbotener Gegenstände</a>, das Tütchenpacken und die Gepäckscanner am Flughafen hinaus werden an Bord neue Restriktionen eingeführt. Bei Flügen in die Vereinigten Staaten sollen die Fluggäste kein Handgepäck mitnehmen oder eine Stunde vor der Landung keinen Zugang zu ihren Gepäckstücken in der Flugkabine haben [<a href="http://www.nytimes.com/2009/12/29/us/29terror.html">NYT</a>, <a href="http://www.nytimes.com/2009/12/28/us/28terror.html?ref=us">NYT</a>2, <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,7965976,00.html">ZDF</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JfqW55uKQpw">CBS</a>, <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/8432067.stm">BBC</a>, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,669210,00.html">SPIEGEL</a>]. <a title="Techcrunch" href="http://www.techcrunch.com/2009/12/26/airplane-electronics-ban/?utm_source=feedburner" target="_blank">Techcrunch</a> deutet mit Hinweis auf Twittermeldungen von <a title="Charlene Li" href="http://twitter.com/CharleneLI" target="_blank">Charlene Li</a> an, dass man auf internationalen Flügen demnächst keine mitgebrachte Bordelektronik mehr betreiben darf: „<em>New flight rules &#8211; Body search, no electronics apply only to int&#8217;l flights to US. </em><em>Just landed in ORD from Canada, missed connection</em>“ und „<em>So no Kindle, no laptop on int&#8217;l flights into US. My kids slept and read a good book. </em><em>I worked on my book&#8211;with a pen &amp; paper</em>“.</p>
<p>Um zu verhindern, dass sich Attentäter auf eine bestimmte Methode der Vorbereitung von Anschlägen spezialisieren, will die TSA mit ständig wechselnden Einschränkungen und Spezialkontrollen ein für Terroristen unberechenbares Sicherheitsnetz schaffen. Für die Passagiere bedeutet das z.T. erheblich längere Wartezeiten. Fernsehsender berichten über lange <a href="http://abclocal.go.com/kabc/video?id=7190382">Warteschlangen</a> an den Flughäfen und entsprechend ungehaltene Fluggäste im Hinblick auf ein Kontrolltheater, das den Eindruck von Sicherheit vermitteln soll, aber von Terroristen offenkundig bisher relativ mühelos umgangen werden kann. So werden Flugreisen zu einer unproduktiven und nervenraubenden Zeit, und auf fragwürdige neue Kontrollmethoden reagieren Reisenden zunehmend verärgert. Eine Flugreise wird zu einer zeitraubenden, langweiligen, zugleich nervenaufreibenden Aktivität, bei der manch einer vor Reiseantritt am liebsten einen Katheter verpasst haben möchte.</p>
<p><strong>Terrorismus in lernenden Netzwerken</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Den Terrorismus macht gefährlich, dass die Gruppierungen nur über ihre Ideologie und in losen Netzwerken verbunden sind, aber nicht unter dem Dach einer formalen hierarchischen Organisation operieren. Die für Netzwerkorganisation charakteristische eine Kombination aus engen Verbindungen, entfernten Kontakten und indirekte Verknüpfungen über Dritte machen sich Terroisten zunutze, um ihre Anschläge vorzubereiten. So können sie gut beobachten, welche Maßnahmen Sicherheitsbehörden zu ihrer Bekämpfung ergreifen. Vor allem handelt es sich um lernfähige Netzwerke aus beweglichen Akteuren, die aus den Maßnahmen der Sicherheitsbehörden Rückschlüsse für neue Attentatsversuche ziehen. Man sollte sich also nicht zu der leichtfertigen Schlussfolgerung verleiten lassen, ein Einzeltäter wie der NWA Flug 253 sei weniger gefährlich als eine Gruppe. Denn je kleiner Gruppen und Einheiten terroristischer Vereinigungen sind, desto geringer ist aus ihrer Perspektive die Gefahr, bei eigenen Reisetätigkeiten, bei der Koordination geplanter Aktivitäten über das Internet aufzufliegen oder gar beim Anbahnen neuer Kontakte an verdeckte Ermittler zu geraten.  So gesehen ist ein Einzeltäter besonders gefährlich, weil er radikalisiert durch eine Ideologie alle Schritte selbst plant und durchführt.</p>
<p>Doch wie die Terroristen lernfähige Netzwerke bilden, müssen dies auch die Sicherheitsbehörden, Polizeidienste Fluggesellschaften tun. Sie müssen Informationen, sammeln, bündeln, evaluieren, professionelle Netzwerke etablieren, die grenzüberschreitend Informationsaustausch betreiben, Erfahrungen austauschen und mögliche nächste Schritte antizipieren. Immer wieder erscheinen die Sicherheitsbehörden eher als Tanker, die wechselnden Strategien der Terroristen nur verzögert folgen und bisweilen in einem fragwürdigen Technikdeterminismus auf Überwachungstechnik setzen, wie die neuerliche Debatte um den möglichen Einsatz des Nacktscanners zeigt [<a href="http://www.wired.com/dangerroom/2009/12/underwear-bomber-renews-calls-for-naked-scanners/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+wired%2Findex+%28Wired%3A+Index+3+%28Top+Stories+2%29%29">WIRED</a>, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,669303,00.html">SPIEGEL</a>].</p>
<p><strong>Welches Verhältnis von Vertrauen und Kontrolle schafft mehr Sicherheit? </strong></p>
<p>Am Ende eines ziemlich hysterischen Jahrzehnts müssen wir eingestehen, dass wir ohnehin schon immer unter Bedingungen der Unsicherheit gelebt, gearbeitet, gewohnt, gewirtschaftet haben und das Reisen stets eine nicht ganz ungefährliche Sache war. Die Unsicherheit über einen Terroranschlag bei einer Flugreise kann nur bis zu einem gewissen Grade durch rationale Kalkulation (z.B. Datenanalyse), Überwachungstechnologie, verschärfte Kontrollen (z.B. Flughafenkontrollen, Air Marshalls) oder auch Einschränkung der in Dutyfree-Bereichen erhältlichen Produkte erzielen, aber ganz sie verschwindet damit nicht. Von <a href="http://www.fivethirtyeight.com/2009/12/odds-of-airborne-terror.html">FivethirtyEight</a> lernen wir, dass das Risiko, auf einem US-Inlandsflug Opfer eines Terroranschlags zu werden, immer noch geringer ist als die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz erschlagen zu werden.</p>
<p>Mehr Sicherheit entsteht nicht in einer Stimmung der Hysterie, aber es gibt eine faire Chance, dass mehr Vertrauen mehr Sicherheit schafft. Damit meine ich nicht die Arglosigkeit des Passagiers, der beliebige Informationen durch die Flugkabine trällert, nicht die Crew, die im Ernstfall überrumpelt wird und auch nicht  Sicherheitsbehörden, die wenig informiert Aktionismus betreiben, um im Licht der Öffentlichkeit als &#8222;Macher&#8220; zu erscheinen. Vielmehr meint Vertrauen hier den intensiven Informationsaustausch an geeigneter Stelle, ein sehr vorsichtiges, zwischen professionellen Partnern gut abgestimmtes Vorgehen, und erfahrene Passagiere, die das richtige Maß zwischen Aufmerksamkeit und Besonnenheit finden.</p>
<p>Als Passagier möchte ich selbst vertrauen können, dass Sicherheitsbehörden und Airlines grenzüberschreitend intensiven Informationsaustausch betreiben, dass die Crews der Fluggesellschaften eingespielte Mannschaften sind, dass sie in speziellen Trainings auf gefährliche Situationen vorbereitet werden. Umgekehrt müssten Sicherheitsbehörden und Fluggesellschaften für mehr Sicherheit ein Mindestvertrauen in die Reisenden setzen und dazu Erwartungen an die Reisenden kommunizieren: aufmerksam zu sein, ohne gleich in Hysterie zu verfallen, im eigenen Interesse für mehr Sicherheit zu kooperieren. Immerhin ist es der Aufmerksamkeit und Entschlossenheit der Passagiere zu verdanken, dass der Anschlag auf NWA Flug 253 während der versuchten Durchführung verhindert werden konnte. Solange man noch hoffen darf, in Gesellschaft Mitreisender wie Jasper Schuringa aus den Niederlanden zu reisen, besteht Grund zur Zuversicht.  <a href="http://twitter.com/timoreilly/status/7130678438">Tim O’Reilly</a> twittert „<em>Useful reminder: Heroic passenger now in violation of TSA&#8217;s new rules</em> <a href="http://bit.ly/86vlO9" target="_blank">http://bit.ly/86vlO9</a> <em>Some rules are meant to be broken&#8230;.</em>”.</p>
<p>Am Ende wird mehr Freiheit mehr Sicherheit bringen: Im entscheidenden Moment rettet genau das Aufspringen aus dem Sitz, das Eingreifen mit bloßen Händen, der Anruf oder die SMS Menschenleben. Auch bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone, den Behörden bei Bedarf die während eines Fluges angefertigten Mediendokumente zu übergeben, sie könnten wertvolle  Ermittlungshinweise liefern. Und es gibt Situationen, wo ein Passagier im Nachhinein nicht mehr begründen kann, weshalb er dieses und nicht jenes tut. Statt auf immer mehr Datenerhebung, Überwachungstechnologie und Kontrolle zu vertrauen, sollten die Behörden normale Bürger als Schlüssel für mehr Sicherheit betrachten.</p>
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		<title>Frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2010!</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 21:34:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Allen Lesern und Besuchern wünsche ich von Herzen frohe Festtage und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010! Meine Freunde und Wissenschaftskollegen möchte ich hier besonders grüßen, und natürlich auch meine Studierenden! Für Sie, liebe Wissenschaftskollegen, hoffe ich, dass sich für jeden von Ihnen und Euch die Wünsche den Erfolg in Forschung, Lehre und anderen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2702&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><a href="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/tannenbaum.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2703" title="Tannenbaum" src="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/tannenbaum.jpg?w=233&#038;h=300" alt="" width="233" height="300" /></a>Allen Lesern und Besuchern wünsche ich von Herzen frohe Festtage und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010! Meine Freunde und Wissenschaftskollegen möchte ich hier besonders grüßen, und natürlich auch meine Studierenden! Für Sie, liebe Wissenschaftskollegen, hoffe ich, dass sich für jeden von Ihnen und Euch die Wünsche den Erfolg in Forschung, Lehre und anderen übrigen beruflichen Aktivitäten erfüllen. Für Sie, liebe Studierenden, hoffe ich, das Ihre besten Hoffnungen für Studienerfolg und Berufseinstieg wahr werden <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Das Jahr 2009 war für uns hier sehr aufregend und ereignisreich, leider z.T.  von sehr unerfreulichen Ereignissen eingetrübt. Zuletzt haben wir unseren lieben Papagei Packo verloren, der für mich viele Jahre lang ein besonders treuer Begleiter und und guter Kumpel war und der unser Familienleben sehr geprägt hat.</p>
<p>Im Jahr 2010 wird die Lehrtätigkeit fortgesetzt, und das erste größere Ereignis hier in diesem Blog wird mein Besuch beim <a href="http://www.eiasm.org/r/about-eiasm">EIASM</a>-Workshop &#8222;<a href="http://www.eiasm.org/frontoffice/event_announcement.asp?event_id=669">Trust within and between Organizations</a>&#8220; Ende Januar in Madrid sein. Darauf, auf alle anderen Aktivitäten &#8211; auf Sie und Euch &#8211; freue ich mich schon jetzt.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sozlog.wordpress.com/2702/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sozlog.wordpress.com/2702/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sozlog.wordpress.com/2702/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sozlog.wordpress.com/2702/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sozlog.wordpress.com/2702/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sozlog.wordpress.com/2702/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sozlog.wordpress.com/2702/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sozlog.wordpress.com/2702/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sozlog.wordpress.com/2702/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sozlog.wordpress.com/2702/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2702&subd=sozlog&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Bildungsfernsehen 2.0</title>
		<link>http://sozlog.wordpress.com/2009/12/21/bildungsfernsehen-2-0/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 00:38:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Während des Studiums wurde mal mein „Kulturoptimismus des Fernsehens“   vom Professor gerügt. Dabei wird mein Kulturoptimismus des Fernsehens deutlich getoppt durch meinen Kulturoptimismus der Social Media   
Denn so sehr das Fernsehen die Beschäftigung mit Dingen ermöglicht, die sonst nicht zugänglich wären, empfinde ich Wissenschaftsjournalismus im Fernsehen häufig als unbefriedigend. Erstens würde ich mir [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2655&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Während des Studiums wurde mal mein „<em>Kulturoptimismus des Fernsehens</em>“   vom Professor gerügt. Dabei wird mein Kulturoptimismus des Fernsehens deutlich getoppt durch meinen Kulturoptimismus der Social Media <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  </p>
<p>Denn so sehr das Fernsehen die Beschäftigung mit Dingen ermöglicht, die sonst nicht zugänglich wären, empfinde ich Wissenschaftsjournalismus im Fernsehen häufig als unbefriedigend. Erstens würde ich mir mehr Wissenschaftsberichterstattung aus sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen im Verhältnis zu den naturwissenschaftlichen Disziplinen wünschen. Zweitens berichtet das Fernsehen häufig im Stil „<em>Wissenschaftler haben herausgefunden, dass …</em>“ . Als Zuschauer möchte ich aber gern erfahren,  um welchen Wissenschaftler an welchem Institut es sich handelt, welches seine wichtigsten Schriften sind, von welchen Positionen er sich abgrenzt usw. Dafür eignet sich der Wissenschaftler-Vortrag besser.<span id="more-2655"></span></p>
<p>Mit dem Wegfall der Gatekeeperfunktion der Fernsehredaktionen kann ich Vorträge, Panels und Interviews aus erster Hand sehen, z. B. bei <a href="http://www.youtube.com/education?lg=EN&amp;b=400&amp;s=mp">YouTube EDU</a>,  <a href="http://videolectures.net/">Videolectures</a> und für Vorlesungen in deutscher Sprache auch bei <a href="http://lernfunk.de/">Lernfunk.de</a> (Videos, Podcasts). </p>
<p>Gerade weil Wissenschaft im Paradigma leistungsbezogener Forschungsförderung unter dem Druck steht, ihre gesellschaftliche Relevanz und Nützlichkeit öffentlich darzustellen, haben die Sozial- und Geisteswissenschaften bisher das Nachsehen gegenüber den naturwissenschaftlichen Disziplinen. Nun bietet sich Möglichkeit, dass Wissenschaftler, Hochschulen, Forschungsinstitute, wissenschaftliche Vereinigungen und Fachkonferenzen selbst darstellen, dass ihre Forschungsfragen und Forschungsergebnisse sozial relevant sind, dass sie jeden betreffen. Die Social Media eröffnen erweiterte Chancen, ein globales Publikum aus Wissenschaftlern und Interessierten für ihre Forschung gewinnen. Technisch ist zunächst nicht mehr dabei, als Kanäle einzurichten und Videos hochzuladen. </p>
<p>Ob das frei nach Rechtswissenschaftler <a href="http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/hoeren/mitarbeiter/hoeren.htm">Thomas Hoeren</a> eine Aufwertung des gesprochenen Worts gegenüber der schriftlichen Abhandlung bewirkt, oder nicht der mündliche Vortrag durch das Folientheater mit Powerpoint an Qualität einbüßt, wie Sprachwissenschaftler <a href="http://www.zmi.uni-giessen.de/home/profil-hlobin.html">Henning Lobin</a> findet, mag dahingestellt bleiben (<a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,655408,00.html">Spiegel </a>20.10.2009; <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/578/496889/text/">SZ</a> 08.12.2009). </p>
<p>Für die langen Winterabende habe ich drei Videos ausgewählt, die unterschiedliche Strömungen repräsentieren und die man so nicht im Fernsehen zu sehen bekäme. An den Videos ist z.T. erkennbar, dass die Institute ihre Kernkompetenzen auf der inhaltlichen Seite haben, aber im Interesse, die Vorträge vollständig zu sehen, mache ich da gern Konzessionen.</p>
<p><strong>Clay Shirky, 2008, über sein Buch &#8222;Here comes Everybody. The Power of Organizing without Organizations&#8220; </strong></p>
<p><span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://sozlog.wordpress.com/2009/12/21/bildungsfernsehen-2-0/"><img src="http://img.youtube.com/vi/A_0FgRKsqqU/2.jpg" alt="" /></a></span></p>
<p><strong>Mike Wesch, 2009 &#8222;The Machine is (Changing) US: YouTube and the Politics of Authenticity &#8222;</strong></p>
<p><span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://sozlog.wordpress.com/2009/12/21/bildungsfernsehen-2-0/"><img src="http://img.youtube.com/vi/09gR6VPVrpw/2.jpg" alt="" /></a></span><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Alan Krueger, Douglas Massey, </strong><strong>Viviana Zelizer , 2008, &#8222;Diminishing Returns: Income Inequality in the United States&#8220; </strong></p>
<p><span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://sozlog.wordpress.com/2009/12/21/bildungsfernsehen-2-0/"><img src="http://img.youtube.com/vi/skLr-OSw69k/2.jpg" alt="" /></a></span><strong><br />
</strong></p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sozlog.wordpress.com/2655/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sozlog.wordpress.com/2655/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sozlog.wordpress.com/2655/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sozlog.wordpress.com/2655/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sozlog.wordpress.com/2655/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sozlog.wordpress.com/2655/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sozlog.wordpress.com/2655/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sozlog.wordpress.com/2655/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sozlog.wordpress.com/2655/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sozlog.wordpress.com/2655/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2655&subd=sozlog&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Digitale Wissenschaftskommunikation: Blogs am MPIfG</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 00:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Diesen Beitrag habe ich vor einiger Zeit für den Newsletter des Max Planck Instituts für Gesellschaftsforschung 03/09 geschrieben. Den  Newsletter mit dem Schwerpunkt&#8220;Globalisierung und transnationale Governance&#8220; und einem Forscherportrait über Renate Mayntz könnt Ihr hier erreichen. 
Wissenschaftsweblogs, Wikiwebs, Microblogging, Social-Networking-Plattformen speziell für Wissenschaftler, aber auch die älteren Formen der Wissenschaftskommunikation wie Newsgroups, Foren, Chats und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2627&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><a href="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/mpifg021.png"><img class="alignleft size-medium wp-image-2670" title="MPIfG02" src="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/mpifg021.png?w=300&#038;h=42" alt="" width="300" height="42" /></a><em>Diesen Beitrag habe ich vor einiger Zeit für den Newsletter des <a href="http://www.mpifg.de">Max Planck Instituts für Gesellschaftsforschung</a> 03/09 geschrieben. Den  Newsletter mit dem Schwerpunkt&#8220;Globalisierung und transnationale Governance&#8220; und einem Forscherportrait über Renate Mayntz könnt Ihr <a href="http://www.mpifg.de/aktuelles/newsletter/MPIfG_Newsl_3-09.pdf">hier</a> erreichen. </em></p>
<p>Wissenschaftsweblogs, Wikiwebs, Microblogging, Social-Networking-Plattformen speziell für Wissenschaftler, aber auch die älteren Formen der Wissenschaftskommunikation wie Newsgroups, Foren, Chats und Mailinglisten sind Kommunikationsakte, die zwischen der Welt der internen und der Welt der externen Wissenschaftskommunikation angesiedelt sind. Sie ermöglichen dem einzelnen Wissenschaftler oder einer Forschergruppe, direkt – also ohne Gatekeeper – und niederschwellig – also ohne nennenswerte technische Hürden – mit Fachkollegen, Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen und einer breiteren Öffentlichkeit zu kommunizieren. Sie schaffen eine diskussionsfreudige Öffentlichkeit zum Gegenstandsbereich, reflektieren den Forschungsprozess, greifen thematisch relevante Ereignisse auf und holen Feedback ein.</p>
<p>Die Trennung zwischen Wissenschaft und Journalismus wird hier aufgehoben. Wissenschaftler treten mal als Forscher auf, mal lösen sie sich aus dem gewöhnlichen Arbeitszusammenhang und schreiben ähnlich wie Journalisten über Entwicklungen einer Fachdisziplin, eine Tagung oder Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen. Die Begeisterung für den Forschungsgegenstand und die Fachdisziplin ist ein Grundmotiv für Wissenschaftsblogger. Damit erschaffen Wissenschaftler neue Genres der öffentlichen Kommunikation über Wissenschaft und der wissenschaftlichen Reflexion von Themen aus dem Alltag.</p>
<p><a href="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/governancexborders.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2629" title="governancexborders" src="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/governancexborders.jpg?w=300&#038;h=181" alt="" width="300" height="181" /></a>Am MPIfG gibt es bislang zwei Weblogs:</p>
<p>„<strong><em>Governance Across Borders</em></strong>“ und „<strong><em>Economic Sociology</em></strong>“. Sigrid Quack und ihre Mitautorinnen und -autoren aus der Forschergruppe „<a href="http://governancexborders.wordpress.com/">Governance Across Borders</a>“  bloggen über die Zusammenhänge von globaler, supranationaler und nationaler Steuerung, die sich vermehrt auf das Wirtschaftsleben, auf die Strukturmuster sozialer Solidarität und auf sozialkulturelle Prozesse auswirken. Die Autoren diskutieren über Themen wie Urheberrecht und Creative Commons, Finanzmarktkrise, Arbeitsmarktstandards, Mikrokredite, Umweltschutz, politische und soziale Bewegungen. Sie verzichten dabei weitgehend auf theoretische Abhandlungen und Theoriebezüge, die nur für eine Fachleserschaft verständlich sind.</p>
<p>Die Weblog-Aktivität der Forschergruppe dient auch der Reflexion der eigenen Forschungstätigkeit und der Ausformulierung solcher Ideen, die spannend sind, aber aus zeitlichen oder sachlichen Gründen nicht als formale wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht werden können.</p>
<p><em>Governance Across Borders</em> ist ein sehr aktives, eigenständig geführtes Gruppenblog mit regelmäßigen Einträgen und zahlreichen Kommentaren, das der informellen Konversation der Forschergruppe im öffentlichen Raum dient und somit allen Interessierten ein Fenster zum Projektkontext öffnet. Damit sind ideale Voraussetzungen für eine immer weiter reichende Vernetzung in der Wissenschaftsblogszene und der journalistischen Weblogszene gegeben. <em>Governance Across Borders</em> regt dazu an, sich mit Erscheinungsformen und sozialen Konsequenzen von Institutionen, ihrem Wandel und ihrem Versagen zu beschäftigen und die soziale Relevanz von Institutionen zu reflektieren. Zuletzt ist es zum „Featured Blog“ der internationalen Konferenz der Society for the Advancement of Socio-Economics (<a href="http://www.sase.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=201&amp;Itemid=1"><strong>SASE</strong></a>) im Juni 2010 in Philadelphia, USA, gewählt worden.</p>
<p><a href="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/econsociology1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2630" title="Economic Sociology " src="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/econsociology1.jpg?w=300&#038;h=182" alt="" width="300" height="182" /></a>In ihrem Weblog „<a href="http://contexts.org/economicsociology/"><strong>Economic Sociology</strong></a>“ schreibt Brooke Harrington über die sozialen Hintergründe von Märkten und Geldwirtschaft für eine junge Leserschaft auf College- bzw. Universitätsniveau. Die Beiträge sind einerseits sehr lebensnah gehalten und andererseits mit den Theorien von Marx, Simmel, Durkheim, Foucault und vielen anderen Soziologen verknüpft. Dadurch sind sie auf zwei Ebenen lesbar: Für Nichtwissenschaftler sind die Beiträge aufgrund ihrer Handlungsrelevanz und des im Alltag von allen geteilten Erfahrungshorizonts verständlich, für Leser mit Soziologie-Kenntnissen und Wissenschaftler kommt die Ebene der soziologischen Reflexion hinzu. Das macht Brooke Harringtons Weblog zu einem handlungstheoretischen Weblog im besten Sinn.</p>
<p><em>Economic Sociology</em> beschäftigt sich mit dem Kollaps der Finanzmärkte, den Erscheinungsformen und Folgen globaler Finanzmärkte wie zum Beispiel den Bonuszahlungen im Bankwesen, den Investmentclubs für Privatanleger und der Illusion der Sicherheit von Finanzanlagen, den Annehmlichkeiten einer Krankenversicherung europäischen Typs, aber auch mit der befremdlichen Kundenverdrossenheit deutscher Unternehmen. In einem Gastbeitrag betreibt Galyn Burke-Brown eine Wirtschaftssoziologie des Triathlonsports: Sie zeigt die sozialen Mechanismen auf, nach denen sich Triathleten als selbstselektive, wohlhabende Gruppe hochgradig motivierter, leistungsbereiter und wettbewerbsorientierter Individuen aus den oberen Schichtungssegmenten der Gesellschaft zusammenfinden. Anders als die Gruppe <em>Governance Across Borders</em> bloggt Brooke Harrington allein, lädt jedoch Gastautoren ein und ist im Verbund des „<strong><a href="http://contexts.org/">Contexts</a></strong>“-Magazins der American Sociological Association (<strong><a href="http://www.asanet.org/">ASA</a></strong>) mit anderen Weblogs aus verschiedenen Teilgebieten der Soziologie verknüpft.</p>
<p><em>Governance Across Borders</em> und <em>Economic Sociology</em> sind zwei gute Beispiele dafür, wie Wissenschaftler zeitgemäße Social-Media-Aufritte gestalten können. Im „Web 2.0“ wird vom Internetauftritt eines Wissenschaftlers bedeutend mehr erwartet als lediglich eine statische Homepage mit wenigen personenbezogenen Angaben. Entscheidend ist qualitativ hochwertiger Inhalt in Form von Textbeiträgen, Fotos, Folienpräsentationen, Audio- oder Videobeiträgen, Livestream oder Twitter-Meldungen – oder als Kombination verschiedener Formate, die parallel in dynamische Nachrichtenströme eingespeist werden können. Hinzu kommen Open-Access-Publikationen, Interviews bei Presse, Rundfunk oder Fernsehen sowie Beiträge für überregionale Tageszeitungen. Selbstverständlich kann eine einzelne Wissenschaftlerin oder ein einzelner Wissenschaftler nicht alle Kanäle bedienen. Doch hier bietet sich die Möglichkeit, mit geringem Aufwand und zu minimalen Kosten für diejenigen zu öffnen, für die Wissenschaftler arbeiten: die Gesellschaft, über die und für die Sozialwissenschaftler forschen.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sozlog.wordpress.com/2627/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sozlog.wordpress.com/2627/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sozlog.wordpress.com/2627/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sozlog.wordpress.com/2627/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sozlog.wordpress.com/2627/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sozlog.wordpress.com/2627/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sozlog.wordpress.com/2627/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sozlog.wordpress.com/2627/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sozlog.wordpress.com/2627/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sozlog.wordpress.com/2627/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2627&subd=sozlog&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Soziale Ungleichheit nach Ländern</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 12:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Visual Economics hat eine schöne Übersicht zur Einkommensverteilung im internationalen Vergleich.
Die Lorenzkurve wird verwendet, um anzuzeigen, welche Bevölkerungsanteile für das Einkommen einer Gesellschaft verantwortlich sind und welche Anteile nur geringe Einkommen erzielen. Je näher die Lorenzkurve einer geraden Linie im 45-Grad Winkel kommt, desto gleichmäßiger ist das Einkommen in einer Bevölkerung verteilt, je stärker die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2635&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><a href="http://www.visualeconomics.com/"><img class="alignleft size-medium wp-image-2637" title="Einkommensverteilung nach Ländern" src="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/12/incomedistribution_by_country1.jpg?w=219&#038;h=339" alt="" width="219" height="339" />Visual Economics</a> hat eine schöne Übersicht zur <a href="http://www.visualeconomics.com/income-distribution-by-country/">Einkommensverteilung </a>im internationalen Vergleich.</p>
<p>Die Lorenzkurve wird verwendet, um anzuzeigen, welche Bevölkerungsanteile für das Einkommen einer Gesellschaft verantwortlich sind und welche Anteile nur geringe Einkommen erzielen. Je näher die Lorenzkurve einer geraden Linie im 45-Grad Winkel kommt, desto gleichmäßiger ist das Einkommen in einer Bevölkerung verteilt, je stärker die Kurve gewölbt ist, desto stärker ist die Einkommensungleichheit in einer Bevölkerung ausgeprägt. Wenn man den Bereich oberhalb und unterhalb der Kurve aufteilt, erhält man den Gini-Koeffizienten. Je geringer der Gini-Koeffizent, desto gleichmäßiger ist das Einkommen in einer Bevölkerung verteilt. Schweden weist mit 0,23 den geringsten Gini-Koeffizienten im internationalen Vergleich auf.  Da fragt man sich, weshalb Deutschland trotz Wirtschaftskrise so ausgeglichen aussieht. <span id="more-2635"></span>Der Gini-Koeffizient für Deutschland ist in dieser Infografik nicht explizit ausgewiesen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich eine interessante Differenz zwischen dem Gini-Koeffizienten in Bezug auf das Einkommen und dem Gini-Koeffizienten in Bezug auf das Vermögen: &#8222;<em>Zwischen 1998 und 2003 stieg der Gini-Koeffizient bei den Markteinkommen – das heißt vor staatlicher Umverteilung durch Steuern und Sozialleistungen – von 0,44 auf 0,47 an. Bemerkenswert ist, wie sehr der Staat noch Einfluss nehmen kann: Nach staatlicher Umverteilung lag der Gini-Koeffizient 1998 wie 2003 nur bei 0,25</em>.&#8220; Der Gini-Koeffizient für die Ungleichheit der Vermögen liegt hingegen sehr hoch bei 0,79 (<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/republik-der-habenichtse;1361410">Handelsblatt </a>2007). Da in der Grafik ja die Einkommensungleichheit berücksichtigt ist, sieht es für Deutschland ja ziemlich ausgeglichen aus; wird zusätzlich die Vermögensungleichheit berücksichtigt, sieht das Bild schon weniger freundlich aus. Mit einem Gini-Koeffizienten von 0,45 ist die wirtschaftliche Unsicherheit in den USA noch spürbar stärker ausgeprägt als hier bei uns. Immerhin sind in dort ca. 35 Millionen Menschen auf Lebensmittelmarken angewiesen: Fast jeder achte Erwachsene und fast jedes vierte Kind kann würde ohne Lebensmittelmarken nicht satt (<a href="http://www.nytimes.com/interactive/2009/11/28/us/20091128-foodstamps.html">NYT</a>, 28.11.2009). Die extremste wirtschaftliche Ungleichheit weltweit mit einem Gini-Koeffizienten von 0,70 hat Namibia. Wem das noch nicht genügt, kann sich mal seine Position auf der <a href="http://www.globalrichlist.com/">Global Rich List </a>anzeigen lassen.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sozlog.wordpress.com/2635/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sozlog.wordpress.com/2635/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sozlog.wordpress.com/2635/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sozlog.wordpress.com/2635/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sozlog.wordpress.com/2635/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sozlog.wordpress.com/2635/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sozlog.wordpress.com/2635/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sozlog.wordpress.com/2635/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sozlog.wordpress.com/2635/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sozlog.wordpress.com/2635/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2635&subd=sozlog&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Einkommensverteilung nach Ländern</media:title>
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		<title>Bringt der Klimagipfel von Kopenhagen neue Spielregeln für Märkte?</title>
		<link>http://sozlog.wordpress.com/2009/12/12/bringt-der-klimagipfel-von-kopenhagen-eine-neue-conception-of-control/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 21:25:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[klima]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Klimagipfel von Kopenhagen bringt eine öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik von globaler Erderwärmung, CO2-Emissionen und den Lebensbedingungen für unsere Kinder und Enkel mit sich wie man das seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Das Nachrichtenaufkommen, aber auch das Blog- und Twitteraufkommen sind deutlich angestiegen. Zugleich erleben wir eine erhebliche Verschärfung der Tonlage im Klimadiskurs: [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2602&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Der <a href="http://en.cop15.dk/frontpage">Klimagipfel</a> von <a href="http://unfccc.int/2860.php">Kopenhagen </a>bringt eine öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik von globaler Erderwärmung, CO2-Emissionen und den Lebensbedingungen für unsere Kinder und Enkel mit sich wie man das seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Das <a href="http://www.google.de/news/search?aq=f&amp;pz=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=klimagipfel">Nachrichtenaufkommen</a>, aber auch das Blog- und <a href="https://twitter.com/#search?q=cop15">Twitteraufkommen </a>sind deutlich angestiegen. Zugleich erleben wir eine erhebliche Verschärfung der Tonlage im Klimadiskurs:  Ist der Mensch schuld am Klimawandel? Oder ist der Klimawandel schlicht eine Erfindung von Panikmachern? <span id="more-2602"></span></p>
<p>Angeheizt wurde die Debatte, als zwei Wochen vor Beginn des Klimagipfels Hacker prominente Klimaforscher in Erklärungsnot gebracht haben. Die geknackten Dokumente enthielten Lästereien unter Kollegen und Andeutungen über Datenmanipulationen. Hacker hatten den Server der Universität von East Anglia in Norwich geknackt. Sie haben private E-Mails und Dokumente erbeutet und weiterverbreitet, schreiben <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,662673,00.html">Spiegel</a> und <a href="http://news.yahoo.com/s/ap/20091212/ap_on_sc/climate_e_mails_1">AP</a>. So ist zum Auftakt des Klimagipfels ein erbitterter Streit entbrannt zwischen Klimawandel-Skeptikern auf der einen und engagierten Klimaforschern und Klimaschützern auf der anderen Seite. Um ihre politischen Ziele durchzusetzen, beanspruchen beide Extrempositionen das Wahrheitsmonopol. Der Welt steht eine Katastrophe bevor, warnen die Alarmisten. Die These von der Erderwärmung ist Betrug, behaupten die Skeptiker [<a href="http://www.faz.net/s/RubC5406E1142284FB6BB79CE581A20766E/Doc~EE604428F360A4BE18ADB54220443B8B6~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ]</a>. Der Kampf um die Wahrheit über das Klima zwischen Alarmisten und Skeptikern ist zu einem Medienkampf geworden, der nicht zuletzt mit den Mitteln des Internet ausgefochten wird. Beiden Seiten geht es um die öffentliche Meinung und anstehende Wahlen. Wie hier am Beispiel von Gerhard Schulzes Beitrag „<a href="http://www.welt.de/die-welt/debatte/article5432192/Was-ist-eigentlich-normal.html"><em>Was ist eigentlich normal?</em></a>“ [WELT], den Beiträgen des Klimaforschers Georg Hofmann „<a href="http://www.scienceblogs.de/primaklima/2009/12/klimaschmock-des-monats-november.php"><em>Klimaschmock des Monats November</em></a>“ und „<a href="http://www.scienceblogs.de/primaklima/2009/12/der-anfang-vom-ende-des-klimahoax.php"><em>Der Anfang vom Ende des Klima Hoax</em></a>“ [Scienceblogs] zu sehen ist, nimmt die öffentliche Debatte um den Klimawandel skurrile Züge an, die nichts mehr mit Wissenschaftlichkeit zu tun haben [<a href="http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article5416034/Die-heillosen-Verstrickungen-der-Klima-Krieger.html">WELT</a>, <a href="http://klimazwiebel.blogspot.com/">Klimazwiebel</a>, <a href="http://www.stat.columbia.edu/~cook/movabletype/archives/2009/12/climate_skeptic.html">Statistical Modeling, Causal Infrerence and Social Science</a>]. Das Rauschen im Medienwald dient natürlich ebenfalls dazu, Einfluss auf Verlauf und Ergebnis der Klimakonferenz in Kopenhagen zu nehmen. So steigt auch auf der Konferenz selbst der Druck: Drinnen tagen die Delegationen aus 192 Staaten. Vor der Tür stehen die Protestler, die der Forderung für eine rigorose Neuordnung zugunsten kommender Generationen Nachdruck verleihen wollen, und im Umfeld des Klimagipfels tummeln sich die <a href="http://www.huffingtonpost.com/2009/12/11/meet-the-lobbyists-oil-an_n_388601.html">üblichen Verdächtigen</a>.</p>
<p>Man muss kein Klimaforscher sein, um sich vorzustellen, weshalb <a href="http://en.cop15.dk/news/view+news?newsid=2947">Druck</a> <a href="http://en.cop15.dk/news/view+news?newsid=2942">im</a> <a href="http://www.zeit.de/newsticker/2009/12/9/TEXT-KLIMAGIPFEL23244746xml">Kessel</a> ist. Am Kopenhagener Verhandlungstisch werden fundamentale institutionelle Voraussetzungen für das globale Wirtschaften im 21. Jahrhundert definiert, die, wenn sie einmal verabschiedet sind, unabänderlich Bestand haben. Betrachtet man Märkte als organisationale Felder, die einen Machtpol haben, mit vielen Wirtschaftsakteuren, die einerseits um dominierende Positionen in der Nähe dieses Machtpols kämpfen, andererseits auch Tausch und Kooperation betreiben, institutionellen Regeln folgen und auf gemeinsam geteilte Wissensbestände zugreifen, kann ein verbindliches Klimaabkommen dazu führen, dass neue Märkte und Technologien rund um erneuerbare Energien, Recycling und umweltfreundliche Lebensführung einen Entwicklungsschub erfahren, während andere Märkte, die auf dem Abbau und der Verwertung fossiler Brennstoffe basieren, weniger wichtig werden oder gar an ihr historisches Ende gelangen.</p>
<p>Der <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-12/klimagipfel-kopenhagen-entwurf">Entwurf </a>der <a href="http://en.cop15.dk/news/view+news?newsid=2938">Vereinten Nationen</a> sieht eine verbindliche Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad und eine der CO2 Emissionen um bis zu 95 Prozent bis zum Jahr 2050 vor. Wird dieser Entwurf verabschiedet, kommt es zu erheblichen Verschiebungen der Akteurskonstellationen auf allen Märkten. Die Wirtschaftsakteure, die von der Conception of Control des „Weiter So!“ profitieren, nämlich all die Unternehmen, die ihr Einkommen aus dem Abbau, dem Handel oder der Verwertung fossiler Brennstoffen beziehen, ihre Anteilseigner sowie die Eigentümer an Fundstellen fossiler Brennstoffe, werden aus ihrer dominierenden Position verdrängt. Ihre Herausforderer, also die Wirtschaftsakteure, die direkt oder vermittelt auf erneuerbare Energien, Recycling oder Energiegewinnung aus Abfällen, neue Mobilitätskonzepte sowie eine allgemeine umweltfreundliche Lebensführung setzen, werden profitieren. Eine neue „Conception of Control“, also ein gemeinsam geteiltes Wissen über die Spielregeln am Markt und darüber, was es braucht, um sich erfolgreich am Markt zu positionieren, Herausforderer (Challenger) in einer unbedeutenden Position zu halten oder aus dem Feld zu schlagen, wird durchgesetzt.  Dann stehen Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und soziale Mindeststandards im Zentrum einer neuen ökologischen &#8222;Conception of Control&#8220; . So gesehen könnte Kopenhagen Entwicklungsimpulse für Märkte wie z.B. Solartechnologie, Recyclingwirtschaft, Emissionsschutzhandel, Transport, Verkehr und Tourismus geben.</p>
<p>Gerade weil eine ökologische Wirtschaft, bei der niemand schlechter leben muss als zuvor, vielfältige Herausforderungen mit sich bringt, würden diese neuen institutionellen Rahmenbedingungen erhebliche Innovations- und Beschäftigungspotenziale freisetzen. Unternehmen, die neue Technologien, Waren und Dienstleistungen rund um die neue ökologische und informatorische Konzepte des Wohnens, der Mobilität, des Shoppens, der Ernährung und des übrigen Konsums anbieten, haben dann bessere Bedingungen als je zuvor, die Position z.B. der Öl- und Gasindustrie, der Atomindustrie und anderer Großindustrien anzugreifen, die sich widersetzen. Dann würden wirtschaftliche Großprojekte finanziert und gebaut, die bisher als unrealistisch gelten, weil sie sich im Lichte der unter den gegenwärtigen Bedingungen erzielbaren Preise nicht rechnen  – und die dafür bereit gestellten Ressourcen würden anderen Branchen, die dann zum alten Eisen gehören, entzogen werden. Davor haben viele Angst.</p>
<p>Scheitert der Klimagipfel von Kopenhagen oder beschränkt sich die Vereinbarung auf eine „kleine“ Lösung, profitieren umgekehrt die Wirtschaftsakteure, die ihr Einkommen aus dem Abbau, dem Handel und der Verwertung fossiler Brennstoffe beziehen, ihre Aktionäre, die Eigentümer an Fundstellen fossiler Brennstoffe, sowie Nationalstaaten, die ihre Steuern wesentlich aus diesen Wirtschaftszweigen beziehen oder in erheblichem Umfang vom Zugang zu Energie aus diesen Quellen abhängig sind. Ihre marktdominierende Stellung würde auf Jahrzehnte verfestigt. Für die ökologische Bewegung, die von Überflutung bedrohten Inselstaaten, die ärmsten Länder, aber auch für die nachfolgenden Generationen hier bei uns würde ein Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen ein Rückschlag der Entwicklung um Jahrzehnte bedeuten. Im Fall einer „kleinen“ Lösung oder gar eines Scheiterns des Kopenhagener Klimagipfels würden herausfordernde Unternehmen in ihren Bestrebungen, ökologische Technologien, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, eingeschränkt. Vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Inselstaaten müssten für ihre Bevölkerungen neues Land sichern. Die Lage der Menschen in den ärmsten Ländern würde sich verschlechtern,  und <a href="http://www.wfp.org/stories/hunger-and-climate-change-copenhagen">Hungersnöte </a>und <a href="http://www.wfp.org/climate-change">ökologische Katastrophen</a> wären prädestiniert. Schwellen- und Industrieländer bekämen mehr Klimaflüchtlinge, und hierzulande hinterließen die Erwerbstätigen der Gegenwart die jüngeren Generationen stegig steigende Folgekosten einer nicht-nachhaltigen Wirtschaft. Man möchte Generationenkonflikte nicht heraufbeschwören und erst recht nicht herbeiwünschen, aber falls die wohlhabenderen Staaten die historische Chance Kopenhagen ungenutzt verstreichen lassen, dürften sie, wie die <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5iE9AS2Z21lvEhCSmwtTuBfcl88rg">heutigen</a> <a href="http://www.huffingtonpost.com/2009/12/12/copenhagen-protest-turns_n_389893.html">Proteste </a>erahnen lassen, unausweichlich werden.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sozlog.wordpress.com/2602/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sozlog.wordpress.com/2602/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sozlog.wordpress.com/2602/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sozlog.wordpress.com/2602/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sozlog.wordpress.com/2602/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sozlog.wordpress.com/2602/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sozlog.wordpress.com/2602/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sozlog.wordpress.com/2602/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sozlog.wordpress.com/2602/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sozlog.wordpress.com/2602/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2602&subd=sozlog&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 21:10:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[openaccess]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Wochen hatte ich anlässlich einer Meilensteintagung des Projektverbundes &#8222;Interactive Science&#8220; Gelegenheit, mit Lars Fischer  (Scilogs) über seine Idee für eine Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag zu diskutieren. Inzwischen hat Lars Fischer seine ePetition zu Open Access bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen beim Deutschen Bundestag eingereicht und kann sich über eine überwältigende Resonanz [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2592&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><a href="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/11/225px-oa-petition.png"><img class="alignleft size-full wp-image-2593" title="Open Access Petition" src="http://sozlog.files.wordpress.com/2009/11/225px-oa-petition.png?w=225&#038;h=178" alt="Open Access Petition" width="225" height="178" /></a>Vor einigen Wochen hatte ich anlässlich einer Meilensteintagung des Projektverbundes &#8222;<a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/interactive-science/">Interactive Science</a>&#8220; Gelegenheit, mit <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog">Lars Fischer </a> (<a href="http://www.scilogs.de/">Scilogs</a>) über seine Idee für eine Petition für Open Access beim Deutschen Bundestag zu diskutieren. Inzwischen hat Lars Fischer seine ePetition zu Open Access bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen beim Deutschen Bundestag eingereicht und kann sich über eine überwältigende Resonanz freuen. Knapp 12000 Unterstützer haben das Volksbegehren inzwischen unterzeichnet und es werden immer mehr. Inzwischen besteht zusätzlich die Möglichkeit, auch offline für die Petition zu werben: Diese Unterschriftenliste (<a href="http://data6.blog.de/media/315/4108315_78f08fdeeb_d.pdf">pdf</a>) könnt Ihr einfach ausdrucken und Familie, Freunde und Kollegen unterschreiben lassen – die ausgefüllte Liste geht dann per Fax oder Briefpost zurück an den Petitionsausschuss.<span id="more-2592"></span></p>
<p>Hier der Wortlaut der ePetition für Open Access:</p>
<h3>Text der Petition</h3>
<blockquote><p>Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.</p></blockquote>
<h3>Begründung</h3>
<blockquote><p>Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss.<br />
Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen. Den Bürger von der Wissenschaft auszusperren ist nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Andere Länder haben vergleichbare Vorhaben bereits umgesetzt. Die US-Amerikanische Behörde National Institutes of Health (NIH) verlangt, dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind. Die grundsätzliche Struktur des wissenschaftlichen Publikationswesen verändert sich hierdurch nicht. </p></blockquote>
<p>Wer die ePetition unterstützen möchte, kann <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=7922">hier </a>mitzeichnen. Jede Stimme zählt. </p>
<p>Das Aktionsbündnis „<a href="http://www.urheberrechtsbuendnis.de/">Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft&#8220;</a>, das auch die Göttinger Erklärung (<a href="http://www.urheberrechtsbuendnis.de/GE-Urheberrecht-BuW-Mitgl.pdf">pdf</a>) veröffentlicht hat, unterstützt die Petition ebenfalls. </p>
<p>Es gibt auch eine Gruppe bei <a href="http://www.facebook.com/pages/ePetition-Kostenloser-Erwerb-wissenschaftlicher-Publikationen/210797663451">Facebook</a>, die Lars&#8217; Petition für Open Access für wissenschaftliche Publikationen unterstützt. </p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sozlog.wordpress.com/2592/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sozlog.wordpress.com/2592/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sozlog.wordpress.com/2592/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sozlog.wordpress.com/2592/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sozlog.wordpress.com/2592/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sozlog.wordpress.com/2592/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sozlog.wordpress.com/2592/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sozlog.wordpress.com/2592/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sozlog.wordpress.com/2592/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sozlog.wordpress.com/2592/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2592&subd=sozlog&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Open Access Petition</media:title>
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		<title>Die Ökonomie des Konsums &#8211; der Konsum in der Ökonomie</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 22:47:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz/Workshop]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Was haben der Golf Blue Motion, ein Regal aus der Ikea-Serie Billy, ein Nespresso-Kaffeeautomat, eine All-Inklusive Reise nach Fuerte Ventura, ein Los der Aktion Mensch, das I-Phone und die Bahncard 50 gemeinsam? Wer eines dieser Produkte kauft, hat eine Entscheidung getroffen für diese und gegen andere Konsumoptionen, freilich auf unterschiedlichen Niveaus finanzieller Möglichkeiten. Die individuelle [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sozlog.wordpress.com&blog=4029326&post=2583&subd=sozlog&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Was haben der Golf Blue Motion, ein Regal aus der Ikea-Serie Billy, ein Nespresso-Kaffeeautomat, eine All-Inklusive Reise nach Fuerte Ventura, ein Los der Aktion Mensch, das I-Phone und die Bahncard 50 gemeinsam? Wer eines dieser Produkte kauft, hat eine Entscheidung getroffen für diese und gegen andere Konsumoptionen, freilich auf unterschiedlichen Niveaus finanzieller Möglichkeiten. Die individuelle Entscheidung für den Kauf bestimmter Güter impliziert Präferenzordnungen, Wertzuschreibungen, ethisch-moralische Grundsätze. Sie ist sozial und kulturell überformt, und sie hat Kon­sequenzen den sozialen Status und die Lebenslage des Einzelnen betreffend. Darüber hinaus wirkt sie sich auf der anderen Seite Wirtschafts­geschehens – bei Produktion, Erwerbsarbeit und Distribution &#8211; aus. </p>
<p>Im Berliner Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft fand am 06. und 07. November 2009 eine gemeinsame Tagung der <a href="http://wirtsoz-dgs.mpifg.de/index.asp">DGS-Sektion Wirtschafts­so­ziologie</a> und der <a href="http://www.konsum-soziologie.de/">AG Konsumsoziologie</a> zum Thema „<em><strong><a href="http://www.mpifg.de/projects/wisoz_0911/index_de.asp">Die Ökonomie des Konsums – der Konsum in der Ökonomie</a></strong></em>“ statt. Ausgehend von 9 Arbeitspapieren über die Zusammenhänge von Kon­sum und Wirtschaft haben wir Gemeinsamkeiten von Wirtschafts- und Konsumsoziologie so­wie Möglichkeiten der Zusammenarbeit beider Arbeitsbereiche diskutiert.<br />
[Hier werden aus Zeitgründen 7 Papiere vorgestellt - klar sind alle Vorträge empfehlenswert. Die Tagungsorganisation wird die <a href="http://www.mpifg.de/projects/wisoz_0911/paper_library_de_login.asp">Paper Library</a> zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich bereitstellen] <span id="more-2583"></span></p>
<p>Ed Fischer diskutierte in seinem Beitrag „<em>German Eggs and moral provenance</em>“ kulturtypische Konsumpräferenzen der Verbraucher in Deutschland auf Grundlage einer ethnografischen Vorgehensweise mit Befragungsdaten im Stadtteil Südstadt von Hannover. Die Befragung bezieht sich auf den Kauf von Eiern. Der Verbraucher, argumentiert Ed Fischer, ist nicht bloß ein rational nutzenmaximierender, kosten­minimierender isolierter Einzelner, der seine Entscheidungen rein bezogen auf Preise trifft. Vielmehr weisen die Konsumentscheidungen von Individuen Bezüge zu gemeinsam geteilten Werten auf, die ein Handeln weit über die reine Zweckrationalität und das Eigeninteresse des Akteurs hinaus implizieren. Ökonomische Entscheidungen werden in moralische Projekte ein­ge­bunden. In der Befragung wurden die Befragten auf dem Bürgersteig vor einem Supermarkt angesprochen und darum gebeten, sich selbst als Shopper auf einer Skala von 1 (nicht)  zu beschreiben: Gehen sie gezielt einkaufen? (Durchschnitt 3,80) Sind sie preisbewusst? (Durchschnitt 3,72) Kaufen sie sozial bzw. ökologisch bewusst ein? (3,43) Kaufen sie sparsam? (3,25) Sind sie Spontankäufer? (3,14) Kaufen sie zufällig? (1,98). Weiter wurden die Verbraucher dazu befragt, worauf es ihnen beim Kauf besonders ankommt: Qualität (4,11), Preis (3,67), Umweltfreundlichkeit (3,66), Ursprung eines Gutes (3,15), soziale Bedingungen bei der Produktion (Beispiel Fair Trade) (3,16), Qualitätssiegel (3,15), Bequemlichkeit (2,64). Dieser Befund steht im Kontrast zu der in den USA verbreiteten Überzeugung, dass Verbraucherentscheidungen durch Preis, Qualität und Bequemlichkeit bestimmt. Erwartungsgemäß ist das Einkommen der bedeutendste Bestimmungsfaktor für die Konsumpräferenzen: Die Qualitätspräferenz ist in der Käufergruppe mit einem Einkommen über € 72.000 pro Jahr mit Abstand stärker als in den mittleren Einkommen, ebenso wie die Bevorzugung von Bio- und Ökoprodukten. Zusätzlich wurden die Verbraucher auch gefragt, welche Kategorie von Eiern sie kaufen. Von den Respondenten gaben 26 % an, Eier der Ka­te­gorie 0 (freilaufende Hühner) zum Durchschnittspreis von 3.79€ zu kaufen. 33,6% ant­wor­te­ten, dass sie Eier der Kategorie 1 (aus großen Käfiganlagen) zum Durchschnittspreis von 1,99 € kaufen. 12,4 Prozent gaben an, dass sie Eier der Kategorie 2 (Käfighaltung) zum Durch­schnitts­preis von 1,59 € kaufen. Immerhin 13,4 % der Befragten gaben an, Eier der Kategorie 3 (Käfighaltung) zum Durchschnittspreis von 1,39 € zu kaufen. Und 8% der Befragten antworteten, dass sie Eier vom Bauern zum Durchschnittspreis von € 2,50 kaufen.  Fischer kommt zu dem Ergebnis, dass man die Entscheidung für bzw. den Kauf von Eiern der genannten Kategorie in Verbindung mit ihren Moral- und Wertvorstellungen bringen kann. Fischer kommt zu dem Schluss, dass die deutschen Verbraucher der moralischen Herkunft von Gütern eine hohe Wichtigkeit beimessen und bei ihren Kaufentscheidungen bestrebt sind, zum Gemeinwohl beizutragen. In der Besprechung wurde zum einen die auf den Einzelnen fokussierte Zugangsweise, zum anderen die empirische Grundlage für die weitreichenden Schlüsse des Autors thematisiert: Damit Käufer eine Kaufentscheidung mit Bezug auf Haltungsbedingungen der Hühner nach ökologischen Kriterien treffen können, müssen die Eier entsprechend markiert sein. Dazu bedarf es politischer Entscheidungen.  Dazu müssen die Eier zudem korrekt markiert sein. Daraus ergibt sich das Problem, ob man der korrekten Markierung der Eier trauen kann. Hinzu kommt, dass Moralvorstellungen und Wertcommitments einzelner Akteure nicht im luftleeren Raum zustande kommen, sondern über lange Zeiträume in der Wirtschaftspraxis bzw. Konsumpraxis gebildet werden. Ausschlaggebend für die Moralvorstellungen und Wertcommitments, die ein Einzelner überhaupt entwickelt, sind der soziale Kontext etwa der sozialen Netzwerke, in welche der Einzelne involviert ist – etwa das Netzwerk von Wirtschaftsbeziehungen vor Ort – die Institutionen – etwa die Kennzeichnung von Produkten – und Kognitionen – etwa gemeinsam geteilte Vorstellungen davon, wie Produktion, Erwerbsarbeit und Distribution rund um das Produkt organisiert sind und organisiert sein sollten. Um Aspekte wie diese zu erfassen, wäre über Befragungsdaten hinaus eine breitere Datenbasis erforderlich. Die Datenbasis der Befragung von Fischer liegt mit  n = 114 nur knapp über der Grenze, ab der man Angaben in Prozent macht. Zudem können die Befragten ihr Kaufverhalten in einer Befragungssituation in idealisierter Form darstellen. Weil Effekte von sozialer Erwünschtheit wirksam sein können, sollten Befragungsdaten die Darstellung des Kaufverhaltens auf Inkonsistenzen überprüfen. Weil Effekte von sozialer Erwünschtheit das Antwortverhalten erheblich beeinflussen können,  sollte eine empirische Untersuchung das tatsächliche Handeln der Verbraucher im Rahmen eines qualitativ empirischen Unter­suchungsdesigns einbeziehen.</p>
<p>Sebastian Koos ist der Frage nachgegangen, weshalb Menschen Produkte aus ethischen, politischen oder ökologischen Gründen kaufen oder boykottieren. Eine moralische Ökonomie des Konsums bedeutet in seinen Augen, dass Moralvorstellungen und Präferenzen den Markt durchdringen und die Entscheidung beeinflussen, welche Güter ein Verbraucher kauft oder boykottiert. Um diese Frage empirisch zu untersuchen, verwendet Koos Daten aus dem European Social Survey aus dem Jahr 2002/03 für eine Querschnittsuntersuchung in 19 europäischen Staaten. Mit Bezug auf die Low-Cost-Hypothese überprüft er folgende Behauptungen: H1a: In den wohlhabenden Ländern ist der politische Konsumerismus starker ausgeprägt als in den ärmeren europäischen Ländern.  H1b: Personen der höheren Klassen beteiligen sich mit höherer Wahrscheinlichkeit am politischen Konsumerismus, d.h. sie sind eher bereit, Produkte aus politischen Erwägungen zu boykottieren. H1c: Werte, Normen und Präferenzen haben eine höhere Erklärungskraft in wenig riskanten Situationen als in Situationen, wo es wirklich drauf ankommt. Mit Bezug auf die These von einer moralischen Autonomie überprüft er die Hypothese H2: Moralvorstellungen wie Solidarität, Umweltbewusstsein und generalisiertes Vertrauen befördern den politischen Konsumerismus. Eine ausgeprägte materialistische Orientierung vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass man sich am politischen Konsumerismus beteiligt. Schließlich überprüft Koos die Hypothese, dass wirtschaftliche Globalisierung den politischen Konsumerismus befördert, dass Personen mit ausgeprägtem politischen Interesse sich eher am politischen Konsumerismus beteiligen und dass sich am ehesten die Personen am Boykott bestimmter Güter beteiligen, bei denen das Vertrauen in politische Institutionen und die Politiker am geringsten ausgeprägt ist. Im Ergebnis verwirft Koos die Globalisierungshypothese. Wirtschaftliche Globalisierung ist kein wesentlicher Bestimmungsfaktor für ethisch-moralisch motivierten Konsum. Wohlstand hat einen positiven Effekt auf moralischen Konsum  (Bereitschaft positiv zu kaufen oder Produkte aus bestimmten Ländern zu boykottieren). Soziale Bewegungsorganisationen haben einen positiven Effekt für politischen Konsumerismus. Die politische Kultur in einem Land und das Entwicklungsniveau des organischen Marktes (Bio, Öko, fair gehandelt etc.) erweisen sich als bessere Bestimmungsfaktoren, denn sie machen die Verfügbarkeit moralisch höher bewerteter Produkte aus.  Auf der individuellen Ebene erweisen sich Moralvorstellungen, v.a. das Umweltbewusstsein, als wesentlicher Bestimmungsfaktor. Politisches Interesse der Respondenten erscheint wesentlich, doch müsste noch mehr geforscht werden, in welche Richtung es sich auswirkt: z.B. in Richtung der positiven Bereitschaft, Produkte einer bestimmten Kategorie zu kaufen (um ihnen einen Markt zu bereiten) oder moralisch negativ besetzte Produkte zu boykottieren. Im Anschluss wurden Fragen wie diese diskutiert: Das mögliche Problem einer kognitiven Überforderung sinnvoll und widerspruchsfrei zu begründen, weshalb man bestimmte Produkte kauft und andere boykottiert, die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Kontextfaktoren wie z.B. Haushaltsstruktur (Kinder im Haus?), die Frage ob wirklich jeder weiß, was Boykott bedeutet etc. Auch ergeben sich vielfältige Anschlussfragen: Gibt es zum Beispiel Cluster (Länder mit ähnlichen Merkmalen) entlang der Wohlfahrtsregime und der Spielarten des Kapitalismus (liberale Ökonomien, koordinierte Ökonomien)? Welche Rolle spielen Medien? „Swissness“ bedeutet beispielsweise, dass die Schweizer bewusst Produkte aus ihrer eigenen Produktion kaufen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sie Produkte aus deutscher Produktion meiden. Auch sind Fragen nach der Überformung des Kauf- bzw. Boykottverhaltens durch Bildung und Geschlecht noch nicht beantwortet.</p>
<p>Yusif Idies stellt in seinem Papier „<em>Ethischer Konsum als Dispositiv. Zur „sichtbaren“ Geografie der Welt</em>“ Vorüberlegungen zu einem Forschungsprojekt an, welches sich mit dem Interesse an moralischem bzw. ökologischem Konsum beschäftigt und „<em>Geiz ist geil, und Shoppen macht Spaß. Aber ist Einkaufen wirklich nur ein Privatvergnügen? Oder ist es, aller Werbung und Imagepflege zum Trotz, eine Entscheidung so wichtig wie jede Kanzlerwahl? Interessiert uns wirklich nicht, warum ein handgewebter Teppich 1,95 Euro kostet und wo die vier Euro für den Starbucks-Kaffee landen?</em>“. Allein das Erscheinen von Büchern wie <em>„Die Einkaufsrevolution“ </em>von Tanja Busse, aber auch Filme wie „<em>We feed the world</em>“ (Erwin Wagenhofer, 2005) reizen Idies zu der Frage nach dem Ursprung des Interesses der Menschen für moralische Herkunft von Gütern und Dienstleistungen. Die neue Haltung der Verantwortung im Konsumhandelen erscheint evident, aber sie ist keineswegs selbstverständlich. Die Erscheinung der Figur des ethischen Konsumenten, der mit dem Einkaufswagen abstimmt, wird kaum kritisch hinterfragt. Da ist beispielsweise die Idee des ermächtigten Konsumenten, der ab einem bestimmten Zeitpunkt Kenntnis von seiner Macht als Käufer erlangt, dem Konsumenten, der Aufträge erteilt und dadurch die Produktionsbedingungen nachgefragter Güter und Dienstleistungen mitbestimmt, oder auch dem Konsumenten, der zwischen feierlicher Ablehnung ökologischer und moralischer Standards und resigniertem Einlenken schwankt. In den Kommentaren im Anschluss haben die Teilnehmer die diskursive Annäherung an den Konsumenten mit Bereitschaft zu moralischem Verhalten hervorgehoben und angeregt, nach der diskursiven Ordnung in einem Marktfeld zu suchen. Welchen Akteuren gelingt es, eine Aussage wirksam platzieren, sodass ein Signal für andere Akteure ausgeht? Wer hat überhaupt einen Platz in einem Feld? Es folgte eine Diskussion über die Relevanz moralischer, ethischer, ökologischer und politischer Orientierungen für die Theoriebildung und zur Frage, ob die Moralisierung des Konsums historisch neu ist bzw. was die gegenwärtige Moralisierung des Konsums ausmacht.</p>
<p>Mark Lutter stellte Ergebnisse einer Untersuchung über den Lotto- und Glücksspielmarkt in Deutschland vor, die er im Rahmen seiner Dissertation durchgeführt und u.a. Beiträgen in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie gemeinsam mit Jens Beckert publiziert hat (2007, „<em><a href="http://www.mpifg.de/aktuelles/themen/doks/2007%20(Beckert%20Lutter)%20Wer%20spielt%20hat%20schon%20verloren_KZfSS_Scan.pdf">Wer spielt, hat schon verloren?</a></em>“, KZfSS 59, S. 240-270 und 2008, „<em><a href="http://www.mpifg.de/aktuelles/themen/doks/beckert_lutter_kzfss_2008_08.pdf">Wer spielt Lotto?</a></em>“, KZfSS 60, S. 233-264). Der Glücksspielmarkt mit Lotto, Toto, Glücks­spirale, Online-Lotterien, Klassenlotterien, TV-Lotterien, Geldautomaten und Spielbanken hatte 2005 einen Gesamtumsatz von ca. 30 Mrd. Euro. Die Nachfrage ist erklärungsbedürftig, gilt doch ein Glücksspiellos als beinahe todsichere Möglichkeit, Spieleinsätze zu verlieren. Dennoch sind Lotterien ein Massenmarkt. Rund 40 Prozent der erwachsenen deutschen Wohnbevölkerung beteiligt sich mindestens einmal jährlich an der Ziehung „6 aus 49“. Etwa 10 Millionen Menschen spielen wöchentlich. Jede Woche nehmen die Lotteriegesellschaften rund 100 Millionen Euro ein. Lutter unterscheidet 4 Erklärungsansätze für die Nachfrage am Glückspielmarkt: (1) Kognitionspsychologische Ansätze erklären die Teilnahme am Glücksspiel aus dem kognitiven Unvermögen der Spieler, die statistischen Eigenschaften des Spiels adäquat zu beurteilen. (2) Ökonomische Ansätzen zufolge ist die Nachfrage nach Losen trotz negativer Renditeerwartung eine rationale Investition. (3) Soziologische Theorien des Spannungsmanagements führen die Spielteilnahme auf Deprivationserfahrungen der Spieler zurück. (4) Sozialstrukturelle Ansätze die Nachfrage nach Lotterien aus der sozialen Netzwerkeinbettung der Spieler. Als fünften Ansatz fügt Lutter die Theorie der Tagträume hinzu, die Lotterien als „Baugenehmigungen für Luftschlosser“ trotz objektiver Wertlosigkeit eines Lottoloses. Auf Grundlage einer repräsentativen telefonischen Befragung unterscheidet Lutter 5 Spielertypen: (1) „aufstiegsorientierte Tagträumer“, (2) „auswegsuchende Tagträumer“, (3) „nüchterne, rituell-gewohnheitliche Investitionsspieler“, (4) „sozial motivierte Gelegenheitsspieler“ und (5) „desillusionierte Fatalisten“.  Die Bestimmungsfaktoren für die Nachfrage auf dem Lottomarkt sind soziale Spannungszustände, soziale Netzwerke und die Theorie der Tagträume, die Lotterien als Baugenehmigungen für Baugenehmigungen für Luftschlösser charakterisiert. In der Diskussion  haben Teilnehmer gegen die These der vermeintlichen Wertlosigkeit des Lottoloses eingewandt, dass dem rein funktionalen Gebrauchswert auch ein symbolischer Gebrauchswert gegenübersteht. Muss das Konzept des Nutzens nicht erweitert werden: Sind Lottolose wie symbolische Güter (z.B. Besuch eines philharmonischen Konzerts) nutzlose Güter? Weiter wurde die Frage gestellt, was zuerst da war: Sind zuerst die Tagträume da, die den Menschen zum Kauf eines Loses motivieren? Oder steht die Glücksspielteilnahme am Beginn einer Chronologie, in deren weiteren Verlauf die Tagträume folgen? Schließlich wurde auch das Problem der sozialen Konstruktion der Sucht angesprochen, die in Lutters Untersuchung das Phänomen der Sucht nicht angesprochen wird. Sind Tagträume Luftschlösser, oder sind es Phantasien, wo die Frage der Realisierbarkeit keine Rolle spielt? Wie legitimieren z.B. Lottospieler ihre Spielteilnahme bzw. ihre Spieleinsätze, wo der gesellschaftliche Vorwurf der Sucht (und die Idee der Therapierbedürftigkeit der Spieler) im Raum steht – etwa im Unterschied zu Spielern von Onlinespielen, die im öffentlichen Diskurs zunehmend mit Sucht assoziiert werden?  Wie Mark Lutter mir am Rande erzählte, ist das Konstrukt der Suchtgefahr der Grund, weshalb der Lotto- und Glücksspielmarkt in Staatshänden liegt bzw. unter staatlicher Regulierung steht. Eine einheitliche Regelung für soziale Aktivitäten, die im öffentlichen Diskurs zunehmend mit Sucht assoziiert sind und bei denen Geld involviert ist (z.B. Glücksspielmarkt, Markt für Onlinespiele wie z.B. „<em>World of Warcraft</em>“) gibt es aber nicht; ich könnte mir vorstellen, dass die soziale Konstruktion von Sucht und die dabei involvierten Akteure, Institutionen und professionellen Vereinigungen am Beispiel von Glücksspielmarkt und Onlinespielen spannende Forschungsprojekte hergeben würden.</p>
<p>Christof Jeggle hat sich mit Konsum in vorindustriellen Gesellschaften befasst und nimmt für seine Analyse die Entwicklung der letzten ca. 500 Jahre in den Blick. Jeggle geht es darum, die Kontinuitäten des Wirtschaftens und Konsumierens vom Mittelalter bis in die Gegenwart aufzuzeigen und Vorschläge zu unterbreiten, wie man den Konsum vor der Industrialisierung mit Ansätzen und Methoden der Wirtschaftssoziologie untersuchen kann. Was Konsum bedeutet, erörtert Jeggle im Rückgriff auf die ursprüngliche lateinische Bedeutung: Das Verb <em>consumo </em>lässt sich mit ‚verwenden„, ‚verbrauchen„, ‚wegnehmen„ bis hin zum ‚Verschwenden„, ‚Verschwinden„ und ‚Vernichten„ übersetzen. <em>Consumptio </em>bezeichnete den ‚Aufwand (etwas zu tun)„, aber auch ‚Verzehren„, folgerichtig waren <em>consumptor </em>und <em>consumptrix </em>Personen, die diese Aktivitäten ausübten. Johann Joachim Becher nahm den Begriff Konsum in seinen <em>Politischen Discurs </em>von 1688 auf und dem Konsum ein Potenzial für soziale Integration zuschreibt: <em>die Consumption ist der einzige Bindeschlüssel welcher diese Stände </em>– gemeint sind <em>Kauffman</em>, <em>Handwercksman </em>und <em>Landman </em>– <em>aneinanderbindet und hefftet </em>und, vermittelt durch Geldzirkulation, das Wirtschaften ermöglicht. Die gegenwärtige Forschung über vorindustrielle Konsumgesellschaften ist überwiegend auf den Luxuskonsum fokussiert, nicht auf den gewöhnlichen Konsum. Entscheidend für eine Definition des Konsums ist ein weiterer Aspekt, der bereits im Victorianischen Großbritannien benannt wurde, nämlich Eigentum eines Gutes durch den Konsumenten. Weiter ist der Konsumbegriff in der Wirtschaftssoziologie eng mit dem Begriff der Kultur verknüpft: Konsum als spezifische kulturelle Praktik. Bisher fehlt allerdings eine einheitliche Begrifflichkeit für das Wirtschaften und den Konsum; die Beobachtungen bzw. Daten aus dem Mittelalter und der Gegenwart sind daher nicht vergleichbar. Bereits im Hochmittelalter stand eine Infrastruktur für Produktion und Distribution von Waren zur Verfügung; der Hochadel betrieb Interessenspolitik im europäischen Maßstab. Die norditalienischen Städte profitierten vom Handel mit hochwertigen Gütern aus dem Mittelmeerraum in den Norden. Dafür bezogen sie von dort zum Teil Rohstoffe wie Wolle – es gab also entwickelte Netzwerke von Abnehmer-Zulieferbeziehungen. Mit dem Warenhandel entstanden auch Formen des distanzübergreifenden bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Ein weiterer Faktor war die Urbanisierung und eine sich zunehmend entwickelnde gewerbliche Produktion. Nach einer Phase der wirtschaftlichen Expansion wurde Europa Mitte des 14. Jahrhunderts Europa von einer Pestwelle heimgesucht. Diese führte je nach Region zu erheblichen Bevölkerungsverlusten, infolge derer es zu einer Konzentration von Vermögen kam. Nun wurde vermehr in Kulturgüter investiert. In dieser Entwicklung sehen die einen ein Krisensymptom und verschwenderische Fehlinvestition, andere einen innovativen Wandel des Wirtschaftens. Wann aber beginnt Konsum? Wann begegnet man den ersten Konsumenten im heutigen Wortsinn? Bisher verortet kein Diskussionsansatz das Auftreten des Konsums vor dem 14. Jahrhundert. Die Renaissance gilt als das Zeitalter, das den Ausgangspunkt für Handlungsrepertoires des Konsums gibt. Allerdings können Gegenstände aus den vorangegangenen Epochen – z.B. Kunstobjekte und dazugehörige Dokumente – Anhaltspunkte für sonst nicht dokumentierte Wirtschaftsweisen liefern: Arbeitsteilung, Herstellungsverfahren, Preisbildung, Moden etc. Die historische Forschung interessiert sich zudem für Haushaltsinventare von städtischer und ländlicher Haushalten und Haushalten der verschiedenen sozialen Schichten. Die englische Forschung interessiert sich zudem für den Konsum von Kulturgütern bzw. Luxuswaren. Etwa vom 17. Jahrhundert an entwickelt sich der Einzelhandel mit Shops als Verkaufsflächen, und es kann vom Shoppen als eigenständiger Tätigkeit gesprochen werden. Eng verknüpft mit dem Warenverkehr war der Kreditverkehr und soziale Netzwerke von Kreditbeziehungen. Bedingt durch die Uneinheitlichkeit und die knappe Verfügbarkeit des Bargeldes entwickelten sich Kreditbeziehungen und die Feststellung der Kreditwürdigkeit; Verschuldung war nicht ungewöhnlich. Auch gab es einen  regen Handel mit Gebrauchtwaren und eine hohe Bereitschaft der Menschen, bei Bedarf oder Notlage Gegenstände aus Edelmetallen zu „verflüssigen“ und in Bargeld auszumünzen, hochwertige Textilien zu verkaufen. Einerseits gab es keine entwickelte Medienwelt wie in der Gegenwart, das Informieren über Warenangebote, Qualitäten, Moden und Preise durch Kaufleute ist jedoch ebenfalls nachgewiesen. Im Folgenden unterbreitet Jeggle Anregungen, wie man die Praktiken und Netzwerkbeziehungen von Wirtschaft und Konsum mit den Mitteln der Wirtschaftssoziologie über sehr lange Zeitperioden untersuchen und somit Vergleichbarkeit zwischen vorindustriellen und gegenwärtigen Wirtschaftsformen her­stel­len kann. In der Diskussion wurde eingewandt, dass der genießerische Gebrauch von Gegenständen nicht erfunden wird, sondern vielmehr eine soziale Funktion erhält. Genuss als Steigerungsmotiv wird in eine gesellschaftliche Dynamik integriert, der Luxuskonsum wird entmoralisiert und tritt neben andere Formen des Verbrauchs. Eine schichtenmäßige Verbreitung von Gütern lässt sich nachzeichnen. Die kulturelle Dimension des Konsums wird deutlich, wenn das Nehmen und Bezahlen von Gütern thematisiert wird. Ein wesentlicher Punkt in der Diskussion war die Frage von Kontinuität und Diskontinuität der Entwicklung der Konsumgesellschaft. Wo mehrere historische Entwicklungen aufeinandertreffen, z.B. die Entwicklung der Konsumgesellschaft und die Entwicklung der Geldwirtschaft, schlägt die Kontinuität der Entwicklung der Konsumgesellschaft aufgrund der zunehmenden Abhängigkeit der Menschen von der Geldwirtschaft um, die auf Seiten der wohlhabenderen sozialen Gruppen primär neue Möglichkeiten und erweiterte Möglichkeitshorizonte, auf der Seite der ärmeren Gruppierungen neue Einschränkungen und Zwänge schafft.</p>
<p>Am Beispiel des Weinkonsums argumentieren Jörg Rössel und Simone Pape, dass es eine konsumbezogene soziale Strukturierung persönlicher Identitäten gibt. Damit ist gemeint, dass Personen Empfindungen von Unsicherheit und Angst haben, je nachdem ob sie das passende oder unpassende Produkt für ihren Konsum wählen. Dabei wird die These der Individualisierung des Konsums, wonach der Akt des Kaufens als ein von strukturellen Bindungen weitgehend losgelöstes Projekt ist, die individuell selbst-reflektive Konsumentscheidungen treffen, der These einer sozialen Strukturierung durch Lebensstile gegenüber gestellt, in die Konsummuster der Akteure sehr viel stärker durch Netzwerke, Lebensstile und sozialstrukturelle Bindungen bestimmt sind, sodass Konsumentscheidungen in deutlich geringerem Maße mit negativen Gefühlen verknüpft werden. In ihrer empirischen Untersuchung wählen Rössel/Pape den Weikonsum und überprüfen anhand von Befragungsdaten folgende Fragen: 1. Wie relevant ist Weinkonsum als Quelle von Identität und von Gefühlen der Unsicherheit? 2. Wie stark sind Weinidentität und auf den Weinkonsum bezogene Gefühle der Unsicherheit durch sozialstrukturelle Faktoren, soziale Netzwerke und Lebensstile geprägt? Dabei wurde eine allgemeine Bevölkerungsumfrage in der erwachsenen deutschen Wohnbevölkerung in vier deutschen Städten (Mainz, Wiesbaden, Köln, Hamburg) zu breitem Umfang Informationen zum Weinkonsum, zu den regionalen und anderen Geschmackspräferenzen, zu Einstellungen zum Wein, sozialen Kontexten des Weintrinkens sowie zu den sozialstrukturellen und demographischen Hintergrundbedingungen und den Lebensstilen der Befragten durchgeführt. Rössel und Pape kommen zum Ergebnis, dass es durchaus eine „Weinidentität“ gibt, diese jedoch auf bestimmte Bevölkerungssegmente beschränkt ist und bezogen auf die persönliche Identität auch keinen zentralen Stellenwert hat; die damit verbundenen Gefühle von Unsicherheit und Peinlichkeit sind allerdings deutlich ausgeprägt. Zweitens sind sowohl die Herausbildung einer Weinidentität als auch die Entstehung von Unsicherheits- und Peinlichkeitsgefühlen deutlich von sozialstrukturellen Faktoren beeinflusst, insbesondere von einem gehobenen Lebensstil und der Einbettung in soziale Netzwerke mit Weininteresse bestimmt. Für Rössel/Pape ist die Herausbildung einer Weinidentität Resultat einer spezifischen Lebensführung, die typisch für Personen in den gehobenen Position in der Sozialstruktur ist. Wie Kommentar und Diskussion gezeigt haben, hätten Rössel und Pape den Weinkonsum mit Bezug auf die Untersuchung der Milieus aus Gerhard Schulzes „Erlebnisgesellschaft“ (1992) konsistenter und überzeugender darstellen können, da sich mit der Zugehörigkeit zu Milieus erklären lässt, wie individueller Geschmack und individuelle Wahl bei Produktentscheidungen für ästhetische Güter überhaupt bildet und welchem Produkt in welchem sachlichen, sozialen und zeitlichen Kontext Distinktionspotenzial zugeschrieben werden kann und für welche Milieus das Moment der Distinktion im Konsum überhaupt relevant ist. Dann würde sich vermutlich zeigen, dass ‚Distinktion per Wein‘ im Niveaumilieu, im Integrationsmilieu und in Teilen des Selbstverwirklichungsmilieus funktioniert.</p>
<p>Im letzten Beitrag knüpften Uwe Schimank und Ute Volkmann an ihre Ökonomisierungsthese aus früheren Vorträgen an und diskutierten  „Gesellschaftliche Inklusion durch Konsum“. Sie beginnen mit drei Beispielen, in denen der Zugang zu Gütern, Wissensbeständen und Diensten plötzlich an einen Zahlungsvorgang gebunden ist, wo das zuvor nicht der Fall war: Ein Leser leiht sich den Roman nicht mehr in der Bibliothek aus, sondern kauft ihn im Buchhandel. Ein Studierender muss € 500 Studiengebühren pro Semester an zahlen, nachdem Generationen Studierender vor ihm Zugang zum Studium auch bei Zahlung symbolischer Beträge hatten. Ein Patient geht davon aus, dass bei ärztlicher Behandlung das Interesse des Arztes allein auf seine Heilung gerichtet ist. Als er den Eindruck bekommt, dass es dem Arzt eher um Gewinnmaximierung geht, beschleicht den Kranken zusätzliches Unwohlsein. Schimank und Volkmann argumentieren, dass sich die „Konsumzone“ weit über den Kauf von Brötchen und Autos hinaus auch für den Zugang zu Wissens- und Kulturgütern (Buch), für tertiäre Bildung (Dienstleistung) und ärztliche Heilung bzw. Pflege (Sozialleistung) gilt. Zunehmend ist der Empfang wirtschaftlicher Leistung mit einem Zahlungsvorgang begleitet, die wirtschaftliche Leistung ist mit einem Preis verknüpft, der Markt ist der Ort des Leistungsempfangs, und mit dem Leistungsempfang ist das Gut ein privates Gut. Der Empfang von Leistungen in den verschiedenen funktionalen Teilsystemen der Gesellschaft wird in wachsendem Umfang marktlichen Verhältnissen unterworfen und erfolgt zunehmend konsumförmig. Die Menschen können die Erwartung eines Leistungsempfangs jenseits des marktförmigen Konsums als Lebenslüge aufrechterhalten; sie können die „Ausweitung der Konsumzone“ als Errungenschaft feiern; oder sie können die konsumförmigen Praktiken des Leistungsempfangs meiden oder dagegen rebellieren. Anhand der vier funktionalen Teilsysteme Intimbeziehungen, Kunst, Journalismus und Bildung argumentieren Schimank/Volkmann, dass der Zugang marktlichen Mechanismen unterworfen wird. In Intimbeziehungen Leistungs­pro­duk­tion und Empfang dyadisch reziprok erbracht. Schimank/Volkmann stellen mit Orientierung an der Schriftstellerin Illouz heraus, dass Paare die romantische Liebe mit Konsumakten realisieren. In den oberen sozialen Schichten werde ein &#8222;antikonsumisches Ethos&#8220; gepflegt, in den unteren Schichten dominiert hingegen eine Konsumakzeptanz. In der Kunst befindet sich ernste Kunst am &#8222;autonomen Pol&#8220;, unterhaltende Kunst am &#8222;weltlichen Pol&#8220;. Das Kunstpublikum der ernsten Kunst ist ein bildungsbürgerliches Publikum, das ein antikonsumistisches Ethos pflegt, einem Kunstpublikum aus den unteren Schichten mit deutlich ausgeprägter Konsumakzeptanz gegenüber. Im Journalismus bildet der Qualitätsjournalismus den &#8222;autonomen Pol&#8220; als Ideal professionellen Handelns, während der Boulevardjournalismus am &#8222;weltlichen Pol&#8220; steht. Dem Publikum attestieren Schimank/Volkmann generelle Konsumakzeptanz, im „free content“ des Internet sehen sie ein Kollektivgutdilemma. Im Bildungsbereich steht die Leistungsproduktion am autonomen Pol, dem Publikum – die Studierenden – attestieren Schimank/Volkmann generell ein antikonsumistisches Ethos. In der funktional differenzierten Gesellschaft sind Konsumbeziehungen längst nicht nur auf das Wirtschaftssystem selbst beschränkt, sondern erstrecken sich weit darüber hinaus auch auf Intimbeziehungen, Kunst, Journalismus und Bildung; somit bildet Konsum ein bedeutenden Mechanismus der Inklusion. In der Diskussion wurde kritisch hinterfragt, was das Alleinstellungsmerkmal von Intimbeziehungen gegenüber allen anderen gesellschaftlichen Teilsystemen sei und worin die soziale Rolle und theoretische Relevanz des Publikums in den Funktionssystemen von Kunst, Journalismus und Bildung besteht. M.E. hätten die Autoren ihr Argument stärker machen können, indem sie neben der Seite der Inklusion auch die Seite der Exklusion, also den Ausschluss von Teilen der Bevölkerung durch den dargestellten Prozess berücksichtigt und gezeigt hätten, wie die Kommodifizierung auf der Seite der Exklusion wirkt. Zudem liegt die eigentliche Brisanz in der Entwicklung und Verbreitung von Chipkarten, die sowohl für Geldtransaktionen als auch für die Regelung von Einschluss und Ausschluss von Akteuren zum Zugang zu Gütern und Diensten eingesetzt werden und wiederum eigene Märkte (Evaluation, Tausch und Handel personenbezogener Daten, teils legal, teils illegal) konstituieren.</p>
<p>Die besten Tagungen sind die Tagungen, wo zentrale Ideen aus verschiedenen Forschungsfeldern oder Theorierichtungen koordiniert zusammen gefügt und neue Perspektiven erarbeitet werden. Diese Tagung darf sich hier einreihen, finde ich. Nicht nur waren die Papiere frühzeitig zum Download vorbereitet, nicht nur folgte auf jeden Vortrag ein kritischer Kommentar, sondern es gab viel Raum für Diskussion und sehr offene, konstruktive Diskussionen nach jedem Beitrag in einer informellen Atmosphäre. Bei aller Freude auch an Konferenzen im großen Rahmen besticht eine kleine Tagung mit nur einem Slot in einem einzigen Raum damit, dass man jedem Sprecher zuhört. Besonders gut hat mir an der äußeren Form gefallen, dass die Veranstaltung durch einen Einleitungsteil eröffnet und durch ein ein Fazit von Kai Uwe Hellmann (AG Konsumsoziologie) und Jens Beckert (Sektion Wirtschaftssoziologie) mit anschließender Diskussion geschlossen wurde; durch diesen Rahmen war die Tagung mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Vorträgen. Inhaltlich hat die Tagung gezeigt, dass Wirtschafts- und Konsumsoziologie einander durch die intensive Beschäftigung mit Märkten und Preisen einerseits und mit dem Zustandekommen von Konsum, Imagination im Gegensatz zu Kalkulation im Unternehmertum und der Konstitution von Wert sowie der Berücksichtigung historischer Prozesse andererseits bei der Theoriebildung enorm bereichern können.</p>
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		<title>Biedermänner und Brandstifter II. In welche Richtung steuert die Regierung bezüglich HartzIV?</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 16:52:25 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>‚Hirnverbrannt‘ nannte Guido Westerwelle von der FDP Befürchtungen, dass die neue schwarz gelbe Regierungskoalition eine Fortsetzung des Sozialabbaus mit sich bringe. &#8222;<em>Deutschland wird von der Mitte aus regiert, von einer Koalition der Mitte. Und die Ränder haben in dieser Republik nichts zu sagen</em>&#8222;, sagte der Parteivorsitzende am Sonntag bei einem FDP-Sonderparteitag in Berlin. Wer nun von unsozialer Politik spreche, dem sei in seiner &#8222;<em>Hirnverbranntheit</em>&#8220; nicht zu helfen (<a href="http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE59O04N20091025">Reuters</a>, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/868/492227/text/">SZ</a>, 25.10.09). Auch der neue Bundesarbeitsminister Jung verwahrt sich gegen Auffassungen, die ihn von Soziallabbau und sozialer Kälte in Verbindung bringen. Vielmehr liege ihm an gutem Kontakt zu den Gewerkschaften (<a href="http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article5024424/Ein-Minister-gegen-die-soziale-Kaelte.html">WELT</a>, 29.10.09). Vor etwas mehr als einem Jahr hatte mich Till Westermayer auf einen Aufsatz zweier Wirtschaftswissenschaftler namens Thießen und Fischer mit dem Titel „<a href="http://www.freie-publizistin.de/studie.pdf"><em>Die Höhe der sozialen Mindestsicherung – eine Neuberech­nung bottom-up</em></a>“ aufmerksam ge­macht, just nachdem dieser Artikel in der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik erschienen war [kommentiert von <a href="http://blog.till-westermayer.de/index.php/2008/09/04/zum-uberlebensminimum-unsinn/">Till Westermayer</a> und <a href="http://sozlog.wordpress.com/2008/09/09/biedermann-und-die-brandstifter-revisited-strukturwandel-sozialer-solidaritat-und-grenzuberschreitungen/">mir</a> im September 2008].</p>
<p>Seit längerem gibt es eine Begleitmusik mit provozierenden Wortmeldungen von Politikern unterschiedlicher Couleur, die wissenschaftliche Beiträge diesen und ähnlichen Typs gern für pauschale Äußerungen über die Bezieher des Grundeinkommens nach SGB II aufgreifen. Nach den Angaben der Bundesagentur für Arbeit für September 2009 gibt es knapp 6,75 Millionen Einzel­personen bzw. über 3,5 Millionen Bedarfs­gemeinschaften, die ein Grundeinkommen nach SGB II beziehen [<a href="http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/200909/iiia7/grusi_in_zahlend.pdf">Bundesagentur für Arbeit</a>]<span id="more-2567"></span></p>
<p>Die Webseite „<a href="http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/0344e19a9e11c5104.php">Gegen Hartz</a>“ machte in dieser Woche darauf aufmerksam, dass sich das Bundesministerium für Wirtschaft, geführt von Rainer Brüderle (FDP) gern auf Beiträge aus dem (<a href="http://www.iza.org/">IZA</a>) bezieht, das in seinen Studien Empfehlungen für mehr Beschäftigung unterbreitet. Stöbert man dort über die Institutswebseite, stößt man auf den Beitrag „<em>Vollbeschäftigung ist keine Utopie – Arbeitsmarktpolitisches Programm des IZA</em>“. Der Beitrag beginnt mit der Bestandsaufnahme, die von einer hohen strukturellen Arbeitslosigkeit, Fachkräftemangel und Langzeitarbeitslosigkeit ausgeht, den demografischen Wandel als Wachstumsbremse identifiziert und die Ausdehnung des Niedriglohnsektors anspricht. Auch nimmt der Beitrag Bezug auf Vorwürfe über eine vermeintlich wachsende Ungleichheit und einer Prekarisierung von Erwerbs­tätigkeit zugleich eine gestiegene Konzessionsbereitschaft von Arbeitslosen konstatiert und feststellt, dass Arbeitslose Langzeitarbeitslosigkeit und Maßnahmenkarrieren in erster Linie als Zumutung statt als Problemlösung wahrnehmen. Der Beitrag gelangt zu der Problemdiagnose, den Arbeitslosen würden durch das bestehende Steuer- und Transfersystem die falschen Anreize gesetzt, die bewirken, dass insbesondere gering Qualifizierte zur Problemgruppe am Arbeitsmarkt würden und sich eine reguläre Arbeitstätigkeit für sie nicht mehr lohne. Mehr noch: Durch Anrechnung des zusätzlichen, legal erworbenen Einkommens auf das Grundeinkommen nach SGB II (Hartz IV) lohne sich eine zusätzliche Beschäftigung nur in Form eines Minijobs. Mit dieser Formel – nicht etwa mit Knappheit von Arbeitsplätzen im sogenannten Normalarbeitsverhältnis – wird in diesem Bericht das Anwachsen der Anzahl von Aufstockern erklärt, die einer gering entlohnten Beschäftigung nachgehen und auf SGB II angewiesen sind. Auf diese Weise trage der Sozialstaat aktiv und in großem Umfang zu einer dauerhaften Abhängigkeit von Transferleistungen bei. Als „wirksame Lösung“ unterbreiten die Autoren des Beitrags das Modell des „Workfare“, das soziale Gerechtigkeit auf dem Grundsatz von Leistung und Gegenleistung beruht und beinhalten soll, dass erwerbsfähige Transferberechtigte die ihnen zustehenden Leistungen nur noch dann in vollem Umfang erhalten sollen, wenn sie dafür im weitesten Sinne eine „<em>vollzeitäquivalente Gegenleistung</em>“ erbringen. Dabei müsse es nicht um eine öffentlich finanzierte Beschäftigung handeln. Das heißt, diese Leistung könne auch bei privatwirtschaftlichen Unternehmen erbracht werden. Die Verpflichtung zur Gegenleistung sorge auf effiziente Weise dafür, dass die Erwerbs­anreize im Niedriglohnsektor ansteigen, ohne dass das Niveau der Grundsicherung abgesenkt werden müsse. Zudem leiste „Workfare“ einen wirksamen Beitrag zur Eindämmung der Schwarzarbeit, weil den Betroffenen die Zeit dafür genommen werde. Zudem sei „Workfare“ sozial gerecht, weil Transferleistungen nur noch den wirklich Bedürftigen vorbehalten sei. Zu deutsch: Langzeitarbeitslose sollen den Nachweis ihrer Bedürftigkeit durch unentgeltliche Bürgerarbeit erbringen, denn sie würden sonst ohnehin nur schwarz arbeiten. Es schließen sich weitere die Forderungen an, dass diejenigen, deren Erwerbsbiografie unterbrochen ist, auch privat selbst vorsorgen müssen, und all diejenigen, die nicht für ihr Alter sparen, also „riestern“ ein Moral Hazard betreiben, also die Solidargemeinschaft für ihr Rentenalter aufkommen lassen. Würde dieses Programm obligatoren „Workfare“ implementiert, und würden Personen, die aus Gründen wirtschaftlicher Notlagen nicht oder nur unzureichend für ihr Alter vorsorgen, dann auch bei der Altersversorgung schlechter gestellt, entspräche es nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Durkheim">Emile Durkheims</a> Studie über soziale Arbeitsteilung (1893/1992)  dem Tatbestand der erzwungenen Arbeitsteilung. Im Zustand erzwungenen Arbeitsteilung, den Durkheim als pathologischen Zustand sozialer Solidarität definiert, können die Menschen nicht frei wählen, in welchem Beruf und zu welchen vertraglichen Bedingungen sie arbeiten, vielmehr können ihnen beliebige Arbeitsinhalte zu beliebigen Konditionen aufoktroyiert werden. Im Klartext bedeutet das Modell des „Workfare“: Sobald der Fall der Bedürftigkeit eintritt, würde nicht mehr allein der Nachweis der Bedürftigkeit genügen, um Transferleistungen zu erhalten, sondern die Menschen müssten zusätzlich in Vollzeitbeschäftigung unentgeltlich arbeiten.</p>
<p>Interessant ist der Versuch der Legitmation des „Workfare“-Programms durch Bezug auf bestimmte Theorien sozialer Gerechtigkeit. Der Bericht bezieht sich nämlich auf den Gerechtigkeitstheoretiker und Moralphilosophen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/John_Rawls">John Rawls</a>, einen liberalen Amerikaner. Rawls nimmt in seiner Gerechtigkeitstheorie an, dass eine gerechte Gesellschaft entsteht, wenn die Gerechtigkeitsmaßstäbe zugrunde gelegt werden, auf die sich Menschen in einem fiktiven Urzustand, also unter den Bedingungen des Schleiers des Nichtwissens, einigen würden. In dieem sogenannten Schleier des Nichtwissens weiß jeder Einzelne  nicht, ob er/sie im tatsächlichen Leben zu den Begüterten oder zu den Nicht-Begüterten zählt, ob er also reich oder arm an Geld, Talent und Arbeitsfähigkeit geboren wird. Unter diesen Umständen würden sie sich die Menschen auf „Gerechtigkeit als Fairness“ einigen. „Gerechtigkeit als Fairness“ beinhaltet zwei Grundsätze Leistungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Konkret: Jeder Mensch soll gleiches Recht auf ein &#8222;völlig adäquates&#8220; System gleicher Grundfreiheiten haben, das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist. Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind zulässig, wenn sie (a) mit Ämtern und Positionen verbunden sind, die jedermann offen stehen (Prinzip der fairen Chancengleichheit), und wenn sie (b) denjenigen, die am wenigsten begünstigt sind, am meisten zugute kommen (Differenzprinzip). Auf Grundlage dieser Gerechtigkeitsgrundsätze solle jeder Einzelne die Möglichkeit haben, mehr Geld zu verdienen, zugleich sollen alle gleiche Ausgangsbedingungen haben. Dies ist nach Rawls der gesellschaftliche Konsens, auf den sich freie und gleiche Personen unter den Bedingungen des Schleiers des Nichtwissens vernünftigerweise einigen würden. Rawls‘ Theorie sind die Gedanken eines liberalen Philosophen, nicht die eines Politikers. Seine Gerechtigkeitstheorie ist rein abstrakt als theoretisches Konstrukt aufgebaut, sie definiert kein politisches Programm. Rawls nimmt nicht Bezug auf Ungleichheiten im „echten Leben“. Erst recht unterbreitet Rawls keine Vorschläge für Zwangsmaßnahmen wie das Modell des „Workfare“ aus dem IZA. Rawls‘ Theorie steht völlig separat von der tatsächlichen Gesellschafts-, Wirtschafts- und Rechtsordnung, die ja über den Gesetzgeber und das häufig von Politikern formulierte Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft formuliert ist: sozialer Ausgleich (Wieviel Ungleichheit ist hinnehmbar in einer Gesellschaft?), Bedürftigkeit (Ab welchem Grad von Bedürftigkeit hat ein Mensch Anrecht auf Leistungen aus Umverteilung?) und soziale Partizipation (Ab welchem Armutsniveau muss Gesellschaft intervenieren, damit Menschen nicht von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sind?). Und Rawls‘ Theorie ist auch separat von den sozialen Rechten zu sehen, die wir als fundamental für „Soziale Markt­wirt­schaft“ in unserer tatsächlichen Gesellschaft erachten, Grundsätze wie z.B „<em>gleicher Lohn für gleiche Arbeit</em>“, für die Gewerkschaften hart gefochten haben (Leseempfehlung <a href="http://www.amazon.de/Gerechtigkeit-als-Fairne%C3%9F-Ein-Neuentwurf/dp/3518583662/ref=sr_1_13?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1257090826&amp;sr=8-13">John Rawls. Gerechtigkeit als Fairness. Ein Neuentwurf</a>. Frankfurt/Main 2003) . Das Positionspapier des IZA Rawls‘ wendet Gerechtigkeitstheorie jedoch auf eine mögliche Neu­ord­nung der sozialen Grund­ord­nung für den Wohlfahrtsstaat der Bundesrepublik Deutschland an. Dabei zeigt sich das IZA indifferent gegenüber der tatsächlichen Chancenungleichheit und Ungleichheit der Lebensverhältnisse der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland, und ebenfalls indifferent gegenüber den durch das Grundgesetz definierten Grundrechte und die über die Soziale Marktwirtschaft erreichten sozialen Rechte der Menschen. *</p>
<p>Der nächste Punkt im Positionspapier des IZA ist das Menschenbild: Das Papier legt die An­nahme zugrunde, dass die Menschen unter den Bedingungen des Grundeinkommens nach SGB II überhaupt keinen Anreiz haben, aus eigenem Antrieb oder nach bestem Vermögen nach neuer Beschäftigung zu suchen, und dass biografische Schnittstellen und biografische Brüche wie z.B. die Phase der Familiengründung, das Großziehen von Kindern, auch gefördert durch das Elterngeld, oder die Frühverrentung eine Gelegenheitstruktur für die Menschen bieten, sich gar nicht mehr für Erwerbstätigkeit zu interessieren und sich entsprechend nicht um eine Rückkehr ins Erwerbsleben zu bemühen. Den Beziehern des Grundeinkommens nach SGB II gehe es kurz gesagt zu gut, und wenn den man geeignete Anreize hätte, den Einzelnen zum Arbeiten zu bringen, ließe sich Vollbeschäftigung erreichen. Den Beziehern von Sozialhilfe nach SGB II wird weiter unterstellt, dass sie Gelegenheit zur Schwarzarbeit, also zum Betrug am Fiskus, bereitwillig wahrnehmen. (An dieser Stelle dürften Zweifel an der These von „zu gut gehen“ aufkommen). In seltsamer Verkehrung kollektiven und individuellen Tatbestände wird argumentiert, die Bezieher des Grundeinkommens nach SGB II, die definitionsgemäß den Nachweis ihrer Bedürftigkeit erbracht haben, trügen eine Schuld an der Belastung für den Staat aus Transferleistungen, indem sie den Faktor Arbeit belasten. Nicht das Problem der Unterfinanzierung – das Verschwinden von Jobs, die strukturelle Arbeitslosigkeit, oder die im europäischen Vergleich schlechten Einkommen weiblicher Beschäftigter in Deutschland – wird hier zum Problem erklärt, sondern Bedürftige als solcher.</p>
<p>Es müssen geistige Brandstifter wie die Verfasser des IZA-Papiers sein, die Politiker unterschiedlicher Parteifarbe ermutigen, regelmäßig mit Aussagen wie diesen vor die Presse zu treten: „<em>Hartz IV Empfänger haben es gern warm</em>“, gab Tilo Sarrazin zum Besten. Nur derjenige solle Kinder haben, der sich Kinder auch leisten könne. Auch vor Menü-Vorschlägen für Hartz-IV Empfänger schreckt Sarrazin nicht zurück (SPON, 13.05.09, <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-Hartz-IV-Thilo-Sarrazin;art124,2474631">WELT</a> 11.02.09). „<em>Viele Hartz-IV-Empfänger hätten einfach keine Lust zum Arbeiten</em>“, tönte Martin Lindner (FDP), und die Hartz IV Empfänger sollten gemeinnützige Arbeit leisten, für die sie bezahlt werden (<a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/Martin-Lindner-Berliner-FDP;art270,2839354">Tagesspiegel</a>, 04.07.09). Das neue Stichwort „Gutscheine statt Bargeld“ hat Bundeskanzlerin Merkel ins Gespräch gebracht. „<em>Für Hartz-IV-Empfänger wollen wir überlegen, ob wir Gutscheine anbieten. Zum Beispiel für Bildung der Kinder oder den Besuch bestimmter Einrichtungen</em>”, so wird die Bundeskanzlerin aus einem Interview gegenüber dem Fernsehsender N24 zitiert (<a href="http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/angela-merkel-hartz-iv-gutscheine-statt-bargeld3321.php">Gegen Hartz</a>). Zuvor hatte sich der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) geäußert. Das Geld für die Betreuung würde &#8222;<em>von der Unterschicht eh versoffen</em>&#8222;. (<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,657740,00.html">SPON</a> 27.10.09,  <a href="http://www.welt.de/die-welt/debatte/article5024358/Falscher-Generalverdacht.html">WELT </a>30.10.09). Nicht nur sind in provozierenden Äußerungen verschiedene soziale Gruppen unzulässig miteinander vermischt worden, es fällt besonders die Stigmatisierung der Betroffenen auf. Auch muss man hier die 1,7 Millionen Kinder erwähnen, die unter den Bedingungen von Sozialhilfe nach SGB II leben und bei denen Leistungskriterien sozialer Gerechtigkeit ohnehin absurd sind, weil man von einem Kind oder Heranwachsenden keine wirtschaftlichen Leistungen erwarten kann.</p>
<p><strong>Widersprüchliche Anforderungen und Einschränkungen von Freiheitsrechten</strong></p>
<p>Die Reform der Sozialgesetzgebung nach SGB II, die von SPD und Grünen unter den Labels Hartz I bis Hartz IV verabschiedet wurde, orientiert sich an der Idee von Fordern und Fördern. Ihr liegt die Vorstellung zugrunde, man müsse die Erwerbssuchenden zur Teilnahme am Erwerbsleben ‚aktivieren‘. Dabei werden positive und negative Aktivierungsmaßnahmen unterschieden, helfende und qualifizierende Ansätze auf der einen Seite, bestrafende Ansätze auf der anderen Seite. Dabei kann definitionsgemäß nur Transferleistungen nach SGB II beziehen, wer zuvor den Nachweis der Bedürftigkeit und es gibt eine Vielzahl von Regeln, die den Bezieher von Transferleistungen zu Initiative und Mitarbeit beim Bemühen um Erwerbstätigkeit und die generelle Lebensführung betreffen. Das Schonvermögen ist – zumindest in der ursprüng­li­chen Fassung – auf 250 Euro pro Lebensjahr begrenzt. Zudem sind die Zuverdienstmöglichkeiten erheblich ein­ge­schränkt. Was über die zulässigen Freibeträge hinausgeht, wird bei der Auszahlung zukünftiger Transferleistungen einbehalten. Das führt zu widersprüchlichen Leistungs- und Verhaltensanreizen: Einerseits soll sich der Bezieher von Transferleistungen aus SGB II aktiv am Er­werbs­le­ben beteiligen und für die Kosten seiner Lebenshaltung selbst aufkommen, andererseits sind im Re­gelsatz keine Arbeitsmittel und keine Ressourcen für die gezielte Beförderung von Berufstätigkeit enthalten (Arbeitsmittel, Mittel für Bewerbung und Mobilität). Da offenkundig selbst den Machern dieser Sozialreform aufgefallen ist, dass diese Anreize widersprüchlich sind, ist dem Modell des Forderns und Förderns zunächst in ihrer Umsetzung durch verschiedenen ARGE, später durch Gesetzesänderungen, ein bürokratischer Apparat des Überwachens und Strafens entstanden. Zunehmend sich man sich indifferent gegenüber den Umständen, aus denen Menschen in Armut geraten, schöpft den gesetzlichen Rahmen eher zum Nachteil als zum Vorteil des Bedürftigen aus, geht vom Generalverdacht des Sozialmissbrauchs aus, den es zu überprüfen gelte und fordert Möglichkeiten der Bestrafung für Sozialbetrüger. Ohne Berücksichtigung der bereits herbeigeführten tatsächlichen Lebensumstände formulieren Politiker immer neue leistungsbezogene Forderungen an die Bezieher von SGB II, beispielsweise sollen sie selbst Vorsorge für ihr Alter treffen. Damit wird das geplante dreifach höhere Schonvermögen unter den Bedingungen von Hartz IV an die neue leistungsbezogene Erwartung der Vorsorge für das eigene Alter geknüpft – auch HartzIV-Empfänger sollen „riestern“.</p>
<p>Erwähnt werden müssen in diesem Zusammenhang zwei Aspekte: Zum einen ist bereits jetzt am Bundesverfassungsgericht ein Gerichtsverfahren anhängig, in dem die Regelätze für Kin­der, aber auch für Erwachsene einer kritischen Überprüfung unterzogen werden, insbesondere die Praxis, mit der diese Grundbedarfe nach Maßgabe der Bedürfnisgerechtigkeit für Erwachsene und für Kinder im Hinblick bestimmt werden. Da gibt es nämlich eine Datenbank mit der Bezeichnung EVS, die als statistische Grundlage für einen Warenkorb dient, und dieser Warenkorb wird bei der Bestimmung der Höhe der Regelsätze zugrunde gelegt. Ausgehend von diesem Warenkorb war die bisherige Praxis, willkürlich an bestimmten Stellen Bedarfe abzuziehen, etwa im Stile von „<em>Hartz IV Empfänger brauchen keinen Pelzmantel, also ziehen wir hier XX Prozent ab</em>“. Zudem sind Kinder behandelt worden wie ‚kleine Erwachsene‘, nicht wie Menschen mit eigenen Bedürfnissen. Daraus ergab sich für Kinder ein Regelsatz wie der eines Erwachsenen minus X, abgestuft in drei Altersgruppen für Kinder. Diese Praxis ist beim Bundesvefassungsgericht in einer ersten Anhörung scharf kritisiert worden (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=1qsPRM7Ps8M">ZDF</a>, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,656402,00.html">Spiegel</a> 21.10.09). Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Veränderung des § 31 des SGB II, über die etablierten Medien m.E. viel mehr hätten berichten müssen. Diese Veränderung der Spielregeln ermöglicht, dass ARGEn den Beziehern des Grundeinkommens nach SGB einseitig Trans­ferleistungen kür­zen oder ganz streichen können, ohne dass zuvor eine gerichtliche Auseinandersetzung statt­ge­funden hat. Im Jahr 2008 waren 789.000 Erwerbslose von Sanktionen betroffen, mit denen ihr Existenzminimum gekürzt oder ganz gestrichen wurde, indem Zahlungen einbehalten wurden. Dies ist der Schritt von einer ‚positiven Aktivierung‘ durch Förderung, Weiterbildung und Hilfestellung zur ‚negativen Aktivierung‘ durch Androhung und Durchführung von Bestrafung durch Leistungsentzug. Damit wird ein Zustand der Entrechtung erzielt, bei dem der von Armut Betroffene de facto gezwungen ist, jedem Arbeitsvertrag zuzustimmen. Grundrechte wie die freie Entfaltung der Persönlichkeit, Berufs- und Vertragsfreiheit und Mobilität, sofern nicht direkt im Kontext von Erwerbstätigkeit, sind unter diesen Bedingungen ganz erheblich eingeschränkt (<a href="http://www.sanktionsmoratorium.de/">Bündnis für ein Sanktionsmoratorium</a>).</p>
<p>Tatsächlich gibt es eine wirksame Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Kontext von Hartz IV – die anhaltende Klageflut. Nur, dass diese nicht den Betroffenen zu Erwerbseinkommen verhilft, sondern die Schreibtische der Sozialrichter unter Aktenbergen verschwinden lässt. Bundesweit gab es 2008 insgesamt 369.300 neue Sozialgerichtsverfahren, sechs Prozent mehr als im Jahr 2007 (<a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article4851561/Sozialgerichte-aechzen-unter-Klageflut-zu-Hartz-IV.html">Welt</a> 14.10.2009).</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ende oder Wiederbelebung der „sozialen Marktwirtschaft?“ </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>In den etablierten Medien ist seit längerem eine deutliche Polarisierung der Berichterstattung über Hartz IV, die Bezieher und ihre Lebensbedingungen zu beobachten [z.B. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=AopHU5J4y04">ARD </a>(5 -teilige Doku), <a href="http://www.youtube.com/watch?v=nJKpmusD3W8">RBB/ARD/BBC</a>, <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/10/28/der-grosse-hartz-iv-report/mitarbeiter-der-jobcenter-erzaehlen.html">BILD</a>]. Da stellt sich zunächst die Frage, welche sozialen Gruppen die Adressaten der  Auseinandersetzung um Verteilung sind. [Update: 02.11.09: Die beiden folgenden Überlegungen sind bewusst spekulativ!]</p>
<p>Eine Vermutung: Die Adressaten der Auseinandersetzung sind weniger die Bezieher von Transferleistungen selbst als vielmehr die Mittelschichten, weil der ersten Gruppe die Nicht-Machbarkeit des Lebens unter den Bedingungen des Grundeinkommens nach SGB II ohnehin bewusst ist und man sie über die Konsequenzen möglicher Politikänderungen nicht täuschen kann, sondern vielmehr die Angehörigen der Mittelschicht, die davon abgeschreckt werden sollen, Überlegungen anzustellen, dass vorübergehende Arbeitslosigkeit eine Möglichkeit für sie wäre.</p>
<p>Eine zweite Vermutung bezieht sich auf die generelle Marschrichtung der Sozialreform. Bereits zu den Zeiten der Regierungskoalition von SPD und Grünen waren „Liberalisierung“ und „Flexibilisierung“ des Arbeitsmarktes und die „Aktivierung“ der Arbeitslosen für eine Erwerbsbeteiligung. Meine Deutung der Andeutung der von Bundeskanzlerin Merkel ist die, dass die Regierung durch die Auseinandersetzung beim Bundesverfassungsgericht jetzt gewarnt ist, nun eigene Überlegungen anstellt, wie sie – was immer das Bundesverfassungsgericht beschließt &#8211; zu den geringsten Kosten realisieren könnte und im Lichte der Staatsverschuldung Anreiz hat, sich auch hier am Modell liberalen Ökonomien wie den USA zu orientieren. In den USA ist nämlich ein gutscheinbasiertes Element im Wohlfahrtssystem etabliert, konkret im System der der <a href="http://www.fns.usda.gov/FSP/">Lebensmittelmarken</a>. Im Juli 2009 waren 35 Millionen Menschen in den USA auf Lebensmittelmarken angewiesen (<a href="http://www.fns.usda.gov/fns/key_data/july-2009.pdf">FNS USA</a>). Weil das Programm historisch bis zum 2. Weltkrieg zurückreicht und immer wieder an veränderte gesellschaftliche Lagen angepasst wurde (<a href="http://wapedia.mobi/en/Food_Stamp_Program">Wapedia</a>), hat es damit auch eine ganz andere Bewandnis: Der Aspekt des Helfens und die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung steht im Vordergrund. Dennoch wird scharf kritisiert, dass viele Menschen trotz der Lebensmittelmarken <a href="http://money.cnn.com/2008/05/06/news/economy/foodstamps/">hungern</a> bzw. keinen Zugang zu einer wirklich gesunden Ernährung haben. Mit gutscheinbasierten Leistungsstystemen, gleich für welche Art von Leistung würde der deutsche Staat den Beziehern des Grundeinkommens nach SGB II pauschal die Kompetnz oder den Willen absprechen, Geldbeträge ordnungsgemäß zu verwalten (das steht in klarem Gegensatz zum Leistungsgedanken von &#8222;Fordern und Fördern&#8220;), er würde sich selbst erweiterte Möglichkeiten verschaffen, die Bezieher von Transfer­leistungen nach SGBII auch den Konsum betreffend zu überwachen. Viertens wären die Betroffenen wehrlos, wenn dann legitime und illegitime Bedarfe definiert würden immer weiter reichende neue Einschränkungen eingeführt würden, die im übrigen bedingt durch die inzwischen entwickelte  Chipkartenindustrie technisch leicht umgesetzt werden könnten.</p>
<p><strong>Kritik </strong></p>
<p>Wenn die Rede davon ist, dass sich CDU und SPD mit sozialer Kälte und einer Fortsetzung des Sozialabbaus distanzieren, kann sie Leistungsgerechtigkeit im Sinne der „Gerechtigkeit als Fairness“ nicht auf die Spitze treiben und sich an der Ungleichheit der Ausgangschancen der Menschen de facto uninteressiert zeigen. Das würde dazu führen, dass für die Schwächsten der Gesellschaft ein neuer, mit einem Stigma behafteter Sozialstatus definiert würde, der ihnen den Zugang zu den <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01.html">Grundrechten</a> de facto verwehrt. Wer Leistungsgerechtigkeit und Gleichheit der Chancen im Wettbewerb für alle Bürger in ei­nem Sozialwesen wie dem der Bundesrepublik Deutschland fordert, der kann ab einem ge­wissen Punkt des Abbaus sozialer Institutionen auf der nationalen Ebene Betroffenen nicht mehr vermitteln, dass es diese Leistungsgerechtigkeit und Gleichheit der Ausgangschancen im Wett­bewerb nur der Theorie nach geben soll, während man sich gegenüber den tatsächlichen Lebensumständen und der Ungleich­heit der Chancen im Wettbewerb indifferent zeigt. Selbstverständlich eröffnen grenzüberschreitende Solidaritätsbeziehungen in Wirtschaft und Politik erweiterte Möglichkeiten, mit immer weiter entfernten Inter­ak­­tions­­partnern in Tausch­beziehungen und politische Bündnisse einzutreten. Davon profitieren nur die Begüterten, nicht die wenig Begüterten. Es wird mehr soziale Ungleichheit im Ergebnis hingenommen, es wird akzeptiert, dass Menschen unter ungleicheren Verhältnissen als zuvor.  Ab einem gewissen Niveau des Abbaus von Institutionen des korporativen Kapitalismus stellt sich die die Frage, wie viel Sozialstaat sich eine Gesellschaft lei­sten kann, genau umgekehrt: Wie­viel Sozial­staat braucht die Gesellschaft, wie funktionsfähig müssen ihrer Institu­tio­nen sein, damit der soziale Friede aufrechterhalten werden kann und damit die Gesellschaft nicht in Kampf und Konflikt ausartet? Ist die Bereitschaft zu teilen spürbar nicht mehr gegeben, erscheint es auch nicht mehr gerechtfertigt, von grenzberschreitender Solidarität und von schwächeren und abstrakteren Gerechtigkeitsstandards zu sprechen. Dann sollte man fairerweise von einer einseitigen Aufkündigung der Solidarität durch die Gewinner der Auseinandersetzung um Verteilung sprechen. Werden „Liberalisierung“, „Flexibilisierung“ und Aktivierung nicht mehr in der Weise angewandt, dass sie ein Mehr an Freiheit, eine Erweiterung von Handlungsspielräumen und Möglichkeitshorizonten bedeuten, sondern im Gegenteil als Legitimationsgrundlage für immer neue Einschränkungen und Zwangsmaßnahmen, wird der Mensch in die Enge getrieben, verlieren sich Parteiprogramme wie die der Regierungskoalition oben im Absurden.</p>
<p>Wie Ralf Dahrendorf nach Einführung der Agenda 2010  in scharfer Kritik zum damaligen Bun­deskanzler Gerhard Schröder (SPD) feststellt, kann ohne ein Minimum an Ressourcen keine Rede von Freiheit mehr sein. Die Eingabe „<em>Das Volk wird erst dann zu Reformen bereit sein, wenn der Lei­dens­druck groß genug ist</em>“ bezeichnet Dahrendorf als fal­sche Strategie: „<em>Wenn der Leidensdruck größer wird, wenn man mit dem Rücken an der Wand steht, hat man nur noch einen Gedanken: Wie kann ich überleben? Wie kann ich also das, was von mir noch da ist, schützen? Wie kann ich mich davor schützen, dass noch weitere Eingriffe in meine Lebensmöglichkeiten gemacht werden? Nein, Verän­der­ungen finden nur statt, wenn die Erfahrungen der Wirklichkeit verbunden ist mit einem Ele­ment der Hoffnung. Ohne ein Element der Hoffnung kriegen Sie Menschen nicht dazu, Ver­än­der­ungen zuzustimmen.</em>“ [<a href="http://www.youtube.com/watch?v=KrWozfUFvP8">YouTube</a>, ausgestrahlt bei 3sat Kulturzeit am 18.06.09] Ohne Freiwilligkeit, ohne das von Dahrendorf eingeforderte Element der Hoffnung und ohne das Aufzeigen eines Weges hin zu einer wirksamen Verbesserung der eigenen Lebenslage – beispielsweise bei Vollzeitbeschäftigung nach Maßgabe durch die von den Gewerkschaften geforderten entsprechende Mindestlöhne, denn das wäre ein gangbarer Weg – muss von Zwang unter dem Label der Freiheit gesprochen werden. Mein Fazit ist, dass die Befürchtungen im Hinblick auf mögliche weitere Schritte des Sozialabbaus durch die schwarz gelbe Regierungskoalition durchaus berechtigt sind und all diejenigen, die irgendwelche Reste dessen sichern wollen, was wir unter &#8222;sozialer Marktwirtschaft&#8220; oder &#8222;korporativem Kapitalismus&#8220; deutschen Typs kennen, gewarnt sein sollten.</p>
<p>* In in meiner Dissertationsschrift „<em>Strukturwandel und Kulturwandel international agierender deutscher Unternehmen. Das Beispiel des Bayer-Konzerns</em>“ (<a href="http://www.amazon.de/Strukturwandel-Kulturwandel-international-deutscher-Unternehmen/dp/3835003976/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1257093262&amp;sr=8-1-fkmr2">DUV</a>, 2007) habe ich selbst mit dem Ansatz von Rawls gearbeitet, weil ich Leistungsgerechtigkeit nach dem Modell &#8222;Gerechtigkeit als Fairness&#8220; im Kontext von Unternehmen damit gut begründet sehe. Aber ein Unternehmen ist eine Organisation, die legitimerweise Mitglieder aus einer höheren Anzahl von Bewerbern selektiert. Die Beschäftigten beziehen einen monatlichen Lohn oder ein Gehalt, und sie kommen erwartungsgemäß in den Genuss einer betrieblichen Altersversorge. Eine Gesellschaft ist im Unterschied zum Großkonzern ein Gemeinwesen, eine Solidargemeinschaft. Dort sind alle Bürger Mitglied,  haben dort gleiche Rechte und Pflichten, Mitgliedschaft ergibt sich nicht als Ergebnis eines Selektionsprozesses. Befunde aus meinem Buch kann man daher nicht auf die Gesellschaft im allgemeinen übertragen, tut das jemand dennoch, möchte ich mich in aller Form davon distanzieren.</p>
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		<title>How trust and influence work together: Nobel Peace Prize &#8216;A Call to Action&#8217;</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 20:28:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinaguenther</dc:creator>
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<div class="posterous_quote_citation"><span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://sozlog.wordpress.com/2009/10/11/how-trust-and-influence-work-togehter-nobel-peace-prize-a-call-to-action/"><img src="http://img.youtube.com/vi/p7bHkH779qg/2.jpg" alt="" /></a></span></div>
<p>The Nobel peace price for US President Barack Obama has been debated much on the web in recent days. I would like to put aside all the discussion on whether or not Obama deserves the price or whether it comes to early etc. and offer another interpretation. The idea that came to me was that Peace Nobel Price for Obama right now is a nice example of how trust and influence are interrelated. Trust is conditional on actors, expectations, vulnerability, uncertainty, agency and embeddedness; trust is relevant only in social relations that can be specified, e.g. the relationship of a President and his electorate or, more general, the president and the public. Trust is not just about sympathy and affection, even though trust and affection may be involved when trust is buil.  Influence is something more general. Influence is not confined to a specific social relationship. Influence can be compared to money, insofar as influence circulates within social systems, just like money does. A person who has much influence needs to make less efforts to achieve a consensus for his or her causes. People will listen to an influential actor much more than they will listen to others. Influence can be earned and spent, borrowed and lent, the amount of influence circulating in a social system can grow or decline. Influence can undergo inflational and deflational developments. At a time of inflation, much more efforts needs to be made to achieve consensus for a specific cause in t1 than in t0. At a time of deflational devlopment of influence, much less efforts need to be made to achieve consensus for a specific cause in t1 than in t0. Institutions acts as banks for influence.  In this neoparsonian interpretation, the <a href="http://nobelprize.org/">Nobel commitee</a> acts as bank for influence based on trust, that is, based on positive expectations. The Nobel commitee lends influence to actors and instiutions and thus enables them to create consensus for important causes. Influential actors and institutions, again, can mobilize influence as a resource for various causes, or lend it to other actors and institutions. So, my hunch is that Obama came into office as US. President based on trust of his electorate, but now, with the Nobel peace price, the Nobel commitee has lent influence to Barack Obama (beyond the influence that comes with the office of US President), so he got additional trust from the Nobel commitee. The additional influence thus created will help Obama to get momentum for the causes that he cares about most. On the other hand, influence is something more general than trust. Contrary to trust, influence is not confined to a specific relationship. The Nobel peace price is no guarantee for Obama&#8217;s future political success just like a financial credit is no guarantee that an entrepreneur will eventually succeed with his business endeavors. But with the additional influence, Obama should have an easier time to pursue peace on the international level no matter whether he is successful with the domestic issues and how the electorate judges his presidency at a specific point in time. A tremendous development.</p>
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